Typ-1-Diabetes

Zusammenhang von Inselzellen-Autoantikörpern und Krankheitsmerkmalen bei Typ-1-Diabetes

Die meisten Menschen mit der Diagnose Typ-1-Diabetes weisen Autoantikörper gegen insulinherstellende Zellen auf. Manchmal sind diese Autoantikörper aber auch nicht vorhanden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben untersucht, ob dies einen Einfluss auf die Krankheitsmerkmale hat.

Autoantikörper zeigen autoimmune Vorgänge an

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, die das blutzuckersenkende Hormon Insulin herstellen. Bei den meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes lassen sich bestimmte Autoantikörper nachweisen. Diese Autoantikörper dienen in der Medizin als ein Marker für die Diagnose des Typ-1-Diabetes. Wenn diese Autoantikörper nachgewiesen werden können, kann die Beteiligung des körpereigenen Abwehrsystems ermittelt werden. Die Autoantikörper richten sich gegen Substanzen und Strukturen im Inneren der insulinherstellenden Zellen und können sich oft schon viele Jahre vor Ausbruch der Diabetes-Erkrankung entwickeln.

Studie bei über 3.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes

Ein Forschungsteam aus Großbritannien wollte daher Unterschiede in Bezug auf die Krankheitsmerkmale zwischen Teilnehmenden mit Typ-1-Diabetes mit positiven Autoantikörpern und Teilnehmenden mit
Typ-1-Diabetes ohne Autoantikörper feststellen.

Um diese Frage zu untersuchen, führte das Forschungsteam eine Studie bei 3.312 Personen durch. Teilnehmen konnten Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab dem 5. Lebensjahr, bei denen während der vergangenen 6 Monate erstmals eine Typ-1-Diabetes-Erkrankung festgestellt worden war. 59 % der Studienteilnehmenden waren jünger als 17 Jahre.

Ähnliche klinische Diabetes-Merkmale aber auch Unterschiede

Die Mehrheit der Teilnehmenden zeigten klassische Diabetes-Merkmale, wie Gewichtsverlust (85 %) und Müdigkeit (82 %). Auch Ketoazidosen (Stoffwechselentgleisung, die durch Insulinmangel ausgelöst wird) waren häufig, insbesondere bei Erwachsenen. Sie traten bei 42 % der Teilnehmenden auf.

1.778 Teilnehmende mit Typ-1-Diabetes stimmten der Entnahme einer Blutprobe zu. Hiervon wiesen 85 % entsprechende Autoantikörper auf. Die Krankheitsmerkmale Gewichtsverlust und Müdigkeit waren bei den Autoantikörper-positiven und Autoantikörper-negativen Teilnehmenden ähnlich häufig. Auch Ketoazidosen kamen gleich häufig vor.

Allerdings beobachtete das Forschungsteam, dass Inselzellen-Autoantikörper mit zunehmendem Alter und bei Männern weniger häufig zu finden waren. Der Body-Mass-Index (BMI) war bei Autoantikörper-negativen Erwachsenen höher als bei Autoantikörper-positiven Erwachsenen. Autoantikörper-negative Teilnehmende hatten außerdem häufiger einen Elternteil mit Diabetes und waren seltener von weiteren Autoimmunerkrankungen betroffen.

Das Fazit des Forschungsteams

Die meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes zeigten klassische Krankheitsmerkmale und waren Autoantikörper-positiv. Bei Autoantikörper-negativen Teilnehmenden zeigten sich die Krankheitsmerkmale vergleichbar häufig. Allerdings tendierte die Autoantikörper-negative Gruppe öfter zu Übergewicht, hatte häufiger einen Diabetes in der Familie und wies ein höheres Lebensalter bei Erkrankungsbeginn auf. Das Forschungsteam der Studie plant weitere Untersuchungen. Dabei möchten sie herausfinden, ob diese Antikörper-negativen Teilnehmenden möglicherweise eher einem Subtyp von Typ-1-Diabetes angehören.

 

Quelle:

Bravis V et al. Relationship between islet autoantibody status and the clinical characteristics of children and adults with incident type 1 diabetes in a UK cohort. BMJ Open 2018; 8:e020904

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Klinische Studien