Ursachen / Risikofaktoren

Wohngegend beeinflusst Diabetes-Risiko

Menschen, die in Vierteln mit hoher Arbeitslosigkeit und niedrigem Bildungsniveau leben, müssen mit negativen gesundheitlichen Folgen rechnen. In einer finnischen Langzeitstudie ging ein benachteiligtes Wohnumfeld mit einem überproportional hohen Diabetes-Risiko einher.

Das soziale und ökonomische Wohnumfeld hat offenbar Auswirkungen auf das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Wer in einem Stadtteil lebt, in dem viele Menschen arbeitslos sind, eine niedrige Schulbildung aufweisen und zur Miete wohnen, trägt ein höheres Krankheitsrisiko als Bewohner in sozioökonomisch weniger benachteiligten Gegenden. Das zeigen Daten der Young Finns Study, die in der Fachzeitschrift The Lancet Public Health veröffentlicht wurden.

Gesundheit leidet in Problemvierteln

In dieser vorausschauenden (prospektiven) und bevölkerungsbasierten Langzeitstudie wurden Daten von 3.467 jungen Finninnen und Finnen ab einem Alter von 6 Jahren für durchschnittlich 31 Jahre erfasst und ausgewertet. Im Kindes- und Erwachsenenalter haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 10 Risikofaktoren bei den Teilnehmenden untersucht: Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität, Rauchen, Body-Mass-Index (BMI), Blutdruck, HDL-Cholesterinwert, Triglyzeride, Blutzucker, Insulinkonzentration im Blut und Insulinsensitivität. Gemäß ihrem Wohnort wurden die Teilnehmenden zudem unterteilt in hohe und niedrige sozioökonomische Benachteiligung. Des Weiteren haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht, inwiefern sich das dauerhafte Wohnen in einem benachteiligten Viertel auf Herz-Kreislauf- oder Stoffwechsel-bezogene (kardiometabolische) Risikofaktoren wie Übergewicht, Fettleber oder Bluthochdruck auswirkt.

Es stellte sich heraus, dass die Menschen in den benachteiligten Wohngegenden deutlich mehr gesundheitliche Risikofaktoren aufwiesen, unabhängig vom persönlichen sozioökonomischen Status. Schon im Alter von 6 Jahren aßen die Kinder in benachteiligten Vierteln weniger Obst und Gemüse. 12-jährige aus benachteiligten Vierteln bewegten sich seltener als Gleichaltrige in sozioökonomisch besseren Wohngegenden und rauchten häufiger. Unterschiede im BMI, im Blutdruck und im Zuckerstoffwechsel (Glukosestoffwechsel) wurden im jungen Erwachsenenalter (21-27 Jahre) erkennbar. Die meisten dieser Unterschiede verstärkten sich mit steigendem Lebensalter.

Diabetes-Risiko fast 4-fach höher

Die Studienteilnehmenden, die einen langen Zeitraum in benachteiligten Vierteln lebten, hatten als Erwachsene mittleren Alters ein fast um das 4-fache erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken im Vergleich zu Menschen, die die meiste Zeit ihres Lebens in einem sozioökonomisch weniger benachteiligen Wohnviertel lebten. Die Entwicklung des Diabetes zeichnete sich schon durch die oben genannten Unterschiede in Lebensstil- und metabolischen Risikofaktoren im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter ab. Zudem wurden bei Personen, die über den gesamten Beobachtungszeitraum in benachteiligten Vierteln lebten, auch überproportional häufig Übergewicht, Bluthochdruck und eine Fettleber diagnostiziert, so dass bei längerer Nachbeobachtungszeit auch ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko zu erwarten ist.

Fazit: Ressourcen für bessere Gesundheit stärken

Besserung könnten Initiativen in benachteiligten Wohngegenden bringen, die schon bei Kindern einen gesunden Lebensstil fördern, bemerken die finnischen Forscherinnen und Forscher. Dazu gehören mehr Fußwege, Spiel- und Bolzplätze und weniger Fastfood-Restaurants sowie weniger Gelegenheiten zum Zigarettenkauf. Auch Steuern auf ungesunde Nahrungsmittel werden von dem Forschungsteam als mögliche Vorbeugungskomponente (Präventionskomponente) angeführt. Die Bekämpfung von Gewalt in sozial benachteiligten Vierteln könnte zusätzlich emotionalen Stress und die damit verbundene erhöhte Ausschüttung von Cortison mindern. Dieses Hormon erhöht den Blutzuckerspiegel und die Insulinresistenz.

 

Quelle:
Kivimäki M et al. Neighbourhood socioeconomic disadvantage, risk factors, and diabetes from childhood to middle age in the Young Finns Study: a cohort study. Lancet Public Health 2018; 3: e365-e373

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Klinische Studien