Ernährung

Weniger Kohlenhydrate bei Typ-1-Diabetes – bessere Blutzucker-Langzeitwerte

Menschen mit Typ-1-Diabetes, die auf eine intensivierte Insulintherapie eingestellt sind, können in der Regel frei über den Zeitpunkt und die Menge ihrer Mahlzeiten entscheiden. Die Insulindosen werden entsprechend angepasst. Allerdings sollten Betroffene auf die Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate achten – das legt eine aktuelle Untersuchung nahe.

Flexible Mahlzeiten durch flexible Insulintherapie

Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes können heutzutage ein Leben führen, das mit dem von Gleichaltrigen ohne Diabetes-Erkrankung vergleichbar ist. Möglich wurde dies durch die medizinischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte – mittlerweile lässt sich der Umgang mit der Insulintherapie deutlich flexibler gestalten. Auch die Ernährungsempfehlungen für Betroffene mit Typ-1-Diabetes haben sich den Ernährungsrichtlinien für die allgemeine Bevölkerung angenähert.

Studie aus Deutschland bei Jugendlichen

Vor dem Hintergrund der flexibel planbaren Mahlzeiten für Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes hat eine Studie aus Deutschland untersucht, ob sich die Ernährungsgewohnheiten von Menschen mit und ohne Typ-1-Diabetes unterscheiden.
Für die Untersuchung wurden bundesweit Daten von insgesamt 712 Patientinnen und Patienten mit
Typ-1-Diabetes analysiert und mit einer Kontrollgruppe, bestehend 296 Teilnehmenden der DONALD Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study), verglichen. Zum Zeitpunkt der Auswertung waren alle Studienteilnehmenden zwischen 11 und 19 Jahre alt. Personen mit einer Diabetes-Erkrankung hatten ihre Diagnose bereits in früher Kindheit (d. h. vor Vollendung des
5. Lebensjahres) erhalten.
Das Forschungsteam bestimmte für alle Teilnehmenden die Häufigkeit der Mahlzeiten und Snacks sowie die Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate.

Mehr Mahlzeiten – weniger Kohlenhydrate

Die Vergleiche zwischen beiden Gruppen zeigten, dass die Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes im Durchschnitt häufiger Mahlzeiten und Snacks aßen als ihre Altersgenossen ohne Diabetes-Erkrankung:
Pro Woche waren es rund 4-5 Mahlzeiten mehr in der Diabetes-Gruppe.
Im Vergleich zur Kontrollgruppe nahmen die Studienteilnehmenden mit Typ-1-Diabetes allerdings deutlich weniger Kohlenhydrate zu sich – sowohl insgesamt pro Tag (65-87 g) als auch pro Mahlzeit.
Dabei beobachtete das Forschungsteam einen deutlichen Zusammenhang zwischen der wöchentlich aufgenommenen Gesamt-Kohlenhydratmenge und der Güte der Stoffwechseleinstellung: Jugendliche mit
Typ-1-Diabetes, die mehr Kohlenhydrate verzehrten, zeigten eine schlechtere Stoffwechselkontrolle mit höheren Blutzucker-Langzeitwerten (HbA1c-Werte). Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes, die regelmäßig frühstückten, profitierten hingegen von einer besseren Stoffwechseleinstellung mit niedrigeren Blutzuckerwerten – vorausgesetzt, dass das Frühstück nicht zu kohlenhydratreich war.

Das Fazit des Forschungsteams

In Deutschland nehmen Jugendliche mit Typ-1-Diabetes häufiger Mahlzeiten zu sich als ihre Altersgenossen ohne Diabetes-Erkrankung. Laut dieser Studie, könnte sich ein regelmäßiges nicht zu kohlenhydratreiches Frühstück günstig auf die Stoffwechselkontrolle auswirken. Eine erhöhte Kohlenhydrataufnahme bei den Mahlzeiten oder Snacks geht in der Studie hingegen mit einer schlechteren Stoffwechseleinstellung einher.

 

Quelle:
Baechle C et al. Eating Frequency and Carbohydrate Intake in Adolescents with Type 1 Diabetes Differ from Those in Their Peers and are Associated with Glycemic Control. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2018; 126: 277-286

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Klinische Studien