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Weniger Hypoglykämien mit kontinuierlicher Glukoseüberwachung in Echtzeit

Ein kontinuierliches Glukose-Monitoring (CGM) mit einem Real-Time-Messgerät kann Hochrisiko-Patienten mit Typ-1-Diabetes helfen schwere und potenziell lebensbedrohliche Unterzuckerungen zu verhindern. Das zeigt eine sechsmonatige Studie mit einem solchen System in Deutschland.

Systeme zum kontinuierlichen Messen des Glukosewertes, sogenannte real-time (rt) CGM-Systeme mit Alarmfunktion bei niedrigen Glukosewerten, liefern Menschen mit Typ-1-Diabetes genaue Informationen über ihren Glukoseverlauf und können so Unterzuckerungen vorbeugen. In einem solchen System misst ein Sensor im Unterhautfettgewebe den Glukosespiegel und ein Transmitter sendet die Werte und Trends an ein Anzeigegerät, das den Anwender bei Erreichen der eingestellten Warngrenzen alarmiert. Ob diese Systeme bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, die sich mehrfach täglich Insulin spritzen, schwere Hypoglykämien und damit verbundene Komplikationen wie Bewusstlosigkeit verhindern, war bislang unklar. Deutsche Wissenschaftler haben dies nun in der randomisierten kontrollierten HypoDE (Hypoglykämie Deutschland)-Studie untersucht. Die Studie mit insgesamt 149 Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes fand in zwölf diabetischen Schwerpunktpraxen in ganz Deutschland statt und wurde in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht. Bei den Studienteilnehmern bestand entweder eine gestörte Hypoglykämie-Wahrnehmung, das heißt, sie bemerkten Anzeichen einer Unterzuckerung nicht und konnten somit auch nicht rechtzeitig reagieren, oder bei ihnen war innerhalb des vorherigen Jahres mindestens eine schwere Hypoglykämie aufgetreten. Bei schweren Hypoglykämien können Betroffene das Bewusstsein verlieren oder sogar ins Koma fallen. Das kann insbesondere beim Autofahren zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

Nach einer vierwöchigen Eingangsphase, in der alle Patienten ein rtCGM-System trugen, das die Zahl der Hypoglykämien registrierte, wurden die Patienten für die sechsmonatige Studienphase in zwei Gruppen zufallsverteilt: 75 Studienteilnehmer (Interventionsgruppe) nutzten das rtCGM-System G5 des Herstellers Dexcom, der auch Sponsor der Studie war. Die übrigen 74 Teilnehmer (Kontrollgruppe) führten weiterhin eine Blutzuckerselbstkontrolle durch. In der anschließenden vierwöchigen Follow-up-Phase trugen wieder alle Patienten ein rtCGM-System. Anfangs traten bei Patienten der Interventionsgruppe innerhalb von 28 Tagen 10,8 Unterzuckerungen (Hypoglykämien); am Ende der Studie nur noch 3,5 auf. Ihr Hyperglykämie-Risiko konnten sie somit um 72 Prozent senken. Bei den Patienten in der Kontrollgruppe traten in der Follow-up-Phase nur geringfügig weniger Unterzuckerungen auf als zu Studienanfang. Eine Hypoglykämie lag vor, wenn der Glukosespiegel mindestens zwanzig Minuten lang auf 54 mg/dl (3,0 mmol/l) oder darunter sank. Bei einem Drittel der Patienten in der rtCGM-Gruppe traten in den letzten vier Wochen der Studie keinerlei Hypoglykämien auf; in der Kontrollgruppe war das nur bei fünf Patienten (7,6%) der Fall. Auch die Zahl der nächtlichen Unterzuckerungen konnte durch das System deutlich verringert werden. Zudem waren die Schwankungen der Glukosewerte reduziert. In der Therapie- und Follow-up-Phase traten in der Interventionsgruppe 39, in der Kontrollgruppe 24 schwere Unterzuckerungen auf.

Fazit: Kontinuierliches Monitoring verhindert starken Abfall des Glukosespiegels

Mit Hilfe der Real-Time Glukosemessung, die den Nutzer bei niedrigen Konzentrationen alarmiert, treten bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, die eine Insulintherapie mit täglichen Mehrfachinjektionen erhalten, deutlich weniger Unterzuckerungen auf als unter einer Blutzuckerselbstkontrolle, wie die randomisierte HypoDE-Studie zeigt. Das mindert auch die Gefahr einer schweren und möglicherweise lebensbedrohlichen Unterzuckerung.

 

Quelle:
Heinemann L et al. Real-time continuous glucose monitoring in adults with type 1 diabetes and impaired hypoglycaemia awareness or severe hypoglycaemia treated with multiple daily insulin injections (HypoDE): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet 2018; 391: 1367-77

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Klinische Studien