Füße

Entstehung des diabetischen Fußsyndroms

Das diabetische Fußsyndrom ist ein vielseitiges Krankheitsbild, das individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Gemeinsamer Auslöser ist jedoch immer eine Verletzung, die anfangs oft unerkannt bleibt und die schlecht heilt. Beides, das Nichterkennen und das schlechte Heilen, kann eine Folge eines über lange Zeit hinweg ungenügend kontrollierten und eingestellten Diabetes sein, bei dem durch langfristig erhöhte Blutzuckerspiegel viele Stoffwechselprozesse im Körper gestört werden. Dazu gehören Mechanismen, die die Funktionen von Nerven und Blutgefäßen steuern und aufrechterhalten.

Die Verbindung zwischen unseren Füßen und unserem Gehirn geschieht durch Nerven. Wie elektrische Kabel werden durch sie Steuerungssignale aus dem Gehirn bis in mikroskopisch kleine Strukturen weitergeleitet und gleichzeitig von einer Menge an Sensoren Rückmeldung Richtung Gehirn gegeben. Beide „Richtungen“ spielen bei der Entstehung eines diabetischen Fußsyndroms eine Rolle. Die Steuerung von Muskeln beispielsweise sorgt für ein korrektes Gangbild und die korrekte Stellung von Gelenken. Ist diese Steuerung durch diabetische Nervenschäden beeinträchtigt, können durch Fehlbewegungen und Fehlstellungen Druckstellen an den Füßen und somit Verletzungen erzeugt werden. Auf der anderen Seite können Tastsinn und andere Sensibilitäten (Schmerz, Temperatur etc.) vermindert sein, weshalb Verletzungen (dauerhafte Druckbelastung durch Fehlbelastung, zu enge Schuhe etc. oder akute Verletzungen) nicht mehr richtig wahrgenommen werden, woraufhin Verletzungen nicht mehr gespürt, sondern nur noch gesehen werden können (z.B. Blut am Fuß bei Schnittwunde).

Diese Beeinträchtigung der Nervenfunktion ist Teil des Krankheitsbildes „Diabetische Neuropathie“.

Ist eine Wunde aufgetreten, so wird diese bei einem gesunden Menschen durch intakte Regenerationsmechanismen erst temporär verschlossen und anschließend im Optimalfall das ursprüngliche Gewebe wiederhergestellt. Damit diese Reparaturfunktionen funktionieren, bedarf es einer ausreichenden Durchblutung und Versorgung des Gewebes mit Nährstoffen, was durch eine funktionierende Gefäßfunktion gewährleistet werden muss. Diese wird beeinträchtigt durch Gefäßverengungen, Blutgerinnsel, verhärtete Gefäßwände, Gefäßverletzungen und –entzündungen, welche durch Risikofaktoren wie hohe Cholesterin- und Blutfettwerte, hohe Blutzuckerspiegel und Rauchen hervorgerufen werden können. Infolgedessen ist das Gewebe chronisch unterversorgt und somit funktionieren Wundverschlüsse nicht mehr richtig, die Wundheilung dauert erheblich länger und das Gewebe entzündet sich leichter mit Bakterien.

Diese Komponente des Diabetischen Fußsyndroms ist Teil der diabetischen Gefäßschäden (Angiopathie).

Insgesamt wird die Elastizität und Gelenkbeweglichkeit des Fußes durch die veränderten Stoffwechselvorgänge im Bindegewebe stark eingeschränkt. Außerdem ist oft die Schweißproduktion gestört, wodurch die Haut weniger elastisch und somit anfälliger für Risse und Verletzungen ist. Beide Komponenten, Nervenschäden und Gefäßschäden, können gemeinsam oder unabhängig voneinander zum Diabetischen Fußsyndrom führen. Wichtig ist daher, Gefäß- und Nervenfunktionen rechtzeitig und regelmäßig zu untersuchen, um frühzeitig Einschränkungen zu erkennen, sowie aktiv Prävention zu betreiben, um beeinflussbare Risikofaktoren zu reduzieren.

 

Quellen:
Bauer H et al. Nationale VersorgungsLeitlinie: Typ-2-Diabetes
Präventions- und Behandlungsstrategien für Fußkomplikationen 2010 (Version 2)

Lawall H. Diabetisches Fuß-Syndrom: über Polyneuropathie, Durchblutungsstörungen und Zweitmeinungen. Deutscher Gesundheitsbericht – Diabetes 2017; 83-95

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Klinische Studien