Schwangerschaftsdiabetes

Unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes kann die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden

Frauen, deren Schwangerschaftsdiabetes nicht erkannt wird, entwickeln in den Jahren nach der Geburt übermäßig häufig Diabetes oder dessen Vorstufe Prädiabetes. Zudem neigt ihr Nachwuchs zu Übergewicht, wie eine internationale Langzeitstudie zeigt.

Ein Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) gehört zu den häufigsten Komplikationen während der Schwangerschaft und ist ein Risikofaktor für Typ-2-Diabetes. Die Zahl der Frauen, die von dieser Störung des Zuckerstoffwechsels (Glukosestoffwechsels) während der Schwangerschaft betroffen sind, steigt kontinuierlich. Frauen, bei denen erstmals in der Schwangerschaft eine Glukosetoleranzstörung auftritt, müssen ihre Ernährung umstellen, ihren Blutzucker regelmäßig mehrmals täglich messen und gegebenenfalls den Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandeln, um sich und ihr ungeborenes Kind zu schützen. Mit welchen Folgeschäden Frauen und ihre Kinder nach der Geburt rechnen müssen, insbesondere dann, wenn ein Schwangerschaftsdiabetes nicht diagnostiziert und damit auch nicht behandelt wurde, ist unklar.

Schwangerschaftsdiabetes: Gibt es Langzeitschäden?

In einer Folgeuntersuchung der Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome (HAPO)-Studie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Langzeitfolgen eines Schwangerschaftsdiabetes für Mutter und Kind genauer untersucht. Hierzu haben sie Daten von 4.697 Frauen und ihren 4.832 Kindern analysiert. Seit 2012 ist ein Diabetestest bei Schwangeren in der 24. bis 28. Woche laut Mutterschutzrichtlinien Pflicht. Allerdings gelten international unterschiedliche Grenzwerte. Ob bei den Frauen gemäß den seit 2012 in Europa angewandten Kriterien ein Schwangerschaftsdiabetes vorlag, wurde anhand des Ergebnisses eines 2-stündigen 75 g oralen Glukosetoleranztests (OGTT) mit folgenden Grenzwerten bestimmt:

  • Nüchtern-Blutzuckerwert: 92 mg/dl (5,1 mmol/l) oder größer
  • Blutzuckerwert nach 1 Stunde: 180 mg/dl (10,0 mmol/l) oder größer
  • Blutzuckerwert nach 2 Stunden: 153 ml/dl (8,5 mmol/l) oder größer

Bei der ursprünglichen Untersuchung der HAPO-Studie galten weniger strenge Grenzwerte für die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes. Dadurch wurde in der 1. Studie bei weniger Teilnehmerinnen ein Gestationsdiabetes diagnostiziert als bei Anwendung der aktuell geltenden Grenzwerte in der Folgestudie. Vor diesem Hintergrund haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun geschaut, ob Frauen, bei denen in der 1. Studie kein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert und behandelt wurde, obwohl gemäß der aktuell geltenden strengeren Kriterien ein Schwangerschaftsdiabetes vorlag, innerhalb von 10-14 Jahren nach der Geburt einen Prädiabetes oder Diabetes entwickelten. Im gleichen Zeitraum wurde auch das Auftreten von Übergewicht oder Adipositas beim Nachwuchs dieser Frauen untersucht.

Diabetes-Risiko steigt um ein Vielfaches

Insgesamt 14 % der Frauen, bei denen in der 1. Studie kein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert und behandelt wurde, überschritten die aktuell in Europa angewendeten Grenzwerte für einen Gestationsdiabetes. Bei mehr als der Hälfte dieser Frauen trat innerhalb von 10-14 Jahren eine Blutzuckerstörung – Typ-2-Diabetes (11 %) oder Prädiabetes (41 %) – auf. Bei Frauen, die die aktuellen Grenzwerte nicht überschritten, lag der Anteil bei nur 20 %. Umgerechnet waren die Risiken eines Diabetes oder Prädiabetes bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes um mehr als das 3-fache erhöht. Auch am Nachwuchs geht ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes scheinbar nicht schadlos vorüber. Fast 40 % dieser Kinder waren 11 Jahre nach ihrer Geburt übergewichtig oder sogar adipös. Bei Kindern, deren Mütter keinen Schwangerschaftsdiabetes hatten, waren es 29 %.

Fazit: Diabetes in der Schwangerschaft ernst nehmen

Die Folgeuntersuchung der HAPO-Studie zeigt, dass sich die negativen Auswirkungen eines unbehandelten Gestationsdiabetes nicht nur akut auf Schwangerschaft und Geburt beschränken, sondern den Zuckerstoffwechsel der Mütter auch nachhaltig stören können. Langfristig steigen auch für die Kinder die Risiken für Übergewicht und Diabetes. Um die Ergebnisse der Studie genauer interpretieren zu können, ist es allerdings notwendig, das Übergewicht der Kinder weiter zu beobachten, so die Studienautorinnen und -autoren.

 

Quelle:
Lowe WL et al. Association of Gestational Diabetes With Maternal Disorders of Glucose Metabolism and Childhood Adiposity. JAMA 2018; 320: 1005-1016

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Klinische Studien