Ursachen / Risikofaktoren

Überlange Arbeitszeiten gefährden Frauen

Frauen, die 45 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten, haben ein erhöhtes Diabetesrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine 12-jährige Beobachtungsstudie aus Kanada.

Zahl der Diabetes-Patienten steigt

Die Häufigkeit von Diabetes – vor allem Typ-2-Diabetes – nimmt weltweit alarmierend zu. Bekannte und bedeutende Risikofaktoren für einen Typ-2-Diabetes sind unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung. Aktuell suchen Forscher nach weiteren Diabetes-Risiken, die ebenfalls beeinflussbar sind. Wissenschaftler aus Kanada haben hierfür die Arbeitsbedingungen von Männern und Frauen näher unter die Lupe genommen und mit der Diabeteshäufigkeit verglichen.

Untersuchung bei mehr als 7.000 Arbeitnehmern

Die Forscher verfolgten in Toronto, Kanada, die Gesundheitsdaten von 7.065 berufstätigen Männern und Frauen im Alter von 35 bis 74 Jahren. Zu Beginn der insgesamt 12-jährigen Beobachtungszeit war bei keinem der Studienteilnehmer eine Diabeteserkrankung bekannt. Die Untersuchung berücksichtigte neben den Arbeitszeiten auch andere mögliche Einflussfaktoren auf das Diabetesrisiko wie z.B. Schichtarbeit, Alter, Geschlecht, Familienstand, Elternschaft, ethnische Zugehörigkeit, Geburts- und Wohnort, Lebensstil und Gewicht (BMI).

Große Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Während der 12-jährigen Beobachtungszeit entwickelten 10 Prozent der Teilnehmer eine Diabeteserkrankung. Männer waren mit etwas mehr als 12 Prozent insgesamt stärker betroffen als Frauen (7,5 Prozent). Am häufigsten trat der Diabetes bei älteren und übergewichtigen Teilnehmern auf. Darüber hinaus fanden die Wissenschaftler bei Frauen einen Zusammenhang zwischen der Länge der wöchentlichen Arbeitszeit und der Diabeteshäufigkeit: Eine Arbeitszeit von mehr als 45 Stunden war bei Frauen mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden. Das Risiko stieg hier um 63 Prozent an im Vergleich zu Frauen, die 35 bis 40 Stunden pro Woche arbeiteten. Dieser Effekt wurde auch nur leicht abgeschwächt, wenn die Wissenschaftler weitere mögliche Einflussfaktoren wie Rauchen, körperliche Aktivität in der Freizeit, Alkoholkonsum und den Body-Mass-Index „herausrechneten“.

Bei Männern konnte allerdings kein entsprechender Zusammenhang festgestellt werden: Hier gingen höhere Zahlen an Arbeitsstunden tendenziell eher mit einem niedrigeren Diabetesrisiko einher.

Die Ursachen für das erhöhte Diabetesrisiko bei Frauen, die überlange arbeiten, sind bisher nicht geklärt. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine höhere Stressbelastung und Bewegungsmangel eine Rolle spielen könnten. Allerdings konnte die Studie zwei wichtige Aspekte, die einen Einfluss auf die Befunde haben könnten, nur unzureichend erfassen. Zum einen ist die soziale Lage, die oft über Ausbildungsgrad, berufliche Position und Einkommen definiert wird, mit dem Diabetesrisiko und den Arbeitszeiten assoziiert. Zum anderen stellt die Arbeitsbelastung außerhalb des Berufs einen weiteren Faktor dar, der wesentlich zur individuellen Stressbelastung beiträgt.

Das Fazit der Studienautoren

Eine wöchentliche Arbeitszeit von 45 Stunden oder mehr kann bei Frauen das Risiko für Diabetes erhöhen. Bei Männern zeigt sich ein solcher Zusammenhang nicht. Um mehr über die möglichen Ursachen zu erfahren, sind weitere Forschungsarbeiten notwendig, die weitere Einflussfaktoren wie die soziale Lage miteinbeziehen.

 

Quelle:
Gilbert-Ouimet M et al. Adverse effect of long work hours on incident diabetes in 7065 Ontario workers followed for 12 years. BMJ Open Diabetes Res Care 2018; 6: e000496

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Klinische Studien