Andere Formen des Diabetes

Typ-3c-Diabetes: Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Diabetes-Formen, die infolge einer Erkrankung der exokrinen Bauchspeicheldrüse (Pankreas) entstehen, werden auch als Typ-3c-Diabetes bezeichnet.

„Exokrin“ bedeutet, dass das Produkt der Drüse nach außen abgegeben wird. „Endokrin“ bedeutet, dass das Drüsenprodukt nach innen abgegeben wird, z. B. in den Blutkreislauf. Die Bauchspeicheldrüse besitzt sowohl exokrine Funktionen, z. B. gibt sie Verdauungssäfte in den Darm ab, als auch endokrine Funktionen, wie die Insulinausschüttung ins Blut.

 

Erkrankungen, durch die ein Typ-3c-Diabetes entstehen kann, sind z. B. eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis), Bauchspeicheldrüsenkrebs, eine Mukoviszidose (zystische Fibrose) oder Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose). Zurzeit gibt es jedoch noch wenige epidemiologische Informationen zum Typ-3c-Diabetes.

Diagnose

Wie auch bei anderen seltenen Formen des Diabetes, wird häufig bei Menschen mit Typ-3c-Diabetes am Anfang ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Die bekanntesten klinischen Merkmale des Typ-3c-Diabetes sind:

  • Extrem seltene Entwicklung einer diabetischen Ketoazidose
  • Milde Überzuckerung (Hyperglykämie)
  • Erhöhte Insulinsensitivität
  • Durch die Behandlung verursachte Unterzuckerung (iatrogene Hypoglykämie)
  • Insulinresistenz der Leber (Hepatische Insulinresistenz)

Durch die teilweise oder komplette, operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse bzw. die Reduktion der Bauchspeicheldrüsen-Inselzellen, verringert sich der Insulinspiegel im Blut.

Behandlung des Typ-3c-Diabetes

Die Therapie von Patientinnen und Patienten mit Typ-3c-Diabetes erfolgt durch die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung sowie durch eine Ernährungsumstellung und orale Antidiabetika (OAD), teilweise ist eine Insulintherapie erforderlich. Die Ergebnisse einer Populationsstudie (Kohortenstudie) aus England zeigen, dass während der ersten 5 Jahre nach der Diagnosestellung, bei circa 20 % der Menschen Typ-3c-Diabetes mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung und bei etwa 45 % der Menschen mit einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung eine Insulintherapie eingesetzt wurde. Die Therapie des Typ-3c-Diabetes sollte daher individuell auf die betroffene Person angepasst werden.

Fazit: Menschen mit Typ-3c-Diabetes werden häufig als Typ-2-Diabetes eingestuft. Aufgrund einer schlechteren Kontrolle des Blutzuckerspiegels (glykämische Kontrolle), wird bei Typ-3c-Betroffenen öfters eine Insulintherapie notwendig.

 

Quellen:
American Diabetes Association. Diagnosis and Classification of Diabetes Mellitus. Diabetes Care 2010 Jan; 33(Suppl 1): S62-S69

Cui Y et al. Pancreatogenic diabetes: special considerations for management. Pancreatology 2011; 11: 279-294

Hirata K et al. Predictive Factors for Change of Diabetes Mellitus Status After Pancreatectomy in Preoperative Diabetic and Nondiabetic Patients. J Gastrointest Surg 2014; 18: 1597-1603

Woodmansey C et al. Incidence, Demographics, and Clinical Characteristics of Diabetes of the Exocrine Pancreas (Type 3c): A Retrospective Cohort Study. Diabetes Care 2017; 40(11): 11486-1493

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Klinische Studien