Bewegung

Typ-2-Diabetes: Strukturierte Bewegung hält Blutzucker in Schach

Ein individuell geplantes und betreutes Sportprogramm, am besten bestehend aus einer Kombination von Ausdauer- oder Kraftübungen, wirkt bei Menschen mit Typ-2-Diabetes als gezielte Therapiemaßnahme, um den Blutzucker (Blutglukose) besser zu kontrollieren.

Menschen mit Diabetes, die ihre Ausdauer und Kraft richtig und regelmäßig trainieren, können viel für eine bessere Kontrolle ihrer Erkrankung tun. Das zeigt eine Zusammenfassung von 47 Studien, welche Bewegungsprogramme und Sportempfehlungen von insgesamt 8.538 Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes über einen Zeitraum von mindesten 12 Wochen untersucht haben. Zentrales Ergebnis der Datenanalyse, die nun von einem brasilianischen Forschungsteam in der Fachzeitschrift JAMA (Journal of the American Medical Association) veröffentlicht wurde: Ein strukturiertes Bewegungsprogramm, in dem entweder Ausdauer oder Kraft – oder auch beide Fähigkeiten – trainiert werden, verbessert den Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Der Blutzucker-Langzeitwert gibt Aufschluss über die Höhe des durchschnittlichen Blutzuckerwerts der vergangenen 8-12 Wochen. Studienteilnehmende, die nicht an einem strukturierten Bewegungsprogramm teilnahmen, jedoch von ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt zum Sporttreiben angewiesen wurden und zudem hinsichtlich ihrer Ernährung beraten wurden, konnten ihren Blutzucker-Langzeitwert ebenfalls senken, allerdings nicht so deutlich wie Patientinnen und Patienten, die an einem strukturierten Sportprogramm teilnahmen.

Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass am Ende der Teilnahme an einem strukturierten Ausdauer- oder Krafttrainingsprogramm bei den Patientinnen und Patienten der Blutzucker-Langzeitwert um 0,7 % niedriger war als bei der Kontrollgruppe. Am besten schnitten die Personen ab, die mehr als 150 Minuten in der Woche an einem strukturierten Sportprogramm teilnahmen. Ihr mittlerer Blutzuckerwert verringerte sich sogar um 0,9 %.

Bewegungsempfehlung plus Ernährungsberatung

Jedoch kann nicht jeder Betroffene mit Typ-2-Diabetes auf ein solches Sportprogramm zugreifen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Brasilien haben daher ebenfalls untersucht, ob eine allgemeine Sportempfehlung einer Diabetologin bzw. eines Diabetologen oder einer Hausärztin bzw. eines Hausarztes ähnliches bewirken kann, mit oder ohne Ernährungsberatung. In diesen 24 untersuchten Studien erhielten Menschen, die nicht oder nur teilweise an einem strukturierten Sportprogramm teilnahmen, genaue Anweisungen, regelmäßig zu trainieren. Es stellte sich heraus, dass sich eine solche Empfehlung der Ärztin bzw. des Arztes, regelmäßig Sport zu treiben, bei den Patientinnen und Patienten ebenfalls positiv auf den Blutzuckerwert auswirkt, wenn dies mit einer gleichzeitigen Ernährungsberatung kombiniert wurde. Personen, die diese kombinierte Empfehlung erhielten, konnten ihren Blutzucker-Langzeitwert um 0,6 % senken. Diejenigen, denen lediglich zu regelmäßiger Bewegung geraten wurde, jedoch ohne zusätzliche Ernährungsberatung, konnten ihren Blutzucker-Langzeitwert nicht senken.

Fazit: Sportprogramm hat ähnlichen Effekt wie Diabetes-Medikamente

Die Übersichtsarbeit zu Bewegung und Blutzuckerkontrolle bei Menschen mit Typ-2-Diabetes macht deutlich, dass sich ein individualisiertes mindestens 12-wöchiges Ausdauer-, Kraft- oder Kombinationstraining eindeutig positiv auf den Blutzucker-Langzeitwert auswirkt. Dabei entspricht der Unterschied im Blutzucker-Langzeitwert durch das Training (-0,7 %) in etwa dem Abfall, der durch ein Antidiabetikum erreicht wird, welches zusätzlich zu Metformin eingenommen wird, schreibt das Forschungsteam im JAMA.

 

Quelle:
Umpierre D et al. Physical activity advice only or structured exercise training and association with HbA1c levels in type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. JAMA 2011; 305: 1790-99

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Klinische Studien