Herz-Kreislauf

Typ-2-Diabetes: Richtige Ernährung schützt Gefäße und Herz

Menschen mit Diabetes können einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko aktiv entgegenwirken. Das bestätigt eine aktuelle Studie im renommierten Fachjournal „Atherosclerosis“.

Eine Schlüsselrolle für Herz & Gefäße spielt das Gefäßendothel

Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund von Atherosklerose („Gefäßverkalkung“) sind die Haupttodesursache bei Menschen mit Diabetes. Eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Atherosklerose nimmt die sogenannte endotheliale Dysfunktion ein. Darunter verstehen Experten eine gestörte Funktion des Gefäßendothels. Letzteres ist eine dünne Schicht von Zellen, die das Innere der Gefäße im Gefäßsystem des Körpers auskleidet. Das Endothel sondert Substanzen ab, die unter anderem die Gefäßweite und damit den Blutdruck, die Gefäßdurchlässigkeit und das Anlagern von Blutplättchen regulieren. Eine gestörte Funktion die Endothels – die „endotheliale Dysfunktion“ – wird bei verschiedenen Erkrankungen beobachtet, unter anderem auch beim Diabetes. Die endotheliale Dysfunktion trägt wesentlich zur Atherosklerose und damit zu Herz-Kreislauf-Krankheiten bei.

Die Funktion des Gefäßendothels kann gemessen werden

Mittels hochauflösendem Ultraschall lässt sich die Funktion des Endothels bestimmen: Gemessen wird die sogenannte „flussvermittelte Vasodilatation“, kurz FMD genannt. Die FMD weist indirekt die Fähigkeit der Endothelzellen nach, Stickstoffmonoxid (NO) zu bilden. NO bewirkt eine Erschlaffung der glatten Gefäßmuskulatur: Die Gefäße weiten sich und der Blutdruck wird gesenkt.

Wenn die FMD verringert ist, zeigt dies eine Funktionsstörung des Endothels an. Dies ist gleichbedeutend mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse.

Studie untersucht Einfluss von Ernährung auf die Endothelfunktion

Eine große Studie aus Spanien hat bei Herz-Kreislauf-gefährdeten Menschen ohne und mit Typ-2-Diabetes oder einer Diabetes-Vorstufe untersucht, ob der langfristige Verzehr einer Mittelmeerdiät (reich an Olivenöl) bzw. alternativ der Verzehr einer fettarmen Diät die Endothelfunktion verbessern kann.

Bei allen 805 Studienteilnehmern war bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bekannt. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Hälfte sollte sich im Rahmen einer Mittelmeerdiät ernähren, die andere Hälfte war zu einer fettarmen Ernährung angehalten.

Zu Studienbeginn und nach 1,5 Jahren mit der jeweiligen Ernährung wurde die Endothelfunktion bei allen Teilnehmern mittels Ultraschalluntersuchung überprüft.

Zusammensetzung der Mittelmeerdiät in der Studie:

Ernährung mit viel Fett aus Olivenöl; 35% der Kalorien aus Fett (22% einfach ungesättigt, 6% mehrfach ungesättigt, 7% gesättigt) und 50% der Kalorien aus Kohlenhydraten. Die Teilnehmer erhielten kostenloses extra natives Olivenöl und ihnen wurde gesagt, dass sie das Öl so oft verwenden sollten, wie sie es bei ihrer normalen Ernährung benötigten.

Außerdem: Verzehr von zwei oder mehr Portionen (125 g / Portion) pro Tag Gemüse (mindestens eine davon als Salat), drei oder mehr Portionen (125 g / Portion) pro Tag frische Früchte, drei oder mehr Portionen (40 g / Portion) pro Woche Hülsenfrüchte; drei oder mehr Portionen (150 g / Portion) pro Woche mit Fisch oder Meeresfrüchten, drei oder mehr Portionen (25 g / Portion) pro Woche mit Nüssen oder Samen, weißes Fleisch anstelle von rotem oder verarbeitetem Fleisch und regelmäßige Zubereitung einer hausgemachten Soße mit Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln und Gewürzen; Olivenöl zum Anrichten von Gemüse, Nudeln, Reis und anderen Speisen. Wahlweise war auch ein mäßiger Rotweinkonsum (7 Gläser / Woche) erlaubt. Der Verbrauch von Butter, Sahne, Fast Food, Süßigkeiten, Gebäck und zuckergesüßten Getränken sollte vermieden oder begrenzt werden.

Zusammensetzung der fettarmen Diät in der Studie:

Alle Arten von Fett (aus tierischen oder pflanzlichen Quellen) sollten begrenzt und die Aufnahme komplexer Kohlenhydrate erhöht werden. Ernährung mit 28% der Kalorien aus Fett (12% einfach ungesättigt, 8% mehrfach ungesättigt, 8% gesättigt) und 55% der Kalorien aus Kohlenhydraten.

Außerdem: Die Teilnehmer erhielten kostenlose Lebensmittelpackungen, die die Hauptbestandteile der fettarmen Diät enthielten.

Mittelmeer-Diät schneidet am besten ab

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes oder einer Diabetes-Vorstufe erhöhten sich die Werte für die Endothelfunktion während der 1,5-jährigen Beobachtungszeit deutlich. Dies traf sowohl für die Gruppe mit Mittelmeerdiät als auch für die Gruppe mit fettarmer Diät zu. Bei Menschen ohne Diabetes blieb die Endothelfunktion unter beiden Diäten stabil.

Der direkte Vergleich zwischen Mittelmeerdiät und fettarmer Diät zeigte allerdings, dass erstere die Endothelfunktion noch einmal erheblich stärker verbessern konnte.

Fazit der Studienautoren

Die Ergebnisse der Studie bestätigen erneut, dass die Ernährung bei Diabetes einen bedeutenden Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko hat. Eine langfristige Ernährungsumstellung hin zu einer „Mittelmeerdiät“ mit reichlich Olivenöl, ausreichend Gemüse, frischen Früchte, Fisch, Nüssen und weißem statt rotem oder verarbeiteten Fleisch kann die Gefäßfunktion von Menschen mit Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Vorbelastung deutlich verbessern.

 

Quelle:
Torres-Peña JD et al. Mediterranean diet improves endothelial function in patients with diabetes and prediabetes: A report from the CORDIOPREV study. Atherosclerosis 2017; 269: 50-56

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Klinische Studien