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Typ-2-Diabetes kann das Farbensehen beeinträchtigen

Wer bereits länger an einem Typ-2-Diabetes leidet, kann von einer Farbsehschwäche betroffen sein – auch wenn noch keine diabetische Retinopathie festzustellen ist.

Farbsehschwäche auch ohne diabetische Retinopathie?

Netzhautschäden sind eine häufige Langzeitfolge von Diabetes. Sie führen zu leichten Sehstörungen bis hin zur Erblindung. Wenn die Stelle des schärfsten Sehens in der Mitte der Netzhaut – die sogenannte Makula – von den Diabetesfolgen betroffen ist, kann es auch zu Beeinträchtigungen des Farbensehens kommen. Eine Studie aus Asien hat Patienten mit Typ-2-Diabetes untersucht, die noch keine festellbare diabetische Retinopathie hatten. Dabei machten die Wissenschaftler eine interessante Entdeckung: Mindestens jeder fünfte Patient mit einer mehrjährigen Typ-2-Diabeteserkrankung wies eine Blau-Gelb-Sehschwäche auf.

Zapfen in der Mitten der Netzhaut vermitteln das Farbensehen

Eine Farbsehschwäche bedeutet, dass bestimmte Farben nur eingeschränkt erkannt und nicht unterschieden werden können. Die häufigste angeborene Farbsehstörung ist die Rot-Grün-Sehschwäche. Bei dieser Störung können die Farben Rot und Grün nicht unterschieden werden. Rund acht Prozent der Männer und weniger als ein Prozent der Frauen sind davon betroffen. Die häufigste erworbene Farbsehstörung – zum Beispiel durch eine Erkrankung wie Diabetes – ist ein eingeschränktes Blau-Gelb-Sehvermögen, eine sogenannte Tritanomalie. Bei der Tritanomalie ist die Empfindung für die Farbe Blau herabgesetzt.
Auf der Netzhaut gibt es zwei Arten von lichtempfindlichen Zellen. Die Stäbchen sind für das Dämmerungs- und Nachtsehen verantwortlich, sie unterscheiden nur hell und dunkel. Die Zapfen vermitteln das Tagessehen, das Farbensehen und das Auflösungsvermögen.

Die Farbsehschwäche entsteht dadurch, dass Zapfen in der Mitte der Netzhaut nicht mehr richtig funktionieren. Der Mensch verfügt über drei verschiedene Sorten von Zapfen: Rot-, Grün- und Blauzapfen. Langwelliges Licht regt die Rotzapfen, mittelwelliges Licht die Grünzapfen und kruzwelliges Licht die Blauzapfen an. Diese Reize werden in elektrische Impulse umgewandelt und an das Gehirn weitergeleitet. Im Gehirn ensteht dann unser Farbeindruck.

Studie aus Asien hat Patienten mit Typ-2-Diabetes untersucht

In einer Klinik in Singapur unterzogen sich 849 Personen mit Typ-2-Diabetes und ohne diabetische Retinopathie einem Farbsehtest. Das Alter der Patienten lag zwischen 21 und 80 Jahren. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Diabeteserkrankung seit mindestens zwei Jahren bekannt war. Für die Untersuchung des Farbensehens setzten die Wissenschaftler den Farnsworth-D-15-Test ein. Dieser besteht aus 15 Farben, die von der untersuchten Patienten in einer Farbreihe angeordnet werden sollen. Bei Farbsehstörungen werden bestimmte Farben verwechselt, hierdurch lässt sich eine Farbsehstörung aufdecken.

Die Ergebnisse der Studie im Detail

Mehr als jeder fünfte (22%) der 849 Diabetespatienten zeigte im Test ein eingeschränktes Farbensehen. Bei den meisten Patienten handelte es sich um eine Schwäche bei der Farbdifferenzierung im Blau-Gelb-Bereich, eine sogenannte Tritanomalie. Dabei war das rechte Auge häufiger betroffen als das linke Auge. Oftmals ging die Farbsehstörung mit einer deutlich verringerten Sehschwäche einher. Der Visus war dann um die Hälfte oder mehr verringert. Je länger die Patienten ihre Diabeteserkranlkung hatten, umso größer war auch das Risiko für Einschränkungen des Farbensehens.

 

Das Fazit der Autoren: Eine langjährige Typ-2-Diabeteserkrankung kann auch ohne diabetische Retinopathie mit einer Farbsehschwäche einhergehen. Für Patienten mit einer Diabetesdauer von 6 Jahren oder mehr empfehlen die Autoren, einen Farbsehtest durchzuführen.

 

Quelle:
Tan NC et al. Factors associated with impaired color vision without retinopathy amongst people with type 2 diabetes mellitus: a cross-sectional study. BMC Endocr Disord 2017; 17: 29

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Klinische Studien