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Träger einer Variante im Glukosetransporter-Gen sprechen besser auf Metformin an

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf haben herausgefunden, dass das Medikament Metformin bei Menschen, die neu an Typ-2-Diabetes erkrankt sind und eine bestimmte Variante des GLUT-2-Gens tragen, den Blutzuckerspiegel stärker absenken kann als bei Menschen ohne diese Variation.

Viele Menschen mit Diabetes nehmen den Blutzuckersenker (Glukosesenker) Metformin ein, um ihre Blutzuckerwerte zu verbessern. In einer Studie des Metformin Genetics (MetGen) Konsortiums mit mehr als 13.000 Diabetes-Betroffenen hat sich gezeigt, dass eine bestimmte Variation in dem Glukosetransporter-Gen GLUT-2 bei einer Behandlung mit Metformin Auswirkungen auf den Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) hat. Glukosetransporter sind Proteine, die für den Transport des Blutzuckers durch die Zellmembran zuständig sind. Der Glukosetransporter GLUT-2 wird beim Menschen in Niere, Leber und Dünndarm gebildet und u. a. von dem Gen SLC2A2 kodiert.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Rathmann haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nun untersucht, inwiefern sich der Behandlungseffekt von Metformin bei Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes mit und ohne diese Genvariation unterscheidet. Hierzu haben sie innerhalb der in die Zukunft gerichteten (prospektiven) Deutschen Diabetes-Studie bei 508 Teilnehmenden mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes (Durchschnittsalter: 53 Jahre, 65 % männlich) eine Genanalyse vorgenommen. Speziell haben sie Variationen im SLC2A2-Gen und mögliche Auswirkungen auf den Nüchtern-Blutzuckerspiegel untersucht.

Blutzucker sinkt mit C-Allel stärker

Studienteilnehmende, bei denen eine bestimmte Variation dieses Gens (C-Allel) vorlag, berichteten zum Zeitpunkt ihrer Diabetes-Diagnose über mehr Diabetes-Symptome als Nicht-Trägerinnen und -Träger dieses Allels. Unter den 45 % der Teilnehmenden, die ausschließlich mit Metformin behandelt wurden, ließ sich der Blutzucker bei Trägerinnen und Trägern des C-Allels (24 %) innerhalb des 1. Jahres nach der Diagnose besser absenken als bei Nicht-Trägerinnen und -Trägern. Trägerinnen und Träger der Variante verzeichneten von der Diabetes-Diagnose bis zum Messzeitpunkt im ersten Jahr danach eine Absenkung um 6,3 mmol/l (114 mg/dl), im Vergleich zu 3,9 mmol/l (70 mg/dl) bei Nicht-Trägerinnen und -Trägern. Der Unterschied blieb auch nach einer statistischen Anpassung der Werte hinsichtlich Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI) und Diabetes-Dauer der Teilnehmenden bestehen. Solche Blutzucker-Differenzen zeigten sich jedoch nur bei Betroffenen, die ihren Blutzucker ausschließlich durch Metformin kontrollierten. Bei Betroffenen, die zusätzlich ein weiteres Medikament gegen Diabetes einnahmen, bestanden keine Unterschiede.

Fazit: Erbgut beeinflusst Blutzuckerreaktion

Dass Menschen mit Diabetes mit der betreffenden Variante im Glukosetransporter-Gen besser auf eine Blutzuckersenkung durch Metformin ansprechen, könnte unterschiedliche Gründe haben. Man vermutet, dass der Blutzuckersenker Metformin die Zuckerbildung in der Leber hemmt und die Aufnahme von Zucker in den Muskel fördert. Genanalysen von Gewebeproben der Leber haben ergeben, dass das SL2A2-Gen bei Menschen mit dem C-Allel weniger aktiv ist und das von dem Gen kodierte Protein, der Glukosetransporter GLUT-2, ebenfalls eine geringere Aktivität zeigt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass Metformin diese genetische Abweichung positiv beeinflusst und dem Glukosetransporter zu mehr Aktivität verhilft.

 

Quelle:
Rathmann W et al. A variant of the glucose transporter gene SLC2A2 modifies the glycaemic response to metformin therapy in recently diagnosed type 2 diabetes. Diabetologia 2018 (online)

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Klinische Studien