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TIR ist wichtiger Marker für die Diabetes-Einstellung

Der Zeitraum im Blutzuckerzielbereich – auf Englisch „Time in Range“ oder kurz TIR – ist ein neuer, vielversprechender Marker für die Güte der Diabetes-Einstellung. Wer mit seinen Werten häufiger außerhalb des Zielbereiches liegt, kann im Vergleich früher an Folgeschäden wie Augen- oder Nierenerkrankungen leiden.

„Zeitraum im Blutzuckerzielbereich“ ein Marker für Diabetes-Langzeitfolgeschäden

Zur Beurteilung der langfristigen Einstellung einer Diabetes-Erkrankung wird in der Regel der
Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) herangezogen. Dieser Wert ist einfach zu messen und spiegelt die durchschnittliche Blutzuckereinstellung in den vergangenen 2-3 Monaten wider. So entspricht ein Blutzucker-Langzeitwert von 7,0 % einem durchschnittlichen Blutzuckerwert von ca. 147 mg/dl (8,2 mmol/l). Allerdings liefert der Blutzucker-Langzeitwert keine Informationen zur tatsächlichen Schwankungsbreite der Blutzuckerwerte und zur Zeitspanne, die eine Patientin oder ein Patient mit Diabetes im Blutzuckerzielbereich verbringt – der so genannten TIR. Letztere kann zum Beispiel mithilfe einer kontinuierlichen Blutzuckermessung (Glukosemessung) (CGM) bestimmt werden.

Die „Time in Range“ (TIR) gibt an, wie viel Prozent der Zeit die gemessenen Blutzuckerwerte innerhalb eines zuvor definierten Bereichs lagen. Als Ziel, das erreicht werden sollte, haben Experteninnen und Experten einen Blutzuckerbereich von 70-180 mg/dl (3,9-10,0 mmol/l) festgelegt.

Auswertung aus der DCCT-Studie

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten bei 1.440 Betroffenen mit Typ-1-Diabetes nachträglich Daten aus der DCCT-Studie aus. Hier wurden alle 3 Monate an einem Tag 7 Blutzuckerproben entnommen, und zwar jeweils vor und 90 Minuten nach dem Essen sowie vor dem Schlafengehen. Aus diesen Werten errechnete das Forschungsteam die TIR, das heißt den Anteil der Zeit, in der die Blutzuckerwerte im Zielbereich zwischen 70-180 mg/dl (3,9-10,0 mmol/l) lagen.

Die DCCT-Studie (Diabetes Control and Complications Trial) wurde in den Jahren 1983-1993 in Nordamerika durchgeführt und hatte erstmals belegt, dass eine Verbesserung der Blutzuckereinstellung durch eine intensivierte Insulintherapie zu einer deutlichen Verringerung von Komplikationen, wie Erkrankungen der Augen (Retinopathie), Nieren (Nephropathie) und Nerven (Neuropathie), führte.

Niedrige TIR erhöht Risiko für Augen- und Nierenschädigung

In der DCCT-Studie wurde alle 6 bzw. 12 Monate das Fortschreiten einer Augenerkrankung (Retinopathie) bzw. einer Nierenschädigung (Mikroalbuminurie) beurteilt. Die Ergebnisse verglich das Forschungsteam mit den TIR-Werten der Patientinnen und Patienten. Dabei zeigte sich ein klarer Trend: Je kürzer die Zeitspanne im Blutzuckerzielbereich (TIR) war, umso höher lag das Risiko für eine Augenerkrankung oder Nierenschädigung.

Im Durchschnitt betrug die TIR 41 % – das heißt im Mittel befanden sich mehr als 40 % der gemessenen Blutzuckerwerte im Zielbereich. Bei einer um 10 % niedrigeren TIR stieg das Risiko für eine Augenerkrankung bereits um 64 % bzw. das Risiko für eine Nierenschädigung um 40 % an.

Das Fazit des Forschungsteams

Die TIR – das heißt die Zeit im Blutzuckerzielbereich – ist eng mit dem Risiko für Komplikationen an den kleineren Blutgefäßen (mikrovaskuläre Komplikationen), wie Augenerkrankungen oder Nierenschädigungen, verbunden. Neben dem Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) könnte die TIR zukünftig möglicherweise ein weiterer wichtiger Messparameter für die Beurteilung der Diabetes-Einstellung sein.

 

Quelle:

Beck RW et al. Validation of Time in Range as an Outcome Measure for Diabetes Clinical Trials. Diabetes Care 2018 (online)

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Klinische Studien