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Therapieziel der Zukunft: Wiederherstellung von Betazellen

Eine Vision der Forschung ist es, bei einer Diabetes-Erkrankung die körpereigene Insulinproduktion wiederherzustellen und auf diesem Wege die Krankheit heilen zu können. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben den aktuellen Stand zur Wiederherstellung von Betazellen (Regeneration) in der Bauchspeicheldrüse in einer Übersichtsarbeit zusammengefasst.

Tatsächlich gibt es bereits einige vielversprechende Untersuchungsansätze, die sich mit dem Erhalt der Betazellfunktion in der Bauchspeicheldrüse befassen. Die Forschungsbemühungen zielen darauf ab, eine funktionstüchtige Betazellmasse zu erhalten oder zerstörte Betazellen zu erneuern – und damit dauerhaft überhöhte Blutzuckerspiegel zu vermeiden.

Funktion und Zahl der Betazellen reichen bei Diabetes nicht aus

Bei einem Typ-1-Diabetes zerstört das körpereigene Immunsystem die Betazellen der Betroffenen. Als Folge nimmt die Zahl der Zellen, die das lebensnotwendige Insulin herstellen, immer weiter ab.
Menschen mit einem Typ-2-Diabetes können zwar eine normale Betazellmasse haben. Allerdings funktionieren die Betazellen hier nicht mehr richtig: Sie verlieren im Verlauf ihre Fähigkeit, ausreichend Insulin herzustellen und abzugeben. Hinzu kommt, dass durch die Insulinresistenz beim Typ-2-Diabetes immer mehr Insulin benötigt wird.

Die Insulinherstellung „wiederbeleben“: Umwandlung zu neuen Betazellen

Forscherinnen und Forscher suchen nach Ansätzen, um die Betazellen der Bauchspeicheldrüse beim Typ-1- oder Typ-2-Diabetes zu regenerieren. Ziel ist es, eine normal funktionierende Betazellmasse wiederherzustellen, die ausreichend Insulin produziert. Ein Ansatz des Forschungsteams ist dabei die Bildung neuer Betazellen aus Vorläuferzellen oder aus anderen Zellen der Bauchspeicheldrüse.

Sogenannte Vorläuferzellen sind Stammzellen, die in den entsprechenden Organen in ihren endgültigen Zell-Typ ausreifen. Ein Ziel bzw. eine Idee der Forschung ist es, beim Menschen Vorläuferzellen und andere Zellen der Bauchspeicheldrüse in Insulin-herstellende Betazellen umzuwandeln. So könnte die Insulinausschüttung normalisiert und der Diabetes ursächlich behandelt werden.

Erste positive Ergebnisse liegen vor: Tatsächlich konnten Forscherinnen und Forscher menschliche Vorläuferzellen hin zu Zellen verändern, die den körpereigenen Betazellen sehr ähnlich sind und die auf Traubenzucker (Glukose) als auslösender Reiz für die Insulinproduktion ansprechen.

Außerdem gelang einem Forschungsteam an gentechnisch veränderten Mäusen der Nachweis, dass sich in der kranken Bauchspeicheldrüse auch andere hier befindliche Zellen in Betazellen umwandeln können. Dies trifft zum Beispiel für die Alphazellen der Bauchspeicheldrüse zu, die eigentlich das blutzuckererhöhende Glukagon – und damit den Gegenspieler von Insulin – produzieren.

Allerdings gibt es noch Hürden für die weitere Forschung. Beim Typ-1-Diabetes ist beispielsweise die Frage zu klären, ob das körpereigene Immunsystem auch die neuen Betazellen angreifen und zerstören würde.

Das Fazit der Studienautorinnen und -autoren

Für die Therapie des Diabetes suchen Forscherinnen und Forscher weltweit nach Möglichkeiten, um die Betazellmasse zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Bevor Betroffene von den jüngsten Erkenntnissen profitieren können, ist allerdings noch viel Forschungsarbeit zu leisten. Eine Vision der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Zukunft ist es, die Insulinausschüttung auf diesem Wege zu normalisieren und die Krankheit damit irgendwann sogar zu heilen.

 

Quelle:
Aguayo-Mazzucato C, Bonner-Weir S. Pancreatic β Cell Regeneration as a Possible Therapy for Diabetes. Cell Metab 2018; 27: 57-67

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Klinische Studien