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Studie vergleicht Insulinpumpe mit Insulinspritzen bei jungen Betroffenen mit Typ-1-Diabetes

Eine große Studie bestätigt, dass die Insulinpumpentherapie für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes deutliche Vorteile hat. Immer mehr Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes tragen eine Insulinpumpe: Der Einsatz ist von knapp 2 % im Jahr 1995 auf heutzutage fast 50 % gestiegen. Bisher gab es allerdings wenig verlässliche Daten zur Frage, welche Methode die größeren Vorteile bietet – die Insulinpumpentherapie oder mehrfach tägliche Insulininjektionen.

Welche Methode ist besser: Insulinpumpe oder Insulinspritzen?

In einer großen Studie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Prospective Diabetes Follow-up-Registry (DPV) Initiative die Insulinpumpentherapie direkt mit dem mehrfach täglichen Insulinspritzen verglichen. Dafür wertete die Forschungsgruppe die Güte der Blutzuckerkontrolle (Blutglukosekontrolle) und die Häufigkeit von Unterzuckerungen (Hypoglykämien) sowie schweren Stoffwechelsentgleisungen aus. Auch die benötigte Insulinmenge und das Körpergewicht wurden untersucht. Die renommierte Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA) hat die aufschlussreichen Resultate veröffentlicht.

Ergebnisse von fast 20.000 jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes

Zwischen Januar 2011 und Dezember 2015 erfasste die großangelegte Untersuchung Daten aus mehr als 300 Diabeteszentren in Deutschland, Österreich und Luxemburg. Insgesamt wurden die Befunde von 9814 Kindern und Jugendlichen mit Insulinpumpentherapie mit denen von 9814 Kindern und Jugendlichen mit einer Spritzentherapie (mindestens 4 Injektionen pro Tag) verglichen. Bei allen Patientinnen und Patienten musste der Typ-1-Diabetes seit mindestens 1 Jahr bekannt sein. Die beiden Gruppen waren hinsichtlich Alter, Geschlecht, Diabetes-Dauer, Migrationshintergrund, Gewicht und Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) vergleichbar, so dass diese Faktoren keinen Einfluss auf die Ergebnisse hatten.

Das Durchschnittsalter der jungen Patientinnen und Patienten betrug 14,6 Jahre und alle Betroffenen waren jünger als 20 Jahre. Die Diabetes-Erkrankung lag im Mittel seit 7 Jahren vor.

Die Insulinpumpentherapie zeigte deutliche Vorteile

Nach einer 12-monatigen Beobachtungsphase kam die Auswertung zu folgenden Ergebnissen: Zum einen traten unter einer Pumpentherapie deutlich seltener Unterzuckerungen und Ketoazidosen auf als bei einer Behandlung mit mehrfach täglichen Insulinspritzen. Bei der diabetischen Ketoazidose handelt es sich um eine gefährliche Stoffwechselentgleisung bei Insulinmangel. Zum anderen war auch die Blutzuckerkontrolle, gemessen anhand des Blutzucker-Langzeitwertes, in der Gruppe mit Insulinpumpentherapie besser. Außerdem benötigten die jungen Patientinnen und Patienten mit einer Insulinpumpe weniger Insulin als beim Insulinspritzen. Die genannten Abweichungen waren jeweils statistisch signifikant. Im Hinblick auf das Körpergewicht gab es übrigens keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Insulinpumpe und Insulinspritzen im Vergleich: Die Ergebnisse in der Übersicht

In der Gruppe mit Insulinpumpe …

  • …traten seltener schwere Unterzuckerungen auf (9,6 im Vergleich zu 14,0 pro 100 Personen und Jahr beim Insulinspritzen).
  • …kam es seltener zu schweren Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit (2,3 im Vergleich zu 3,0 pro 100 Personen und Jahr).
  • …gab es seltener ketoazidotische Entgleisungen (3,6 im Vergleich zu 4,3 pro 100 Personen und Jahr)
  • …war der mittlere Blutzucker-Langzeitwert besser (8,0 % (63,9 mmol/mol) im Vergleich zu 8,2 % (66,1 mmol/mol))
  • …benötigten die jungen Betroffenen weniger Insulin (0,8 im Vergleich zu 1,0 Einheiten pro kg Körpergewicht und Tag)

Über die Insulinpumpe lässt sich die Insulinzufuhr gut steuern

Insulinpumpen werden außen am Körper getragen. Aus einem Reservoir mit schnell wirksamem Insulin gelangt das Medikament über einen dünnen Katheter in das Unterhautfettgewebe. Die Insulinpumpe gibt das Insulin in geringen Mengen in Abständen von wenigen Minuten ab. Sowohl Ärztin oder Arzt als auch Patientin oder Patient können in die Pumpe einprogrammieren, wie viel und wann genau der Körper das Insulin erhalten soll. Zusätzlich lässt sich zu den Mahlzeiten per Knopfdruck ein Insulinbolus abrufen. Auf diese Weise kann die Insulinzufuhr gut gesteuert und an den im Tagesverlauf wechselnden Insulinbedarf angepasst werden.

Das Fazit der Studiengruppe

Bei jungen Menschen mit einem Typ-1-Diabetes hat die Insulinpumpentherapie gegenüber den mehrfach täglichen Insulinspritzen deutliche Vorteile. Das trifft sowohl für die Gefahr von Unterzuckerungen oder ketoazidotischen Stoffwechselentgleisungen als auch für die Blutzuckerkontrolle und den Insulinverbrauch zu.

 

Quelle:
Karges B et al. Association of Insulin Pump Therapy vs Insulin Injection Therapy With Severe Hypoglycemia, Ketoacidosis, and Glycemic Control Among Children, Adolescents, and Young Adults With Type 1 Diabetes. JAMA 2017; 318(14): 1358-1366

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Klinische Studien