Andere Formen des Diabetes

Studie schlägt neue Einteilung für Diabetes bei Erwachsenen vor

Die mit Abstand häufigste Diabetes-Form bei Erwachsenen ist Typ-2-Diabetes. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlagen eine neue Einteilung für Diabetes bei Erwachsenen vor, um die Therapie zukünftig besser an das Risiko für Folgekomplikationen anpassen zu können.

Schon lange weisen Expertinnen und Experten darauf hin, dass Typ-2-Diabetes kein einheitliches Krankheitsbild ist: Die Stoffwechselerkrankung kann sich bei den Betroffenen durch verschiedene Störungen und Folgekomplikationen äußern. Ebenso können die einzelnen metabolischen Merkmale (z. B. Insulinresistenz, Fettstoffwechselveränderungen, Übergewicht usw.) unterschiedlich stark ausgeprägt und unterschiedlich gut behandelbar sein. Allen Diabetes-Formen gemeinsam sind die erhöhten Blutzuckerwerte.

Diabetes bei Erwachsenen in 5 Gruppen unterteilt

Eine schwedisch-finnische Arbeitsgruppe wertete Untersuchungsergebnisse von 8.980 Erwachsenen aus, bei denen eine Diabetes-Erkrankung neu festgestellt worden war. Die Daten der Teilnehmenden stammten aus der Studie „Swedish All New Diabetics in Scania cohort“.

In die Analysen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gingen 6 Variablen ein: Alter bei Diagnose, Body-Mass-Index (BMI), Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert), Vorhandensein von bestimmten Antikörpern (Glutamatdecarboxylase (GADA)-Antikörpern), Schätzung der Betazellfunktion (insulinproduzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse) und Schätzung der Insulinresistenz.

Anhand der Ergebnisse für die einzelnen Variablen verteilte das Forschungsteam die erwachsenen Patientinnen und Patienten auf 5 „Diabetes-Gruppen“:

  • Gruppe 1 (6,7% der Betroffenen) hatte einen schweren autoimmunen Diabetes (SAID=severe autoimmune diabetes): Typisch ist ein früher Krankheitsausbruch, ein eher niedriger BMI, eine schlechte Stoffwechselkontrolle, Insulinmangel und das Vorhandensein von GADA-Antikörpern.
  • Gruppe 2 (17,5% der Betroffenen) zeigte einen schweren Insulinmangel-Diabetes (SIDD=severe insulin-deficient diabetes): Hier haben die Betroffenen keine GADA-Antikörper, weisen aber ansonsten die Merkmale aus Gruppe 1 auf. In dieser Gruppe ist das Risiko für eine diabetesbedingte Erkrankung der Netzhaut des Auges (Retinopathie) besonders hoch.
  • Gruppe 3 (15,3% der Betroffenen) hatte einen schweren insulinresistenten Diabetes (SIRD=severe insulin-resistant diabetes): Die Betroffenen sind stark insulinresistent und haben einen hohen BMI. In dieser Gruppe ist das Risiko für diabetesbedingte Nieren- und Herz-Kreislauferkrankungen besonders hoch.
  • Gruppe 4 (21,6% der Betroffenen) zeigte einen leichten, Adipositas-bedingten Diabetes (MOD=mild obesity-related diabetes): Ähnlich wie in Gruppe 3 steht auch hier das deutliche Übergewicht im Mittelpunkt, allerdings weisen die Betroffenen in Gruppe 4 keine Insulinresistenz auf.
  • Gruppe 5 (39,1% der Betroffenen) hatte einen leichten, altersbedingten Diabetes (MARD=mild age-related diabetes): Die Betroffenen in dieser Gruppe sind älter und zeigen nur leichte Stoffwechselstörungen.

Das Fazit des Forschungsteams

Die neu vorgeschlagene Einteilung in 5 Diabetes-Formen bei Erwachsenen könnte zukünftig Einfluss auf die Behandlung haben – Ziel ist eine für die Betroffene oder den Betroffenen maßgeschneiderte Therapie, die das individuelle Risiko für Folgeerkrankungen stärker berücksichtigt. Dass die Einteilung von Erwachsenen in 5 Diabetes-Gruppen vielversprechend ist, verdeutlichte die Wiederholbarkeit und Nachvollziehbarkeit (Reproduzierbarkeit) der Einteilung auf weitere Gruppen von Menschen mit Diabetes innerhalb Schwedens. Allerdings müssen weitere Studien zeigen, ob die Ergebnisse auch auf Bevölkerungsgruppen außerhalb von Skandinavien übertragbar sind.

 

Quelle:
Ahlqvist E et al. Novel subgroups of adult-onset diabetes and their association with outcomes: a data-driven cluster analysis of six variables. Lancet Diabetes Endocrinol 2018; 6: 361-369

Tags
Mehr
Klinische Studien