Ursachen / Risikofaktoren

Stoffwechselprofile liefern Hinweise auf Diabetes-Risiko

Lässt sich das Diabetes-Risiko zukünftig durch Blutproben und Stoffwechselprofile vorhersagen? Die Deutsche Diabetes-Studie hat dazu interessante Zusammenhänge aufgedeckt.

Die Stoffwechselprofile von Menschen mit Diabetes und ohne Diabetes unterscheiden sich nicht nur bei den Blutzucker- und Fettwerten. Im Blut gibt es bei einer ganzen Reihe von Stoffwechselwerten deutliche Abweichungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Diabetes-Studie. Letztere beobachtet Patientinnen und Patienten mit einem neu entdeckten Typ-2- oder Typ-1-Diabetes. Von den neuen Erkenntnissen zu Stoffwechselprofilen erhoffen sich die Forschenden, zukünftig ein erhöhtes Diabetes-Risiko früher erkennen und eine Diabetes-Erkrankung noch gezielter behandeln zu können.

Insulinresistenz spielt eine Schlüsselrolle

In der Deutschen Diabetes-Studie untersuchte das Forschungsteam, ob es Zusammenhänge zwischen dem Vorliegen einer Insulinresistenz und verschiedenen Stoffwechselwerten im Blut gibt.

Insulinresistenz ist eine der grundlegenden Störungen beim Diabetes. Die Störung findet sich vor allem bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes. Allerdings sind auch Menschen mit Typ-1-Diabetes oft betroffen. Insulinresistenz bedeutet, dass die Zellen des Körpers nur noch unzureichend auf das wichtige Hormon Insulin ansprechen. Insulin gibt den Körperzellen ganz bestimmte „Anweisungen“. Nach einer Mahlzeit sorgt das Hormon zum Beispiel dafür, dass der Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen geschleust und hier zur Energiegewinnung genutzt wird. Dafür dockt Insulin an spezielle Eiweiße (Rezeptoren) in der Zellwand an und setzt eine aufwendige Signalkette in Gang. Die Signalkette leitet das Insulinsignal in das Zellinnere weiter, wo die „Insulin-Befehle“ umgesetzt werden. Bei einer Insulinresistenz ist die Weiterleitung dieser „Befehle“ gestört. Diese Störung trägt wesenlich zur Ausbildung einer Diabetes-Erkrankung bei. Insulinresistenz spielt aber nicht nur eine wichtige Rolle beim Diabetes. Die herabgesetzte Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin erhöht auch das Risiko für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Über die Deutsche Diabetes-Studie

Die Deutsche Diabetes-Studie (DDS) beobachtet Patientinnen und Patienten mit einem neu entdeckten
Typ-2- oder Typ-1-Diabetes über 10 Jahre hinweg. Voraussetzung für die Teilnahme sind ein Alter zwischen 18-69 Jahren und eine Diabetes-Erkrankung, die innerhalb der vergangenen 12 Monate neu entdeckt wurde. Um Vergleiche ziehen zu können, werden in der Studie auch Daten von Probandinnen und Probanden ohne Zuckerstoffwechselstörung (= gesunde Kontrollpersonen) ausgewertet.

Zu Studienbeginn sowie nach 5 und 10 Jahren finden in der Studie Untersuchungen statt. Diese bestehen unter anderem aus:

  • Verschiedenen Stoffwechseltests mit Messung der verbliebenen körpereigenen Insulinfreisetzung und der Insulinempfindlichkeit
  • Entnahme von mehreren Blutproben
  • Untersuchungen des Nerven- und Herz-Kreislauf-Systems.

1-mal im Jahr werden alle Teilnehmenden kontaktiert, um den Verlauf der Erkrankung verfolgen zu können. Die DDS-Studie wird unter der Leitung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) in mehreren Städten Deutschlands durchgeführt.

Typische Stoffwechselprofile bei Insulinresistenz

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestimmten die Stoffwechselprofile und ihre Beziehungen zur Insulinresistenz bei neu entdecktem Typ-2- oder Typ-1-Diabetes. Hierfür wurden Blutproben ausgewertet bei:

  • 244 Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes,
  • 127 Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes und
  • 129 Personen ohne Diabetes-Erkrankung und ohne Zuckerstoffwechselstörung.

Die Diabetes-Patientinnen und -Patienten waren im Durchschnitt 53 Jahre (Betroffene mit Typ-2-Diabetes) bzw. 35 Jahre (Betroffene mit Typ-1-Diabetes) alt.

In den Blutproben bestimmte das Forschungsteam insgesamt 154 verschiedene Stoffwechselwerte. Jeder Stoffwechselwert wurde darauf untersucht, ob er bei insulinresistenten Menschen mit Diabetes höher war als bei gesunden Personen. Tatsächlich wurden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fündig: Allein 34 Stoffwechselwerte waren eng mit der Blutzuckerkontrolle, der Insulinausschüttung und der Insulinresistenz verknüpft. Dies traf sowohl für Teilnehmende mit Typ-2-Diabetes als auch für Teilnehmende mit Typ-1-Diabetes zu. Auch zwischen den Diabetes-Arten (Typ-1 und Typ-2) gab es Unterschiede.

Fazit: Was erhoffen sich die Forschenden von den Ergebnissen? Zum einen könnte mit den identifizierten Stoffwechselwerten das Risiko für eine Insulinresistenz – und damit für einen Diabetes – noch früher erkannt werden. Die Werte, die auf ein erhöhtes Risiko hinweisen, lassen sich relativ einfach aus Blutproben bestimmen. Zum anderen könnten sich anhand des Stoffwechselprofils zukünftig weitere Diabetes-Subtypen unterscheiden lassen. Dies hätte den Vorteil, Behandlungskonzepte noch gezielter einzusetzen. Bevor sich diese Erkenntnisse in der Praxis umsetzen lassen, werden allerdings zunächst weitere Studien benötigt.

 

Quelle:
Knebel B et al. Specific Metabolic Profiles and Their Relationship to Insulin Resistance in Recent-Onset Type 1 and Type 2 Diabetes. J Clin Endocrinol Metab 2016; 101: 2130-40

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Klinische Studien