Prävention

Stillen schützt Mütter vor Diabetes

Stillen hat viele Vorteile – nicht nur für das Kind, sondern auch für die Mutter. Einer davon ist, dass das Risiko für einen späteren Diabetes sinkt. Das bestätigen die Ergebnisse einer Studie aus den USA.

Langzeituntersuchung über 30 Jahre

Muttermilch gilt nach wie vor als die beste Form der Säuglingsnahrung – und wird deshalb Frauen mit und ohne Diabetes gleichermaßen empfohlen. Auch die Mütter profitieren: Frühere Studien haben gezeigt, dass Stillen zum Beispiel das spätere Risiko für Tumore in der Brust oder in den Eierstöcken bei den Müttern senkt.

Seit längerem wird auch ein günstiger Einfluss auf das spätere Diabetes-Risiko der Mutter diskutiert. Diese Fragestellung haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den USA bei 1.238 Frauen im Alter von 18-30 Jahren untersucht. Alle Teilnehmerinnen hatten zumindest ein Kind auf die Welt gebracht und waren zu Studienbeginn nicht an Diabetes erkrankt.

Die Frauen beantworteten Fragen zum Stillen und zur Stilldauer. Zusätzlich erhoben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Angaben zur Ernährung und zur körperlichen Aktivität – weiteren wichtigen Einflussfaktoren für das Diabetes-Risiko.

Die US-Langzeitstudie wurde von 1986-2016 durchgeführt. In diesen rund 3 Jahrzehnten nahmen die Frauen etwa alle 5 Jahre an einer medizinischen Untersuchung teil.

Stillen senkt das Diabetes-Risiko der Mütter

Im Verlauf der 30-jährigen Beobachtungsphase wurde bei 182 Frauen ein Typ-2-Diabetes festgestellt. Das Forschungsteam verglich das Risiko zwischen:

  • Frauen, die ihre Kinder ausschließlich mit Babynahrung gefüttert hatten
  • Frauen, die mindestens 1 Kind bis zu 6 Monaten gestillt hatten
  • Frauen, die mindestens 1 Kind länger als 6 Monate gestillt hatten

Das Resultat: Mütter, die gestillt hatten, erkrankten deutlich seltener später an einem Typ-2-Diabetes. Bei einer Stilldauer von mehr als 6 Monaten reduzierte sich das spätere Diabetes-Risiko um fast die Hälfte. Eine kürzere Stilldauer von bis zu 6 Monaten verringerte das Diabetes-Risiko immerhin noch um 25 %. Der auffällige Zusammenhang zwischen Stillen und Absenken des Diabetes-Risikos für die Mutter blieb auch nach Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren wie der Ernährung, des Körpergewichts und der körperlichen Aktivität bestehen.

Stillen beeinflusst den Zuckerstoffwechsel günstig

Der mütterliche Stoffwechsel weist in der Schwangerschaft einige Besonderheiten auf. Unter anderem sind die Energieträger Traubenzucker (Glukose) und bestimmte Fette (Triglyzeride) im Blut der Schwangeren erhöht. Das ist wichtig, um das Ungeborene ausreichend mit Energie zu versorgen. Nach der Geburt benötigt der Körper dann allerdings eine Weile, bis die hohen Blutzucker- und Blutfettspiegel wieder absinken. Hierbei hilft das Stillen: Zucker und Fette aus dem Blut werden zur Brustdrüse für die Milchbildung transportiert. Entsprechend sinken die Blutspiegel dieser Energieträger ab.

Eine weitere Rolle spielt möglicherweise auch das Hormon Prolaktin. Letzteres regt die Milchbildung in der weiblichen Brust an. Prolaktin scheint darüber hinaus das Größenwachstum und die Funktion der
Insulin-herstellenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zu fördern. Hierdurch sinkt der Blutzuckerspiegel ebenfalls und somit auch das Diabetes-Risiko.

Das FAZIT: Wenn eine Mutter ihr Baby stillt, senkt sie damit auch ihr Risiko für einen späteren Diabetes. Neben vielen anderen Argumenten sicherlich ein weiterer Grund dafür, Mütter zum Stillen ihrer Kinder zu ermutigen.

 

Quelle:
Gunderson EP et al. Lactation Duration and Progression to Diabetes in Women Across the Childbearing Years: The 30-Year CARDIA Study. JAMA Intern Med 2018; 178: 328-337

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Klinische Studien