Herz-Kreislauf

Ständige Angst bedroht das Herz von Menschen mit Diabetes

Chronische Sorgen und Ängste können die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus Kanada.

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben oft mehr Angst

Herz-Kreislauf-Krankheiten sind eine der häufigsten Todesursachen bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Studien zeigen, dass Angstsymptome, die bei Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung, mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen. In diesen Studien wurden Angstsymptome allerding nur zu einem einzigen Zeitpunkt bewertet und nicht im Zeitverlauf betrachtet. Eine neue Studie aus Kanada hat die Auswirkungen von dauerhaft anhaltenden Angstzuständen untersucht.

Studie fragt Angstsymptome über längeren Zeitraum ab

An der kanadischen Untersuchung nahmen 832 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes teil. Alle Personen waren zwischen 40 und 76 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei 59 Jahren. 18 % der Teilnehmer waren Raucher und 84 % wiesen starkes Übergewicht auf. Die Diabetes-Erkrankung der Studienteilnehmenden war mit Diät und/oder Tabletten eingestellt, keine Person erhielt Insulin.

Voraussetzung für die Studienteilnahme und die spätere Auswertung der Daten war, dass beim Start der Studie und auch in den ersten 12 Beobachtungsmonaten noch keine kardiovaskuläre Erkrankung vorlag bzw. auftrat. Zu Studienbeginn sowie nach 12, 24, 36 und 48 Monaten füllten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen standardisierten Fragebogen zum Vorhandensein von Angstsymptomen aus (Gesundheitsfragebogen GAD-7). Abgefragt wurden folgende Symptome:

  • Nervosität, Ängstlichkeit oder Anspannung
  • Nicht in der Lage sein, Sorgen zu stoppen oder Sorgen zu kontrollieren
  • Übermäßige Sorgen bezüglich verschiedener Angelegenheiten
  • Schwierigkeiten zu entspannen
  • Rastlosigkeit, so dass Stillsitzen schwer fällt
  • Schnelle Verärgerung oder Gereiztheit
  • Gefühl der Angst, so als würde etwas Schlimmes passieren

Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer konnten angeben, ob die jeweiligen Symptome in den vergangenen 2 Woche „überhaupt nicht“, „an einzelnen Tagen“, „an mehr als der Hälfte der Tage“ oder „beinahe jeden Tag“ aufgetreten sind.

Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko nur bei dauerhaften Ängsten/Sorgen

Die Wissenschaftler werteten die Fragebögen aus und teilten das Ergebnis in 4 Kategorien ein:

  1. Angst/Sorgen waren dauerhaft niedrig (39,4 % der Studienteilnehmenden)
  2. Angst/Sorgen waren dauerhaft niedrig bis mäßig ausgeprägt (47,4 % der Studienteilnehmenden)
  3. Angst/Sorgen waren dauerhaft mäßig bis stark ausgeprägt (11,1 % der Studienteilnehmenden)
  4. Angst/Sorgen waren stark ausgeprägt (2,2 % der Studienteilnehmenden)

Bei 17,4 % der Teilnehmenden trat nach dem 1. Beobachtungsjahr eine Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Studie auf.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zeigte sich bei dauerhaft anhaltenden Angstsymptomen deutlich erhöht: Im Vergleich zur Gruppe mit niedriger Angstsymptomatik (Kategorie 1) war die Wahrscheinlichkeit einer Herz-Kreislauf-Komplikation bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den Kategorien 2, 3 und 4 um das 2,2-fache, 3,1-fache und 3,6-fache erhöht.

Menschen mit Typ-2-Diabetes, die nur vorübergehend (< 1 Jahr) verstärkte Angstsymptome hatten, wiesen hingegen kein (oder nur ein gering) erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko auf im Vergleich zur Gruppe mit niedrigen Angstsymptomen.

Fazit der Autorinnen und Autoren

Chronische – das heißt dauerhaft anhaltende – Ängste und Sorgen gehen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Dies trifft hingegen nicht zu, wenn Angstsymptome nur vorübergehend auftreten.

 

 

Quelle:
Deschênes SS et al. Trajectories of anxiety symptoms and associations with incident cardiovascular disease in adults with type 2 diabetes. J Psychosom Res 2018; 104: 95-100

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Klinische Studien