Bewegung

Sport mindert Herz-Kreislauf-Risiko bei Typ-1-Diabetes

Menschen mit Typ-1-Diabetes, die 2- bis 3-mal die Woche Sport treiben, können ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskuläre Folgeerkrankungen) deutlich senken. Das zeigt eine große Langzeitstudie aus Finnland.

Erhöhte Blutzuckerwerte fördern bei Menschen mit Diabetes Gefäßverkalkungen und erhöhen somit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch weitere Begleiterkrankungen des Diabetes, etwa eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz), tragen zu dem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko für Diabetes-Betroffene bei, wie Studien gezeigt haben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der finnischen Hauptstadt Helsinki haben nun untersucht, inwiefern körperliche Aktivität in der Freizeit dieses Risiko bei Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes beeinflusst. Dabei haben sie speziell die Intensität, Dauer und Häufigkeit von sportlichen Trainings in Bezug auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes bewertet.

Welche Rolle spielen Intensität, Dauer und Häufigkeit des Trainings?

Der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und kardiovaskulären Erkrankungen war Teil der großen prospektiven „Finnish Diabetic Nephropathy Study“ (FinnDiane) und umfasste 2.180 Menschen mit Typ-1-Diabetes (Durchschnittsalter: 39 Jahre, mittlere Diabetes-Dauer 22 Jahre). Zu Studienbeginn füllten die Teilnehmenden einen standardisierten Fragebogen zum Thema „körperliche Aktivität in der Freizeit“ aus. Der Fragebogen beinhaltete Fragen zur allgemeinen körperlichen Aktivität sowie zur Intensität, Häufigkeit und Dauer der Sportaktivitäten. Gemäß ihrer gesamten Bewegungszeit pro Woche wurden die Teilnehmenden in 3 Gruppen unterteilt: inaktiv, mittelmäßig aktiv oder aktiv.

Über einen Zeitraum von 10 Jahren wurde bei 2.071 Patientinnen und Patienten, die zu Studienbeginn noch keine Herz-Kreislauf-Erkrankung aufwiesen, das Auftreten von kardiovaskulären Akut-Erkrankungen, wie Herzinfarkte, koronare Eingriffe (z. B. eine Bypass-OP) oder Schlaganfälle, untersucht. Bei den 106 Betroffenen, die vor Studienbeginn bereits ein akutes kardiovaskuläres Ereignis erlitten hatten, wurden über den Beobachtungszeitraum erneute Herzinfarkte oder Schlaganfälle registriert.

Je intensiver der Sport, desto geringer das Risiko

Bei insgesamt 206 Studienteilnehmenden, also bei rund 10 %, wurde über den Studienzeitraum eine akute Herz-Kreislauf-Erkrankung registriert. Diese Patientinnen und Patienten trieben laut dem Fragebogen weniger Sport als die Teilnehmenden, die in den 10 Jahren keine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelten. Dabei konnte beobachtet werden, dass das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einer abnehmenden körperlichen Aktivität anstieg. Das bedeutet zum einen: Menschen mit Typ-1-Diabetes, die insgesamt mehr Sport trieben, hatten ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Nicht-Sportlerinnen und Nicht-Sportler. Zusätzlich waren Sportlerinnen und Sportler, die häufiger, länger und intensiver trainierten, besser vor einer akuten Herz-Kreislauf-Erkrankung geschützt. Eine häufige körperliche Aktivität bedeutete in dieser Studie eine Trainingshäufigkeit von mehr als 2-mal pro Woche. Eine mittlere Dauer entsprach mehr als 30 Minuten und eine längere Dauer mehr als 60 Minuten Bewegung pro Training. Als Aktivitäten mit hoher Intensität galten Einheiten mit starkem Schwitzen und intensiver Atemtätigkeit. Am stärksten wurde das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von der Frequenz der körperlichen Aktivität, also der Anzahl der Einheiten pro Woche, beeinflusst.

Bei den Betroffenen mit Typ-1-Diabetes, die zu Studienbeginn bereits ein Herz-Kreislauf-Ereignis gehabt hatten, könnte die Intensität des sportlichen Trainings mit dem Auftreten erneuter Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskulärer Ereignisse zusammenhängen. Teilnehmende, die intensiv trainierten, hatten ein geringeres Risiko für ein erneutes akutes Herz-Kreislauf-Ereignis als die Teilnehmenden, die ihren Sport weniger intensiv ausübten.

Fazit: 150 Minuten Bewegung in der Woche

Die Erkenntnisse der Studie bestätigen die aktuellen Empfehlungen der Diabetes-Gesellschaften für Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Für diese Patientinnen und Patienten gilt: Wer sich 3- bis 5-mal pro Woche insgesamt mindestens 150 Minuten intensiv bewegt, kann das Risiko für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen senken.

 

Quelle:
Tikkanen-Dolenc H et al. Frequent and intensive physical activity reduces risk of cardiovascular events in type 1 diabetes. Diabetologia 2017; 60: 574-580

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Klinische Studien