Notfälle

Sozioökonomischer Status & Blutzuckerkontrolle bei Typ-1-Diabetes

Beeinflussen Bildung, Beruf, Einkommen und Lebensverhältnisse die Blutzucker-Kontrolle bei Menschen mit Typ-1-Diabetes? Diese Frage beantwortet eine Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ).

Für den Typ-2-Diabetes ist bekannt, dass der Krankheitsverlauf auch vom sozioökonomischen Status und den Lebensverhältnissen der Betroffenen abhängt. Das gilt ebenso für Übergewicht und verminderte körperliche Aktivität, die eng mit der Erkrankung Typ-2-Diabetes zusammenhängen.

Bei einem Typ-1-Diabetes sind die Ursachen anders gelagert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben daher untersucht, ob sich der sozioökonomische Status eines Betroffene und die Verhältnisse der Lebensumgebung auch hier auf die Stoffwechseleinstellung auswirken.

Systematische Auswertung von Studien

Die Wissenschaftler führten eine systematische Literaturrecherche durch. Dabei fanden sie 22 geeignete Arbeiten. Berücksichtigt wurden ausschließlich Studien aus Europa, USA, Kanada und Australien. Zwei Studien wurden in Australien, eine in Kanada, elf in Europa (eine in Finnland, eine in Frankreich, zwei in Deutschland, eine in Spanien, fünf in Großbritannien, eine in Dänemark / Großbritannien) und acht in den USA durchgeführt.

Für ihre Auswertungen verglichen die Wissenschaftler den sozioökonomischen Status und die Lebensverhältnisse mit der Güte der Blutzuckereinstellung, der Häufigkeit von Unterzuckerungen (Hypoglykämien) und dem Auftreten einer diabetischen Ketoazidose (Überzuckerung). Bei der diabetischen Ketoazidose handelt es sich um eine schwere Stoffwechselentgleisung, die mit einer Übersäuerung des Blutes einhergeht und lebensbedrohliche Folgen haben kann.

Der sozioökonomische Status ist ein Begriff aus den Sozialwissenschaften und umfasst verschiedene Merkmale menschlicher Lebensumstände. Dazu gehören unter anderem Ausbildung, Beruf, Einkommen, Besitz von Kulturgütern (z.B. Büchern), kulturelle Praxis (z.B. Besuche in Theatern und Museen), Wohnort und Eigentumsverhältnisse.

Höheres Risiko für diabetische Ketoazidose

Die Auswertung der 22 Studien aus verschiedenen Ländern mit zum Teil unterschiedlichen Gesundheitssystemen ergab keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Glykämiekontrolle oder Hypoglykämien und dem sozioökonomischen Status oder den Lebensverhältnissen. Insgesamt kamen die verschiedenen Studien hier zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Allerdings zeigten fast alle Studien übereinstimmend, dass die diabetische Ketoazidose bei einem niedrigeren sozioökonomischen Status und schlechteren Lebensverhältnissen insgesamt häufiger auftrat.

Das Fazit der Studienautoren

Der Krankheitsverlauf beim Typ-1-Diabetes ist abhängig von einer konsequenten Überwachung und Therapie. Dabei ist das Aufrechterhalten von nahezu normalen Blutzuckerspiegeln wesentlich, um sowohl kurzzeitige Komplikationen (z.B. Hypoglykämien und diabetische Ketoazidosen) als auch langfristige Schäden zu vermeiden. Darüber hinaus sollte untersucht werden, wie der Zugang zur Versorgung sozial-benachteiligter Patienten verbessert werden kann, um Beeinträchtigungen des Krankheitsverlaufs zu überwinden, beispielsweise durch strukturierte Schulungsprogramme für die Patienten.

Ein niedrigerer sozioökonomischer Status und schlechtere Lebensverhältnisse scheinen das Risiko zu erhöhen, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes eine diabetische Ketoazidose erleiden. Hier besteht weiterer Verbesserungsbedarf für eine intensivere Betreuung dieser Patienten.

 

Quelle:
Lindner LME et al. Inequalities in glycaemic control, hypoglycaemia and diabetic ketoacidosis according to socio-economic status and area-level deprivation in Type 1 diabetes mellitus: a systematic review. Diabet Med 2018; 35: 12-32

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Klinische Studien