Prävention

Schwangerschaftsdiabetes erfolgreich vermeiden – durch Sport und gesundes Essen

Frauen, die sich in ihrer Schwangerschaft von Beginn an ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, regelmäßig Sport treiben und ihr Gewicht kontrollieren, können ihr Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, deutlich senken, wie eine finnische Studie zeigt.

Da ein Gestationsdiabetes sowohl für die werdende Mutter als auch für das Neugeborene gesundheitliche Risiken birgt, wird nach Maßnahmen geforscht, die die Erkrankung verhindern können. In der Finnish Gestational Diabetes Prevention Study (RADIEL) haben Wissenschaftler untersucht, inwiefern sich eine Lebensstilintervention, gekennzeichnet durch eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung, auf das Auftreten eines Schwangerschaftsdiabetes bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für Gestationsdiabetes auswirkt. Für die randomisierte kontrollierte Studie wurden 269 schwangere Frauen vor der 20. Schwangerschaftswoche an mehreren finnischen Krankenhäusern in und um Helsinki eingeschlossen. Bei den Frauen wurde entweder in einer vorherigen Schwangerschaft bereits ein Gestationsdiabetes diagnostiziert oder sie hatten vor Beginn der Schwangerschaft einen Body-Mass-Index (BMI) ≥ 30 kg/m² und somit ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Gestationsdiabetes. Keine der Teilnehmerinnen war jedoch zu Studienbeginn an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes oder einem Gestationsdiabetes erkrankt. 144 Studienteilnehmerinnen durchliefen das Interventionsprogramm, das aus mehreren Beratungen zum Lebensstil durch speziell ausgebildete Studienassistenten und Ernährungsberatern bestand. Die Ratschläge waren einfach umsetzbar und individuell an das tägliche Leben der Schwangeren angepasst.

Den Teilnehmerinnen mit einem BMI ≥ 30 kg/m² wurde empfohlen, in den ersten beiden Trimestern der Schwangerschaft kein Gewicht zuzunehmen. Außerdem rieten die Experten allen Teilnehmern dieser Gruppe zu einer ausgewogene Ernährung bestehend aus viel Gemüse, Obst, Beeren, fettarmen Milchprodukten, Vollkornprodukten, Fisch, fettarmen Fleisch und pflanzlichen Fette, die viele ungesättigte Fettsäuren enthalten. Zuckerreiche Speisen sollten dagegen vermieden werden. Zudem wurden ihnen mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität und ein insgesamt aktiver Lebensstil empfohlen. Hierzu entwarfen die Studienassistentinnen zusammen mit den Teilnehmerinnen einen individuellen Trainingsplan, der die bevorzugten Sportarten der Frauen berücksichtigte. Schwimmbäder und Trainingsgruppen durften während der Studie einmal pro Woche kostenfrei besucht werden. Die 125 Teilnehmerinnen in der Kontrollgruppe erhielten Faltblätter mit generellen Empfehlungen zu Bewegung und Ernährung in der Schwangerschaft.

Durch einen Glukose-Toleranztest im zweiten Trimester der Schwangerschaft wurde bei 13,9% der Teilnehmerinnen der Interventionsgruppe und bei 21,6% der Frauen in der Kontrollgruppe ein Gestationsdiabetes diagnostiziert. Somit konnte das Auftreten dieser Erkrankung durch das Beratungsprogramm zu Sport, Gewicht und Ernährung um 39 Prozent reduziert werden. Fragen an die Teilnehmerinnen zu ihrer Ernährung nach dem Studienstart ergaben, dass sich die Frauen in der Interventionsgruppe gesünder ernährt hatten als die Teilnehmerinnen der Kontrollgruppe. Zudem konnten sie den Wochenumfang sportlicher Aktivitäten in der Freizeit um 15 Minuten steigern und nahmen bis zum Ende des zweiten Trimesters weniger an Gewicht zu als die Vergleichsgruppe.

Fazit: Ganzheitliche individuelle Lebensstiländerung senkt das Risiko eines Gestationsdiabetes um mehr als ein Drittel

Frauen mit einem erhöhten Risiko für Gestationsdiabetes, die zu Beginn ihrer Schwangerschaft eine individuell umsetzbare Beratung zu einem gesunden Lebensstil erhielten, erzielten einen echten Erfolg – sie konnten ihr Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes deutlich reduzieren. Dabei zeigten kleine Veränderungen – gesünderes Essen, Gewichtskontrolle und ausreichend Bewegung – eine große Wirkung auf das Risiko einen Gestationsdiabetes zu entwickeln.

 

Quelle:
Koivusalo SB et al. Gestational Diabetes Mellitus Can Be Prevented by Lifestyle Intervention: The Finnish Gestational Diabetes Prevention Study (RADIEL) Diabetes Care 2016; 39: 24-30 http://dx.oi.org/10.2337/dc15-0511

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Klinische Studien