Prävention

Schichtarbeit und ungesunder Lebensstil erhöhen das Risiko für Typ-2-Diabetes

Arbeitnehmende, die zwischen Früh-, Spät- und Nachtschicht wechseln und zudem rauchen oder übergewichtig sind, sich schlecht ernähren oder wenig bewegen, haben ein erheblich höheres Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken als die Normalbevölkerung. Das zeigen 2 große Studien unter Krankenschwestern in den USA.

Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks und den Anforderungen einer 24-Stunden-Service-Gesellschaft nimmt Schichtarbeit insgesamt zu. Rund 1/3 aller Schichtarbeiterinnen und -arbeiter sind im Gesundheitssektor tätig; die meisten davon als Krankenschwestern und -pfleger.

Nachtarbeit mit gesundheitlichen Folgen

Durch Störungen im Tag-Nacht-Rhythmus geht Schichtarbeit, insbesondere Nachtschicht, mit Gesundheitsrisiken einher, etwa für chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bekannt ist ebenfalls, dass Rauchen und Übergewicht bei Schichtarbeitern übermäßig häufig auftreten. Anhand von Daten von 2 großen Langzeitstudien unter Krankenschwestern in den USA hat ein Forschungsteam nun untersucht, inwiefern wechselnde Schichten, kombiniert mit einem ungesunden Lebensstil, das Diabetes-Risiko beeinflussen.

Hierzu haben sie Daten von insgesamt 143.410 Frauen untersucht, die an 2 unterschiedlichen Wellen der „Nurses‘ Health Study“ (NHS) teilnahmen. In die aktuelle Studie wurden alle Frauen eingeschlossen, die zu Studienbeginn nicht an Diabetes erkrankt waren. Mehrmals im Laufe der Studie beantworteten sie Fragen zum Rauch-Status, zur Ernährung, zu Bewegung sowie zum Body-Mass-Index (BMI).

7-fach erhöhtes Diabetes-Risiko

Als „ungesund“ galten Rauchen, ein BMI von mindestens 25 kg/m2, weniger als 30 Minuten Bewegung am Tag sowie ungesunde Essgewohnheiten, wie etwa ein geringer Verzehr von Obst, Gemüse oder Nüssen und häufiges Konsumieren zuckerhaltiger Getränke.

Nach einer Beobachtungszeit von 22-24 Jahren zeigte sich Folgendes: Je mehr Jahre die Studienteilnehmerinnen in wechselnden Schichten mit mindestens 3 Nachtschichten pro Monat zubrachten, desto wahrscheinlicher waren sie Raucherinnen und hatten einen erhöhten BMI. Gleichzeitig ging langjährige Schichtarbeit in beiden Kohorten mit einem erhöhten Typ-2-Diabetes-Risiko einher. Ein um das 5-fache erhöhtes Diabetes-Risiko zeigte sich bei Teilnehmerinnen mit mindestens 3 Faktoren eines ungesunden Lebensstils im Vergleich mit Frauen, die nur einen oder gar keinen dieser Faktoren aufwiesen. Bei Frauen mit 3 ungesunden Lebensstilfaktoren, die zudem seit mindestens 10 Jahren in Schichtarbeit waren, stieg das Risiko sogar um das 7-fache.

Wechselschicht stört den Biorhythmus

Wechselnde Arbeitsschichten bringen den Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander. Dieser Rhythmus spielt eine wichtige Rolle bei der Stoffwechselfunktion, da er den Energieverbrauch und die Hormone im Energiestoffwechsel reguliert. Eine Störung dieser Abläufe könnte zu Insulinresistenz, einer verminderten Blutzuckerregulation (Blutglukoseregulation) und infolge dessen auch zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes führen. Zum anderen weisen Untersuchungen darauf hin, dass Schlafentzug und die Störung des Biorhythmus zum Beispiel die Darmflora negativ beeinflussen könnten, was ebenfalls eine Diabetes-Erkrankung fördern könnte. Ebenfalls können auch Lebensstilfaktoren das Mikrobiom, d. h. die individuelle Zusammensetzung der Darmflora, positiv wie negativ beeinflussen.

Fazit: Schichtarbeiterinnen und -arbeiter müssen auf Gesundheit achten

Die Analyse der beiden Studien zeigt: Sowohl wechselnde Schichtarbeit als auch ein ungesunder
Lebensstil – und die Kombination von beidem – geht mit einem erhöhten Diabetes-Risiko einher. Das bedeutet, dass viele Menschen einer Diabetes-Erkrankung durch einen gesunden Lebensstil – Rauchstopp, gesundes Essverhalten, regelmäßigen Sport und Vermeiden von Übergewicht – vorbeugen können. Das gilt aufgrund des zusätzlichen Risikos ganz besonders für Schichtarbeiterinnen und -arbeiter.

 

Quelle:
Shan Z et al. Rotating night shift work and adherence to unhealthy lifestyle in predicting risk of type 2 diabetes: results from two large US cohorts of female nurses. BMJ 2018; 363: k4641

 

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Klinische Studien