Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes: Diagnostik

Ein Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) führt, wenn er nicht diagnostiziert und behandelt wird, oft zu einer starken Zunahme der Fruchtwassermenge (Hydramnion) und zu einem abnormalen Größenwachstum des Kindes (Makrosomie) bei einer gleichzeitigen Entwicklungsverzögerung, insbesondere der Lungenreifung.

Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes haben im Vergleich zu Schwangeren ohne Blutzuckerstörung ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte und Bluthochdruck.

Diagnostik bei Schwangeren mit erhöhtem Risiko

Bei Schwangeren, die ein erhöhtes Risiko haben, können 2 Untersuchungen bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel erfolgen. Ein Verfahren stellt die Messung des Blutzuckers (der venösen Gelegenheitsplasmaglukose) ohne Berücksichtigung der letzten Mahlzeit und der Uhrzeit dar. Wenn der Blutzuckergehalt über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) liegt, sollte als Zweitmessung eine Bestimmung des Nüchtern-Blutzuckers (der venösen Nüchtern-Plasmaglukose-Spiegel) erfolgen. Anhand der zusätzlichen Ergebnisse, können die folgende Diagnosen gestellt werden:

Nüchtern-Blutzucker (Nüchtern-Glukose) (Zweitmessung) Diagnose

< 92 mg/dl (5,1 mmol/l)

ohne Befund

92-125 mg/dl (5,1-6 ,9 mmol/l)

Schwangerschaftsdiabetes

 ≥ 126 mg/dl (7,0 mmol/l)

Diabetes

Eine weitere Möglichkeit stellt die direkte Messung des Nüchtern-Blutzuckers. Wenn der Blutzuckerspiegel dabei über 92 mg/dl (5,1 mmol/l) liegt, sollte ebenfalls eine Zweitmessung erfolgen. Nur durch das Resultat einer zusätzlichen Messung kann der Verdacht auf einen Schwangerschaftsdiabetes bestätigt werden. Bei einem negativen Ergebnis wird zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche erneut ein sogenannter Suchtest (engl.: Glucose Challenge Test) durchführt.

Diagnostik zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche

Bei Schwangeren sollte zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche ein Blutzucker-Suchtest (Glukose-Suchtest) durchführt werden. Wenn der Blutzuckerspiegel bei dieser Messung über 135 mg/dl (>7,5 mmol/l) liegt und der Verdacht auf einen Schwangerschaftsdiabetes vorliegt, sollte ein vollständiger oraler Glukose-Toleranztest (oGTT) mit 75 g Glukose durchgeführt werden. Dieser Test liefert Hinweise auf die Fähigkeit des Körpers, eine definierte Menge des Zuckers Glukose innerhalb eines bestimmten Zeitraumes abzubauen. Die Glukose wird als Zuckerlösung auf nüchternen Magen getrunken. Anschließend wird über 2 Stunden regelmäßig durch die Ärztin oder den Arzt der Blutzucker bestimmt. Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt vor, wenn mindestens zwei der folgenden Grenzwerte überschritten werden:

Blutzuckerwerte
Diagnosegrenzwerte venöses Plasma*
nüchtern > 92 mg/dl (> 5,1 mmol/l)
nach 60 Minuten > 180 mg/dl (> 10,0 mmol/l)
nach 120 Minuten > 153 mg/dl (> 8,5 mmol/l)

*nach IADPSG-Konsense-Empfehlungen

Wenn ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde, muss eine adäquate Stoffwechseleinstellung erfolgen. Die Stoffwechselziele gleichen denen der Behandlung einer schwangeren Frau mit Diabetes. Auch nach der Geburt des Kindes muss die Mutter erneut untersucht werden. Diese Untersuchung dient der Kontrolle, ob der Diabetes weiterhin besteht.

 

Quelle:
Kleinwächter H. et al. Gestationsdiabetes mellitus (GDM) – Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Diabetologie 2016; 11: 182–194

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Klinische Studien