Notfälle

Risiko für schwere Unterzuckerungen bei Kindern & Jugendlichen

Das wichtigste Ziel bei einem Typ-1-Diabetes ist eine möglichst physiologische Einstellung der Blutzuckerwerte (Blutglukosewerte). Dies birgt allerdings unter Umständen ein Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykämien) – auch für schwere Unterzuckerungen mit und ohne Bewusstseinsverlust.

Anzeichen für eine Hypoglykämie können z. B. Zittern, Unruhe, Hungergefühl, kalter Schweiß, Schwächegefühl, starkes Herzklopfen, ein taubes Gefühl oder Kribbeln, Sehstörungen und Schwindel sein. Problematisch sind vor allem die schweren Hypoglykämien. Damit sind Unterzuckerungen gemeint, bei denen Fremdhilfe erforderlich ist, um den Zustand zu beheben. Eine noch schwerere Form stellt das diabetische Koma dar, bei dem der Patient aufgrund der Unterzuckerung bewusstlos wird oder einen Krampfanfall erleidet. Hypoglykämien sind die häufigsten akuten Komplikationen bei Diabetes und führen nicht selten zu einer Notfalleinweisung.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben untersucht, ob Patientinnen und Patienten nach einer schweren Unterzuckerung oder einem diabetischen Koma auch zukünftig häufiger mit solchen Ereignissen rechnen müssen.

Mindestens 5 Jahre Beobachtungszeit

Hierfür wurden Daten von 14.177 Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes analysiert. Alle Patientinnen und Patienten waren jünger als 20 Jahre alt und seit mindestens 5 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankt. Ebenfalls wurden ihren Daten in dem Projekt „Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV)“ erfasst. Bei diesem Projekt übermitteln Behandlungszentren aus mehreren Ländern regelmäßig die anonymisierten Daten von Menschen mit Typ-1-Diabetes an eine Zentralstelle.

Das Forschungsteam wertetet bei den Kindern und Jugendlichen aus, wie lange die Zeiträume zwischen dem Auftreten schwerer Unterzuckerungen oder Ereignissen mit einem diabetischen Koma waren und ob sich daraus Schlussfolgerungen für das zukünftige Risiko ableiten lassen.

Risiko bleibt auch nach Jahren hoch

Im letzten Beobachtungsjahr erlitten 28% der Betroffenen mindestens eine schwere Hypoglykämie und 10% der Patientinnen und Patienten mindestens eine Hypoglykämie mit Bewusstseinsverlust oder Krampfanfall. Am höchsten war das Risiko, wenn die Betroffene bereits im Jahr zuvor ein entsprechendes Ereignis aufwiesen. Dabei was das Risiko bei Betroffenen mit einer Insulinpumpe niedriger als bei Patientinnen und Patienten mit einer intensivierten Insulintherapie. Aber auch bei Betroffenen, die 4 Jahre nach einer schweren Unterzuckerung oder einem diabetischen Koma zunächst keine weiteren Ereignisse entwickelten, lag das Risiko für ein erneutes Ereignis im letzten Beobachtungsjahr mindestens doppelt so hoch im Vergleich zu Betroffenen, die bisher von schweren Unterzuckerungen mit und ohne Bewusstseinsverlust verschont geblieben waren.

Das Fazit der Studienautoren

Ein kürzeres Zeitintervall zwischen vorherigen schweren Hypoglykämien ist ein bedeutender Risikofaktor für ein Wiederauftreten. Auch mehrere Jahre nach einem entsprechenden Ereignis haben Kinder und Jugendliche langfristig gesehen ein höheres Risiko, erneut eine schwere Hypoglykämie oder ein diabetisches Koma zu erleiden. Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrollen sowie intensive Schulungen bzw. eine individuelle Aufklärung dieser Betroffene und ihrer Familien.

 

Quelle:
Pacaud D et al. Risk of recurrent severe hypoglycemia remains associated with a past history of severe hypoglycemia up to 4 years: Results from a large prospective contemporary pediatric cohort of the DPV initiative. Pediatr Diabetes 2017; 19(3):493-500

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Klinische Studien