Augen

Retinopathie-Risiko auch bei Metabolischem Syndrom erhöht

Dauerhaft und lange erhöhte Blutzuckerwerte erhöhen die Gefahr von Netzhautschäden an den Augen. Wer einer so genannten Retinopathie vorbeugen möchte, sollte aber auch noch andere mögliche Risikofaktoren kennen: Dazu gehört zum Beispiel das Metabolische Syndrom.

Gefürchtete Langzeitfolge beim Diabetes

Schäden an der Netzhaut gehören zu häufigen Folgen des Diabetes. Bei etwa 1 bis 2 von 10 Menschen mit Typ-2-Diabetes wird dieser Schaden im Verlauf der Behandlung festgestellt. Die Veränderungen im Auge verlaufen für die Betroffenen zunächst ohne Beschwerden. Erst bei fortgeschrittenen Schäden kann das Sehen spürbar beeinträchtigt sein.Ein gut eingestellter Diabetes sowie die rechtzeitige Behandlung von Schäden an der Netzhaut (= Retinopathie) verhindern bei manchen Betroffenen, dass sich das Sehen verschlechtert. Deshalb werden für Patienten mit einer Diabeteserkrankung regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Augen empfohlen.

Die Retinopathie ist eine typische – und gefürchtete – Langzeitfolge des Diabetes mellitus. Betroffen ist die Netzhaut der Augen, in der kleine Gefäße krankhaft verändert sind. Die fortschreitende Schädigung der Blutgefäße mit Blutungen, Aussackungen der Gefäßwände, Gefäßverschlüssen und Gefäßwucherungen beeinträchtigt zunehmend das Sehen. Nicht selten führt dieser Prozess zur Erblindung des Betroffenen: Die diabetische Retinopathie ist der häufigste Grund für Blindheit in Mitteleuropa. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Retinopathie zeigt nicht „nur“ ein Gefäßproblem in der Netzhaut an, sondern spiegelt auch die Situation der kleinen Gefäße im gesamten Körper wider – diese sind meistens ebenfalls krankhaft verändert.

Nicht nur hohe Blutzuckerspiegel lassen das Risiko ansteigen

In den vergangenen Jahren lieferten mehrere Studien Hinweise, dass neben erhöhten Blutzuckerspiegeln bei einem Diabetes oder einem Diabetes-Vorstadium (Prädiabetes) auch andere Faktoren an der Entstehung der Retinopathie beteiligt sind: Das Metabolische Syndrom mit Übergewicht im Bauchbereich, erhöhten Blutdruckwerten und/oder Störungen des Fettstoffwechsels kann die kleinen Gefäße in der Netzhaut der Augen ebenfalls schädigen.

In einer Übersichtsarbeit haben Experten die wichtigsten Studienergebnisse zum Retinopathie-Risiko beim Metabolischen Syndrom zusammengefasst. Die Ergebnisse bestätigen die Bedeutung der verschiedenen Risikofaktoren: Ganz oben steht nach wie vor ein erhöhte Blutzuckerspiegel – selbst wenn dieser (noch) nicht im diabetischen Bereich liegt. Aber auch Übergewicht im Bauchbereich, erhöhte Blutdruckwerte, erhöhte Triglyzeridspiegel und/oder ein zu niedriges („gutes“) HDL-Cholesterin tragen wesentlich zur Schädigung der kleinen Netzhautgefäße in den Augen bei – und erhöhen damit das Retinopathie-Risiko.

Wann liegt ein Metabolisches Syndrom vor?

Nach aktueller Definition der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) spricht man von einem Metabolischen Syndrom, wenn Übergewicht im Bauchbereich besteht und mindestens 2 weitere der folgenden Störungen/Bedingungen vorliegen:

  1. Erhöhte Triglyzeridwerte (mindestens 150 mg/dl bzw. 1,7 mmol/l) bzw. eine bereits eingeleitete Behandlung zur Absenkung der Triglyzeride.
  2. Zu niedriges HDL-Cholesterin (Männer: weniger als 40 mg/dl bzw. 1,03 mmol/l; Frauen: weniger als 50 mg/dl bzw. 1,29 mmol/l) bzw. eine bereits eingeleitete Therapie zur Anhebung des HDL-Cholesterins.
  3. Bluthochdruck (systolisch mehr als 130 mmHg oder diastolisch mehr als 85 mmHg) bzw. eine bereits behandelte Hypertonie.
  4. Erhöhte Nüchtern-Blutglukosespiegel (mehr als 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l) oder ein bereits diagnostizierter Typ-2-Diabetes.

Ab wann ein Übergewicht im Bauchbereich vorliegt, hängt von der ethnischen Abstammung ab. Bei Europäern ist Übergewicht im Bauchbereich definiert als Bauchumfang von mehr als 94 cm bei Männern bzw. mehr als 80 cm bei Frauen

Fazit

Eine Retinopathie kann bis hin zur Erblindung führen. Darüber hinaus weist sie auch auf eine Schädigung der kleinen Gefäße im gesamten Körper hin. Neben dauerhaft und lange erhöhten Blutzuckerspiegeln gibt es weitere wichtige Faktoren, die das Risiko für eine Retinopathie ansteigen lassen: Dazu gehören Übergewicht im Bauchbereich, ein Bluthochdruck und Störungen im Fettstoffwechsel. Eine möglichst gute Einstellung dieser Werte hilft, einer Retinopathie vorzubeugen oder diese nicht weiter fortschreiten zu lassen. Außerdem werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Augen empfohlen.

 

Quellen:
Mbata, O et al. Obesity, metabolic syndrome and diabetic retinopathy: Beyond hyperglycemia. World J Diabetes 2017; 8: 317-329

Deutsche Diabetes-Gesellschaft. PatientenLeitlinie: Diabetes und Augen. 2016; 2. Auflage, Version 2

International Diabetes Federation. The IDF consensus worldwide definition of the metabolic syndrome. 2006

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Klinische Studien