Ramadan

Ramadan erhöht Risiko für Unterzuckerungen

Ramadan unterbricht die normale Ernährung. Für Menschen mit Diabetes kann das zu einem Problem werden. Besondere Vorsicht beim Fasten ist geboten, wenn sowohl SGLT-2-Hemmer als auch Insulin angewendet werden.

Das 30-tägige Fastengebot im Ramadan untersagt tagsüber jeglichen leiblichen Genuss. Gegessen und getrunken wird nur von Sonnenuntergang bis zum Beginn der Morgendämmerung. Dieser verschobene Rhythmus der Essgewohnheiten kann zu medizinischen Problemen führen. Vor allem Menschen mit Diabetes haben durch das Fasten möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykämien) – je nachdem, welche Diabetes-Medikamente angewendet werden.

Einfluss von SGLT-2-Hemmern – mit und ohne Insulintherapie

Eine Arbeitsgruppe aus Dubai ist der Frage nachgegangen, welchen Einfluss das Fasten im Ramadan bei Menschen hat, die mit SGLT-2-Hemmern – mit oder ohne zusätzlicher Insulintherapie – behandelt werden. SGLT-2-Hemmer sind blutzuckersenkende Wirkstoffe zur Therapie eines Typ-2-Diabetes. Die Medikamente verstärken die Ausscheidung des Zuckers (Glukose) über den Harn. Diese Wirkung beruht auf einer Hemmung des Natrium-Glukose-Cotransporters 2 (SGLT2) an der Niere. Letzterer sorgt normalerweise dafür, dass der Zucker aus dem Harn rückresorbiert wird und wieder in den Blutkreislauf gelangt.

Unterzuckerungen mit Werten < 70 mg/dl (3,9 mmol/l) sind häufig

Das Studienteam aus Dubai untersuchte 417 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes. Alle Studienteilnehmenden nahmen während des Fasten-Monats Ramadan SGLT-2-Hemmer ein. Anzeichen für eine Unterzuckerung berichteten in dieser Zeit 113 Personen – das waren 27 % aller Teilnehmenden. Davon überprüften 93 Betroffene ihren Blutzucker und 78 Personen stellten einen Wert < 70 mg/dl (3,9 mmol/l) fest. Am häufigsten traten Unterzuckerungen auf, wenn die Betroffenen neben der Tabletteneinnahme des SGLT-2-Hemmers zusätzlich noch Insulin spritzten.

Neben den Unterzuckerungen war die Gefahr für eine Dehydrierung („Austrocknung“) ebenfalls erhöht. Entsprechende Symptome entwickelten mehr als 9 % der untersuchten Menschen mit Typ-2-Diabetes. Allerdings ging bei den Studienteilnehmenden bis zum Ende des Ramadans auch der Blutzucker-Langzeitwert zurück und die Patientinnen und Patienten nahmen an Gewicht ab.

Das Fazit der Studienautoren

Die gleichzeitige Anwendung von Insulin und SGLT-2-Hemmern kann das Risiko für Unterzuckerungen während des Ramadan deutlich erhöhen. Betroffene sollten daher auf eine sorgfältige Überwachung achten.

 

Quelle:

Bashier A et al. Safety of Sodium-Glucose Cotransporter 2 Inhibitors (SGLT2-I) During the Month of Ramadan in Muslim Patients with Type 2 Diabetes. Oman Med J 2018; 33: 104-110

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Klinische Studien