Nerven

Periphere Neuropathie: Mit Lebensstiländerung und Gewichtsverlust rechtzeitig gegensteuern

Die Nervenfunktionsstörung ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen des Typ-2-Diabetes. Wer sein Übergewicht bekämpft und Bewegung in den Alltag einbaut, kann der Entstehung und Progression vorbeugen.

Rund jeder dritte Mensch mit Typ-2-Diabetes erkrankt an einer peripheren Neuropathie, die sich vor allem an den Beinen und Füßen durch Missempfindungen oder Bewegungseinschränkungen bemerkbar macht und sogar zu Amputationen führen kann. Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schmerzen an Beinen oder Füßen, verringerte Empfindsamkeit der Haut oder Bewegungseinschränkungen beim Laufen zählen zu den Symptomen, die mit diesen diabetischen Nervenschädigungen einhergehen können. In der Look AHEAD (Action for Health in Diabetes)-Studie haben Wissenschaftler aus den USA unter anderem untersucht, wie sich ein intensives Programm zur Änderung des Lebensstils bei übergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes auf Entwicklung und Fortschreitung einer solchen Nervenschädigung über einen längeren Zeitraum von elf bis zwölf Jahren auswirkt.

Mehr als 5000 übergewichtige und adipöse Studienteilnehmer mit Typ-2-Diabetes wurden an 16 US-amerikanischen Kliniken zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt: Die Interventionsgruppe durchlief neun bis elf Jahre lang ein intensives Langzeitprogramm zur Lebensstiländerung mit dem Fokus auf Gewichtsabnahme und gesteigerter Bewegung. Die Kontrollgruppe erhielt hingegen ein Internet-basiertes Schulungs- und Betreuungsprogramm für ihre Diabeteserkrankung. Alle Teilnehmer füllten zu Studienbeginn und anschließend jährlich einen Fragebogen zum Neuropathie-Screening (MNSI / Michigan Neuropathy Screening Instrument) aus. Dieser beinhaltet 15 Fragen zu Anzeichen einer Neuropathie oder eines diabetischen Fußes, etwa zu Missempfindungen, Krämpfen, verändertem Schmerz-, Wärme- und Kälteempfinden und Wunden an den Füßen. Bei mehr als der Hälfte der Befragten wurde nach der Intervention zudem der Zustand der Füße, die Reflexe am Knöchel sowie die Berührungsempfindlichkeit an den Großzehen ärztlich überprüft.

Bereits nach dem ersten Jahr während der Intervention hatten die Teilnehmer des Interventionsprogramms im Schnitt 8,6 Kilogramm abgenommen, die des Schulungsprogramms in der Kontrollgruppe nur 0,7 Kilogramm. Die Werte des Fragebogens zu Neuropathie-Symptomen waren in der Interventionsgruppe über die gesamte Studiendauer von bis zu 12 Jahren besser. Die Verbesserung im Neuropathie-Fragebogen (MNSI) ging in der Interventionsgruppe einher mit Gewichtsverlust, einer besseren Blutzuckerkontrolle und verbesserten Blutfettwerten. Auch beim Test der Empfindsamkeit leichter Berührungen an der Unterseite der Zehen schnitten die Teilnehmer, die die Lebensstiländerung durchlaufen hatten, besser ab. An den Großzehen spürten sie insgesamt mehr Berührungen als die Teilnehmer des Internet-basierten Schulungsprogramms ohne aktive Intervention zur Lebensstiländerung.

Fazit: Gewichtsverlust kann die Nerven schonen

Je mehr Gewicht die Teilnehmer des Interventionsprogramms verloren, desto mehr wirkte sich dies auf die Punktzahl im Neuropathie-Fragebogen aus. Die Teilnehmer berichteten insgesamt seltener über Schmerzen beim Gehen, weniger Missempfindungen in Beinen und Füßen und auch seltener über ein allgemeines Schwächegefühl. Die lässt den Schluss zu, dass ein intensives Programm zur Lebensstiländerung (mehr Bewegung, weniger Gewicht) nicht nur eine kurzfristige, sondern auch eine nachhaltige Linderung von Symptomen diabetischer Nervenschädigungen bewirken kann.

 

Quelle:
Horton ES/The Look AHEAD Research Group: Effects of a long-term lifestyle modification programme on peripheral neuropathy in overweight or obese adults with type-2-diabetes: the Look AHEAD study. Diabetologia 2017;60:980-88

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Klinische Studien