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Periphere Neuropathie: Hohes Gewicht und Diabetes sind Haupt-Risikofaktoren

Übermäßig häufig sind übergewichtige Menschen mit und ohne Diabetes von Nervenschäden betroffen, wie eine große Bevölkerungsstudie in China zeigt. Gewichtsreduktion und Bewegung können Übergewicht bekämpfen, Diabetes vorbeugen und somit das Risiko für Folgeerkrankungen verringern.

Eine periphere Neuropathie, also Nervenschäden in den äußeren Zonen des Körpers wie Beine und Arme, kann im Rahmen eines Diabetes zu Empfindungsstörungen und im weiteren Verlauf zu starken Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und sogar zum Diabetischen Fußsyndrom führen. Solche Nervenschäden stellen die häufigste Folgeerkrankung eines Diabetes dar. Aber auch für Menschen ohne Diabetes – besonders dann, wenn gemessen an der Größe zu viel Gewicht auf die Waage gebracht wird – besteht ein erhöhtes Risiko für diese Erkrankung. Dies zeigte jetzt erneut eine große Populationsstudie in China mit über 4.000 Teilnehmern.

Eine kleinere Studie in den USA kam 2016 bereits zu ähnlichen Erkenntnissen: Nur rund 4 Prozent der schlanken Kontrollpersonen, jedoch 11 Prozent der adipösen Teilnehmer (Body Mass Index (BMI) von mindestens 32 kg/m²) ohne Diabetes und sogar fast 35 Prozent der adipösen Teilnehmer mit Diabetes zeigten Anzeichen von Nervenschäden.

Um herauszufinden, welche Komponenten des „Metabolischen Syndroms“ (die Kombination aus vermehrtem Bauchfett, hohem Blutdruck, Blutfettstoffwechselstörung und gestörter Glukosetoleranz) am stärksten mit dem Auftreten der Nervenschäden in Verbindung stehen, haben die Wissenschaftler in China bei 4.002 Studienteilnehmern (Durchschnittsalter: 52 Jahre) ein standardisiertes Neuropathie-Screening durchgeführt. Außerdem wurden bei den Teilnehmern Blutzuckerwerte, Blutdruck, BMI und Blutfettwerte bestimmt. Insgesamt hatten 19 Prozent aller Studienteilnehmer Diabetes; bei 44 Prozent wurde ein Prädiabetes, eine Vorstufe des Diabetes mit bereits erhöhten Blutzuckerwerten, festgestellt. Die Wahrscheinlichkeit einer peripheren Neuropathie stieg mit verschlechterten Blutzuckerwerten: Bei 3 Prozent der Teilnehmer mit Blutzuckerwerten im Normbereich, 6 Prozent der Menschen mit Prädiabetes und 15 Prozent der Menschen mit manifestem Diabetes wurde eine periphere Neuropathie diagnostiziert. Hohe Blutzuckerspiegel und Gewicht waren assoziiert mit dem Auftreten einer peripheren Neuropathie. Auch wenn Einzelbausteine des metabolischen Syndroms überwiegend nicht in direkte Verbindung mit der Neuropathie gebracht werden konnten, so war deren Prävalenz insgesamt aber mit steigender Anzahl an vorliegenden Komponenten des metabolischen Syndroms erhöht.

Fazit: Überflüssige Pfunde loswerden, Diabetes vorbeugen

Da neben Diabetes als Hauptursache für periphere Nervenschäden auch hohes Gewicht einen bedeutenden Risikofaktor für die Entwicklung einer peripheren Neuropathie darstellt, müsse nicht nur einem dieser Faktoren, sondern am besten beiden gezielt entgegengewirkt werden, schlussfolgern die Autoren der Studie. Gewichtsabnahme und Bewegung seien nicht nur sinnvoll, um einem metabolischen Syndrom vorzubeugen, sondern auch die besten Maßnahmen, um zu verhindern, dass ein Prädiabetes zu einem Diabetes fortschreite – und damit auch dem Entstehen von schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie diabetischer Neuropathie vorzubeugen, die bei übergewichtigen Menschen verhältnismäßig häufig auftritt. Da Diabetes nach wie vor den größten Risikofaktor für periphere Nervenschäden darstellt, muss weiterhin daran geforscht werden, welche Diabetes-Therapie, gerade bei Typ-2-Diabetes, am ehesten geeignet sein könnte, der Entstehung einer Neuropathie vorzubeugen.

 

Quellen:
Callaghan BC et al. Association Between Metabolic Components and Polyneuropathy in an Obese Population. JAMA Neurol. 2016:73(12):1468-1476

Callaghan BC et al. Diabetes and obesity are the main metabolic drivers of peripheral neuropathy. Annals of Clinical and Translational Neurology 2018:5(4):397-405

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Klinische Studien