Typ-2-Diabetes

Parodontitis-Behandlung verbessert die Blutzuckerkontrolle und senkt das Komplikationsrisiko

Menschen mit Typ-2-Diabetes, die regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle gehen und Zahnfleisch-Entzündungen behandeln lassen, erreichen eine Verbesserung ihres Blutzucker-Langzeitwerts und sind besser vor Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen geschützt. Das zeigt eine britische Studie.

Schätzungsweise 8-13 Millionen Menschen in Deutschland haben eine behandlungsbedürftige schwere Erkrankung des Zahnhalteapparats (Parodontitis). Menschen mit Diabetes sind übermäßig häufig von diesen Entzündungen des Zahnfleischs betroffen. Rund die Hälfte von ihnen leidet an einer schweren Form der Parodontitis. Erkennbar ist sie an gelegentlichem Zahnfleischbluten, Zahnbelag sowie zurückgehendem oder geschwollenem Zahnfleisch.

Gefährliche Kombination

Da es auch beim Diabetes zu entzündlichen Prozessen im Körper kommt, bilden beide Erkrankungen ein gefährliches Duo, das zu Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Nieren führen kann. Eine Forschungsgruppe in London hat nun untersucht, ob eine gründliche Parodontitis-Behandlung zu einer verbesserten Blutzuckerkontrolle und einem verminderten Risiko für Folgeerkrankungen führen kann. Hierzu wurden 264 Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes und mittelschwerer bis schwerer Parodontitis an mindestens 15 Zähnen nach dem Zufallsprinzip in 2 Gruppen eingeteilt:

  • Intensive Parodontitis-Behandlung, je nach Bedarf mit chirurgischem Eingriff
  • Basis-Behandlung (Entfernung von Zahnstein und Polieren des Bereichs oberhalb des Zahnfleischs)

Zur Intensivbehandlung gehörte das Entfernen von Belägen aus schwer zugänglichen Zahnfleischtaschen sowie an den Oberflächen der Zahnhälse und -wurzeln. Nach der Intensivtherapie folgte eine Nachbehandlung alle
3 Monate. Zu Studienbeginn hatten die Teilnehmenden einen durchschnittlichen Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) von 8,1 %.

Entzündungen im Zahnfleisch können sich ausbreiten

Nach der 12-monatigen Interventionsphase war der Blutzucker-Langzeitwert bei Patientinnen und Patienten, deren Parodontitis intensiv behandelt wurde, um 0,6 % niedriger als bei Patientinnen und Patienten der Kontrollgruppe. In der intensivierten Behandlungsgruppe lag er bei nur noch 7,8 %. Ebenfalls gingen mit dem Rückgang der Entzündung des Zahnfleischs durch die regelmäßige Behandlung, auch die Entzündungswerte im ganzen Körper zurück. Nach der Therapie sanken auch die Kreatininspiegel, was auf eine Verbesserung der Nierenfunktion hindeutet. Ein weiteres Plus der Zahnfleischbehandlung: Die Lebensqualität der Teilnehmenden war nach der Parodontitis-Behandlung deutlich besser als vorher. Dies ergab die Auswertung eines Fragebogens zur Lebensqualität, den alle Teilnehmenden zu Studienbeginn und nach 12 Monaten ausfüllten.

Fazit: Gute Mundhygiene erleichtert Diabetes-Management und hat positive Auswirkungen auf die Diabetes-Einstellung

Die Studie aus Großbritannien zeigt, dass eine konsequente Behandlung von Entzündungen im Mundraum die Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes verbessert. Zudem konnten durch eine intensive Parodontitis-Behandlung die Entzündungswerte im Körper gesenkt werden, was sich ebenfalls positiv auf Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen auswirken könnte. Also könne man eine Parodontal-Behandlung als Zusatztherapie für Diabetes-Betroffene betrachten, die die Behandlung mit Antidiabetika ergänze, schreibt das Forschungsteam in der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes Endocrinology. Sie komme hinsichtlich ihres Effekts auf Diabetes-Kontrolle und Folgeerkrankungen einem 2. Antidiabetikum gleich.

 

Quelle:
D’Aiuto F et al. Systemic effects of periodontitis treatment in patients with type 2 diabetes: a 12 month, single-centre, investigator-masked, randomised trial. Lancet Diabetes Endocrinol 2018 (online)

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Klinische Studien