Ernährung

Niedriger glykämischer Index hält Blutzucker besser unter Kontrolle

Der glykämische Index zeigt an, wie sich kohlenhydratreiche Lebensmittel auf den Blutzuckerspiegel und die Insulinausschüttung auswirken. Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index können die Blutzuckerkontrolle günstig beeinflussen – das bestätigt eine Auswertung mehrerer Studien.

Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Mineralien und Vitamine: Die Zusammensetzung der Lebensmittel und die Qualität der Nährstoffe haben große Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Die Art der Ernährung beeinflusst insbesondere auch Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Hier wird unter anderem seit einigen Jahren die Bedeutung des glykämischen Index diskutiert. Im Mittelpunkt steht die Frage: Kann der Austausch von Nahrungsmitteln mit hohem glykämischen Index durch Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index die Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes verbessern?

Was bedeutet „glykämischer Index“?

Der glykämische Index stellt ein Maß für die Wirkung von Lebensmitteln auf den Blutzucker dar. Lebensmittel mit hohem glykämischen Index beinhalten Kohlenhydrate, die während der Verdauung schnell abgebaut werden und damit schnell in die Blutbahn gelangen. Ein Beispiel ist der Verzehr von Weißbrot. Lebensmittel mit hohem glykämischen Index erhöhen aber nicht nur schnell den Blutzucker, sondern dementsprechend auch die Insulinausschüttung: Das Hormon Insulin reguliert unter anderem die Aufnahme von Glukose (Zucker) in die Körperzellen.

Bei Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index werden die Kohlenhydrate im Verdauungsprozess hingegen langsam abgebaut und fluten daher auch langsamer im Blut an.

Menschen mit Typ-2-Diabetes profitieren von Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben die wichtigsten Studien ausgewertet, die in den letzten Jahren zum Thema „Glykämischer Index bei Typ-2-Diabetes“ durchgeführt wurden. Auch wenn sich zum Teil etwas unterschiedliche Ergebnisse zeigten, war das Resultat aus allen Studien ähnlich: Eine Ernährungsweise, die vorwiegend aus Lebensmitteln mit einem niedrigen im Vergleich zu einem hohen glykämischen Index bestand, wirkte sich positiv auf die Blutzuckerkontrolle aus. Dieses zeigte sich insbesondere durch günstige Effekte auf den Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) und den Nüchternblutzucker. Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index sind zum Beispiel Vollkornbrot mit ganzen Körnern, Gemüse, Hülsenfrüchte und frisches Obst.

Wie wird der glykämische Index berechnet?

Um den glykämischen Index zu berechnen, wird gemessen, wie hoch und wie lange der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr von 50 g Kohlenhydraten aus einem bestimmten Lebensmittel steigt. Der glykämische Index wird in Prozent angegeben. Als Referenzwert dient die Aufnahme von 50 g Glukose, die definitionsgemäß einen glykämischen Index von 100 % hat.

Bei der Bewertung des glykämischen Index ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Höhe der Blutzuckerantwort auch durch weitere Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehört zum Beispiel der Anteil von Ballaststoffen und Fett in der Nahrung – beides verlangsamt den Blutzuckeranstieg. Auch die Verarbeitung und Zubereitung der Lebensmittel (z. B. zerkleinert, roh, erhitzt, gekocht) ist zu berücksichtigen: Stark verarbeitete und gekochte Nahrungsmittel haben meistens einen höheren glykämischen Index.

Darüber hinaus können Hemmstoffe in Nüssen, Getreide und Hülsenfrüchten die Kohlenhydratverdauung verlangsamen. Nicht zuletzt spielt auch die Zusammensetzung der Darmflora eine Rolle, da sie die Kohlenhydrataufnahme ebenfalls beeinflusst.

Das Fazit der Studienautorinnen und -autoren

Im Vergleich zu Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index verringern Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index Schwankungen des Blutzuckerspiegels und den täglichen Insulinbedarf. Ergebnisse einer Reihe von Studien bestätigen, dass Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes beitragen können. Diese Lebensmittel sind dann eine geeignete Wahl, wenn auch die anderen darin enthaltenen Inhaltsstoffe gesundheitsförderlich sind (z. B. in Bezug auf die Fettqualität).

 

Quelle:
Ojo O et al. The Effect of Dietary Glycaemic Index on Glycaemia in Patients with Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrients 2018

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Klinische Studien