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Neue Antidiabetika senken Sterblichkeit

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu versterben. Eine Auswertung aus Studien bei fast 180.000 Patienten bestätigt: Moderne Antidiabetika wie GLP-1-Agonisten oder SGLT-2-Hemmer können das Sterblichkeitsrisiko senken.

Haben moderne Antidiabetika einen Vorteil für das Überleben?

Für die Behandlung eines Typ-2-Diabetes steht heutzutage eine Vielfalt an Medikamenten zur Verfügung. Bei modernen Antidiabetika, die erst seit einigen Jahren auf dem Markt sind, wurden weitere Studiendaten gefordert: Ziel ist es, mehr darüber zu erfahren, ob die modernen Präparate auf lange Sicht Vorteile gegenüber älteren und bewährten Diabetes-Medikamenten haben. Mittlerweile liegen Daten zum Einfluss auf das Sterblichkeitsrisiko für verschiedene moderne Substanzen vor: Dazu gehören GLP-1-Agonisten, DPP-4-Inhibitoren und SGLT-2-Hemmer.

Wirkmechanismus moderner Medikamente gegen Typ-2-Diabetes

  • GLP (Glucagon-like peptide)-1-Agonisten verstärken die Wirkung von GLP-1. Letzteres ist ein Hormon im menschlichen Darm, das beim Zuckerstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. GLP-1 fördert die Ausschüttung von Insulin in der Bauchspeicheldrüse. Gleichzeitig hemmt das Darmhormon die Freisetzung von Glukagon – dem „Gegenspieler“ von Insulin.
  • DPP (Dipeptidyl-Peptidase)-4-Inhibitoren hemmen den Abbau des Darmhormons GLP-1 und senken darüber auch den Blutzuckerspiegel.
  • SGLT (Sodium dependent glucose co-transporter)-2-Hemmer blockieren die Wiederaufnahme von Glukose in der Niere. Hierdurch steigt die Glukosemenge, die über die Harnwege ausgeschieden wird. Als Folge sinkt der Blutzuckerspiegel.

Daten bei fast 180.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes ausgewertet

Eine Arbeitsgruppe um Sean Zheng vom Imperial College London hat 236 Studien mit 176.310 Menschen mit Diabetes in einer sogenannten Metaanalyse ausgewertet. In diesen Studien hatte man den Einsatz von GLP-1-Agonisten, DPP-4-Inhibitoren oder SGLT-2-Hemmern mit Kontrollgruppen verglichen. Als Kontrollgruppen dienten Patienten, die anstelle der modernen Antidiabetika ein Scheinmedikament (Placebo) oder keine weitere Behandlung erhielten.

Die Ergebnisse der Metaanalyse zeigen, dass die Behandlung mit SGLT-2-Hemmern oder GLP-1-Agonisten bei den Patienten tatsächlich zu einer deutlichen Senkung der Sterblichkeit führte. In der Gruppe mit SGLT-2-Hemmern reduzierte sich das Sterblichkeitsrisiko während des Beobachtungszeitraums um 20 Prozent, in der Gruppe mit GLP-1-Agonisten um 12 bis 15 Prozent. Für die Behandlung mit DPP-4-Hemmern ergab sich hingegen kein Unterschied bei der Sterblichkeit im Vergleich zu den Kontrollgruppen.

Zur Absenkung des Sterblichkeitsrisikos trug vor allem die geringere Rate an Herz-Kreislauf-Todesfällen (z.B. durch Herzinfarkt oder Schlaganfall) bei. Die größte Wirkung auf die Sterblichkeit durch Herzinfarkt oder Schlaganfall zeigten SGLT-2-Hemmer.

Das Fazit der Studienautoren

Die Daten bei fast 180.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes bestätigen, dass moderne Antidiabetika wie SGLT-2-Hemmer oder GLP-1-Agonisten das Sterblichkeitsrisiko senken können – vor allem das Risiko für einen Tod durch Herz-Kreislauf-Ereignisse. Allerdings dürfen diese Ergebnisse nicht überbewertet werden. Möglicherweise lässt sich auf längere Sicht mit zum Beispiel DPP-4-Inhibitoren ebenfalls eine günstige Auswirkung auf die Sterblichkeit bei Typ-2-Diabetes erreichen. Keine Aussage ist zur Lebensverlängerung gegenüber der Behandlung mit älteren Antidiabetika möglich, da hier ein direkter Vergleich fehlt.

 

Quelle:
Zheng SL et al. Association Between Use of Sodium-Glucose Cotransporter 2 Inhibitors, Glucagon-like Peptide 1 Agonists, and Dipeptidyl Peptidase 4 Inhibitors With All-Cause Mortality in Patients With Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA 2018; 319: 1580-1591

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Klinische Studien