Nerven

Nervenschäden bei Diabetes bleiben oft lange unerkannt

Viele Menschen mit Diabetes wissen nicht, dass sie eine Nervenerkrankung (Neuropathie) haben. Dieses alarmierende Ergebnis hat nun eine Studie in Deutschland aufgezeigt.

Nervenerkrankungen können folgenschwer sein

Eine häufige und ernst zu nehmende Folge des Diabetes sind diabetische Nervenschäden. Meistens sind dabei die sensiblen Nervenfasern in den Füßen geschädigt, die uns Berührungen oder Schmerzen wahrnehmen lassen. Viele Betroffene ignorieren jedoch erste Warnsignale. Dabei wäre ein frühzeitiges Erkennen der Nervenfunktionsstörung wichtig, um schwerwiegenden Folgen entgegenzuwirken. Zum Beispiel kann es passieren, dass Verletzungen an den Füßen nicht mehr richtig gespürt werden. Als Folge kann es zum diabetischen Fußsyndrom kommen, das im schlimmsten Fall zu Amputationen führt.

In Deutschland ist die PROTECT-Studie der Frage nachgegangen, wie häufig die sensiblen Nervenfasern tatsächlich geschädigt sind. Insgesamt 1.850 Menschen ließen in der Studie ihre Nervenfunktion in den Füßen untersuchen. Davon hatten 781 bisher keine Diabetes-Diagnose, 126 einen Typ-1-Diabetes und 943 einen Typ-2-Diabetes.

Alarmierende Ergebnisse aus der PROTECT-Studie

Eine sensible Nervenerkrankung wiesen 48 % der Teilnehmenden aus der Gruppe ohne bekannte Diabetes-Erkrankung, 44 % aus der Gruppe mit Typ-1-Diabetes und 55 % aus der Gruppe mit Typ-2-Diabetes auf.

Fast 70 % der Männer und Frauen, bei denen die Nervenschädigung nachgewiesen wurde, wussten bis dato nichts davon. Dabei hatten die meisten Betroffenen durchaus Beschwerden, wie zum Beispiel Schmerzen, Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle in den Füßen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass fast 40 % der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer ohne bisherige Diabetes-Diagnose einen auffälligen Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) aufwiesen. Vermutlich lag bei diesen Betroffenen bereits eine noch nicht erkannte Diabetes-Erkrankung oder eine Diabetes-Vorstufe (Prädiabetes) vor – und damit bereits ein erhöhtes Risiko für Nervenschäden.

Funktionsstörungen der Nerven gingen bei 62 % der Betroffenen mit Schmerzen einher. Die PROTECT-Studiengruppe fand heraus, dass vor allem überwichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger von einer schmerzhaften Form der Nervenerkrankung betroffen waren. Eine schmerzlose Nervenfunktionsstörung trat hingegen öfter bei Männern und schlankeren Personen auf.

Das Fazit der Studienautorinnen und -autoren

Die Bedeutung diabetischer Nervenschäden wird nach wie vor unterschätzt. Selbst von den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern mit schmerzhafter Nervenfunktionsstörung wussten die meisten nichts von ihrer Erkrankung. Das Forschungsteam um Studienleiter Prof. Dr. Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes-Zentrum empfiehlt: Menschen mit Diabetes sollten ihre Füße regelmäßig selbst kontrollieren und auch von ihrer behandelnden Ärztin bzw. ihrem behandelnden Arzt regelmäßig untersuchen lassen.

 

Quelle:
Ziegler D et al. Painful and painless neuropathies are distinct and largely undiagnosed entities in subjects participating in an educational initiative (PROTECT study). Diabetes Res Clin Pract 2018; 139: 147-154

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Klinische Studien