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Metformin als Zusatztherapie bei Typ-1-Diabetes: nur geringer Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen

In der randomisierten REMOVAL-Studie bewirkte das orale Antidiabetikum Metformin bei Menschen mit Typ-1-Diabetes nur einen sehr leichten Rückgang der Atherosklerose und keine Verbesserung der Blutzuckerkontrolle (Blutglukosekontrolle). Dennoch könnte der „Off-Label“-Einsatz des Medikaments bestimmten Patientinnen und Patienten helfen, schlussfolgert das Forschungsteam.

Kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle treten bei Menschen mit Typ-1-Diabetes etwa doppelt so häufig auf wie in der Normalbevölkerung. Eine gute Blutzuckerkontrolle kann das Risiko solcher Ereignisse reduzieren. Studien zeigen, dass der Blutzucker bei immer noch rund 30 % aller Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht optimal eingestellt ist. Weitere Probleme die zu einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko beitragen sind Übergewicht und hohe Cholesterinwerte.

Metformin ist das Antidiabetikum 1. Wahl bei Typ-2-Diabetes und hat bei diesen Patientinnen und Patienten in Studien eine kardiovaskuläre Schutzwirkung gezeigt. Ob Metformin auch das Herz von Menschen mit Typ-1-Diabetes schützen und ihre Blutzuckerkontrolle verbessern kann, war bislang unklar. Gelegentlich wird das Medikament diesen Betroffenen „Off Label“, also außerhalb des von den Arzneimittelbehörden zugelassenen Gebrauchs, als Zusatztherapie verordnet, aufgrund positiver Anzeichen hinsichtlich Insulinbedarf, Gewichtskontrolle und Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert).

REMOVAL: Metformin-Therapie für Risikopatientinnen und -patienten

In der internationalen, zufallsverteilten (randomisierten), doppel-blinden REMOVAL (REducing with MetfOrmin Vascular Adverse Lesions)-Studie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun die Auswirkungen einer Zusatztherapie mit Metformin zur Insulintherapie bei Menschen mit Typ-1-Diabetes untersucht. In 23 Diabetes-Kliniken in 5 Ländern – Australien, Kanada, Dänemark, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich – wurden insgesamt 428 Patientinnen und Patienten (Durchschnittsalter 55 Jahre), die seit mindestens 5 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankt waren, und mindestens 3 von 10 kardiovaskulären Risikofaktoren aufwiesen, einem von 2 Behandlungsarmen zugeordnet. Über einen Zeitraum von 3 Jahren nahmen 219 von ihnen Metformin-Tabletten (2x täglich 1.000 mg) und 209 Placebo-Tabletten ein. Rund 12 % der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung; 82 % nahmen ein Statin (Medikament zur Senkung des Cholesterinspiegels) und 73 % einen Blutdrucksenker ein.

Um atherosklerotische Gefäßveränderungen zu erfassen, wurde im Abstand von 12 Monaten mehrmals per Ultraschall die Dicke der inneren und mittleren Schichten der Gefäßwand der Halsschlagader (Karotiden) gemessen. In der Metformin-Gruppe nahm die so genannte Intima-Media-Dicke um 0,006 mm, mit Placebo um 0,010 mm zu. Dieser Unterschied war nicht statistisch signifikant. Signifikant wurde die Differenz erst, als die atherosklerotischen Plaques mit einberechnet wurden. Der Blutzucker-Langzeitwert der Patientinnen und Patienten, die Metformin einnahmen, verbesserte sich nur in den ersten 3 Behandlungsmonaten, sodass die von der Forschungsgruppe erhoffte positive Auswirkung des Antidiabetikums auf die Blutzuckerkontrolle nicht eintrat. Positiv wirkte sich die Zusatztherapie jedoch auf das Gewicht, die Cholesterinwerte und die Nierenfunktion der Betroffenen aus.

Fazit der Autorinnen und Autoren: Kardiovaskulärer Schutz möglich

Trotz der nur schwachen Hinweise auf eine Schutzfunktion bleibt das Forschungsteam von REMOVAL optimistisch, was die künftige Rolle von Metformin bei der Therapie von Typ-1-Diabetes angeht. Betroffene mittleren Alters mit langjähriger Diabetes-Dauer, deren Bluthochdruck und Cholesterinwerte gut eingestellt sind, könnten von einer Zusatztherapie in kardiovaskulärer Hinsicht profitieren, schlussfolgern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

 

Quelle:
Petrie JR et al. Cardiovascular and metabolic effects of metformin in patients with type 1 diabetes (REMOVAL): a double-blind, randomised, placebo-controlled trial. Lancet Diabetes Endocrinol. 2017; 5(8): 597-609

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Klinische Studien