Leber

Lebererkrankungen

Die Leber ist die größte Drüse des Körpers und das zentrale Organ des menschlichen Stoffwechsels. Durch sie können wir u. a. Nährstoffe aufnehmen und unser Blut von giftigen Substanzen befreien. Erkrankungen der Leber können durch verschiedene Ursachen, wie z. B. Übergewicht, Autoimmunerkrankungen, Entzündungen (Hepatitis), Alkohol oder Medikamente ausgelöst werden. Aber auch Stoffwechselstörungen, wie eine Insulinresistenz oder ein Typ-2-Diabetes, können die Leber schädigen.

Unter den verschiedenen Lebererkrankungen steht besonders die Fettlebererkrankung in einem engen Bezug zur Diabetes-Erkrankung. Bei einer Fettleber kommt es zu einer Einlagerung von Fett in die Leberzellen. Dabei unterscheidet man zwischen einer durch Alkohol verursachten Fettlebererkrankung und einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (engl.: nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD)). Eine Fettlebererkrankung kann ernste Folgen haben, wenn neben Fett auch eine Entzündung in der Leber nachweisbar ist. Dann wird, ebenfalls je nach Ursache, zwischen einer alkoholischen Fettleberentzündung (ASH) und einer nicht-alkoholischen Fettleberentzündung (NASH) unterschieden. Diese Erkrankungen können beide langfristig zu Vernarbungen und schwerwiegenden Gesundheitsbeeinträchtigungen führen. Das Besondere an der Beziehung zwischen einer Fettlebererkrankung und Diabetes ist, dass beide gegenseitig Auslöser und Folge sein können.

Häufigkeit von Lebererkrankungen

Die Häufigkeit (Prävalenz) von Lebererkrankungen variiert von Land zu Land sehr stark und wird weltweit auf etwa 25 % geschätzt. Bei Menschen mit Diabetes liegt die Häufigkeit mit etwa 70 % deutlich höher und ist mit Adipositas und erhöhten Blutfettwerten (Hypertriglyzeridämie) assoziiert. Statistisch gesehen, entwickelt sich innerhalb von 5-10 Jahren bei 1/3 der Patientinnen und Patienten mit einer frühen Form der NASH eine schwerwiegende und irreversible Leberzirrhose.

Risikofaktoren

Eine Fettleber kann durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden:

  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Bewegungsarmut
  • Fehlernährung
  • Medikamente
  • Schwangerschaft
  • Metabolisches Syndrom (z. B. Übergewicht oder Insulinresistenz)
  • Typ-2-Diabetes
  • Als Begleiterkrankung bei anderen Erkrankungen (z. B. Hepatitis C-Virusinfektion)

 

Umgekehrt kann die Fettlebererkrankung auch einer Diabetes-Erkrankung vorausgehen. Laut Studien ist die NASH ein unabhängiger Vorhersagewert für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes innerhalb von 5 Jahren sowie für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Auch die allgemeine Sterblichkeit (Mortalität) ist im Vergleich mit Personen ohne NASH deutlich erhöht. Während sich aus der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (ohne Entzündung) meist keine Komplikationen entwickeln (Ausnahmen sind möglich), kann eine unbehandelte NASH zu Bindegewebseinlagerungen (Fibrose) und Vernarbungen (Zirrhose) führen. Dann kann die Leber ihre Funktion nur noch eingeschränkt wahrnehmen und es kann zu gefährlichen Spätfolgen kommen (u. a. Wasserbauch, Funktionsstörungen des Gehirns aufgrund von Giftstoffen oder Leberkrebs).

Diagnose

Da die Leber über keine Nervenzellen verfügt, verspüren Betroffene mit einer Fettleber oder einer NASH meist keine Schmerzsignale. Folgende Symptome können dennoch ein Hinweis auf eine Fettlebererkrankung sein:

  • Anhaltende Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Druckgefühl im rechten Oberbauch
  • Dunkler Urin
  • Heller Stuhl

Ein Arzt kann eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung durch eine Blutuntersuchung anhand von erhöhten Leberwerten, im Ultraschallbild (Sonographie), durch eine Elastographie oder eine invasive Biopsie diagnostizieren. Wichtig ist, durch Fragen zum Alkoholkonsum die NASH von einer ASH abzugrenzen.

Therapie

Bei der Therapie der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen (NAFLD) geht es in erster Linie um die Kontrolle des Lebensstils. Wichtig ist es, die Entstehungsgründe der Erkrankung herauszufinden und dort die Behandlung anzusetzen. Ist Übergewicht der Auslöser, gilt es dieses zu reduzieren. Schon 5-10 % Gewichtsverlust können sich positiv auf eine NAFLD-Erkrankung auswirken. Auch eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität haben laut Studien sehr positive Effekte auf den Verlauf einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung. Bei einer durch Alkohol verursachten Fettleber-Erkrankung sollte auf alkoholhaltige Getränke verzichtet werden. Solange noch keine Entzündung vorliegt und ein Lebensstilwandel konsequent eingehalten wird, stehen die Chancen einer sich vollständig regenerierenden Leber sehr gut.

 

Quellen:

  1. Deutsche Leberhilfe e.V. Nicht-alkoholische Fettleber – NAFL und NASH. Stand Mai 2017
  2. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Nicht- alkoholische Fettlebererkrankungen. S2k Leitlinie – 2015; Version 01/2015
  3. Younossi ZM et al. Global epidemiology of nonalcoholic fatty liver disease-Meta-analytic assessment of prevalence, incidence, and outcomes. Hepatology 2016; 64: 73-84
  4. Leite NC et al. Prevalence and associated factors of non-alcoholic fatty liver disease in patients with type-2 diabetes mellitus. Liver Int 2009; 29: 113-119
  5. Caldwell S et al. The natural history of non-alcoholic fatty liver disease. Dig Dis 2010; 28: 162-168
  6. Park SK et al. Clinical availability of nonalcoholic fatty liver disease as an early predictor of type 2 diabetes mellitus in Korean men: 5-year prospective cohort study. Hepatology 2013; 57: 1378-1383
  7. Adams LA et al. The natural history of nonalcoholic fatty liver disease: a population-based cohort study. Gastroenterology 2005; 129: 113-121
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Klinische Studien