Grundlagen der Therapie

Lebensstiländerung zur Therapie des Typ-2-Diabetes

Ein gesunder Lebensstil trägt zu einer Gesundheitsförderung und Krankheitsvermeidung bei. Besonders bei Menschen mit einer gestörten Glukosetoleranz oder Typ-2-Diabetes, die häufig auf Bewegungsmangel und eine hyperkalorische, energiereiche Ernährung zurückzuführen sind, ist eine Lebensstiländerung eine wichtige Therapiemöglichkeit und bildet die Basis der Diabetes-Behandlung.
Zu einem gesunden Lebensstil gehören 4 Bereiche, die als lebensverlängernde Faktoren angesehen werden:

  • Ausgewogene, gesundheitsförderliche Ernährung
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Nichtrauchen
  • Mäßiger Alkoholkonsum

Empfehlungen zur Ernährung

Die Ernährungsempfehlungen für Personen mit Diabetes unterscheiden sich grundsätzlich nicht von den allgemein gültigen Empfehlungen für Menschen ohne Diabetes. Sie können prinzipiell alle Lebensmittel essen und müssen keine spezielle Ernährungsform einhalten. Dennoch kommt der Ernährung eine sehr wichtige Rolle in der Vorbeugung (Prävention) und im Therapiekonzept des Typ-2-Diabetes zu. Sie gehört zum individuellen Selbstmanagement dazu. Vor diesem Hintergrund, hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft praktische Empfehlungen für eine gesunde und ausgewogene Ernährung herausgegeben:

  • Kein generelles Zuckerverbot, jedoch Vermeidung von großen Mengen an Haushaltszucker, Fruchtzucker, Zuckeralkoholen (z. B. Sorbit, Xylit) bzw. von Getränken, die diese Stoffe enthalten
  • Vermeiden von großen Portionen und dem häufigen Verzehr von fetthaltigen Lebensmitteln, z. B. fettreiches Fleisch, fette Wurstwaren, Käse mit einem hohen Fettgehalt, fettreiche Backwaren, fetthaltige Fertigprodukte und Fast Food, Sahne, Schokolade, Chips
  • Pflanzliche Fette bevorzugen, z. B. Öle, Nüsse und Samen
  • Regelmäßig Fisch verzehren
  • Lebensmittel verzehren, die reich an Ballaststoffen sind, z. B. Gemüse, frisches Obst und Vollkorngetreideprodukte
  • Die Vielfalt des frischen Lebensmittelangebots nutzen und genießen
  • Alkohol – wenn überhaupt – nur in Maßen konsumieren: Nicht mehr als 1-2 kleine Gläser an alkoholischen Getränken pro Tag

Vorteile einer ausgewogenen und bewussten Ernährung

Eine gesundheitsförderliche und ausgewogene Ernährung hat eine vorbeugende Wirkung auf eine gestörte Glukosetoleranz und ist die Basis einer Therapie bei Typ-2-Diabetes. Sie erleichtert den Umgang mit der Erkrankung und kann zu Beginn der Diabetes-Erkrankung als Behandlungsmaßnahme oft ausreichen. Bei übergewichtigen und adipösen Menschen mit Typ-2-Diabetes kann durch eine Gewichtsreduktion die Stoffwechsellage verbessert werden. Durch eine konsequente Kalorienreduktion, speziell zu Beginn der Erkrankung, können übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes erhöhte Blutzuckerwerte bis zum Normbereich senken und einen möglichen vollständigen Rückgang der Diabetes-Erkrankung erreichen. Das zeigen wissenschaftliche Studien.

Empfehlungen zur Bewegung

Generell gilt, dass jede zusätzliche Bewegung mit einem gesundheitlichen Nutzen verbunden ist. Gemäß aktuellen Empfehlungen sollen sich Erwachsene mit Diabetes mindestens 150 Minuten mit moderater bis intensiver Intensität pro Woche bewegen. Sitzphasen sollten insgesamt reduziert und alle 30 Minuten unterbrochen werden. Zunächst gilt es die Alltagsaktivität (Treppensteigen, Spazierengehen, Gartenarbeit, etc.) zu steigern. Bei einem Sportprogramm ist primär eine Ausdauersteigerung im aeroben Trainingsbereich mit einer Herzfrequenz von ca. 50-60 % der maximalen Kapazität anzustreben. Adäquate Sportarten sind z. B. Nordic-Walking, schnelles Gehen/Walken, Bergwandern, Skiwandern, Schwimmen oder Radfahren. Alternativ empfiehlt sich ein Krafttraining oder kombiniertes Kraft-/Ausdauerprogramm für die großen Muskelgruppen. Bei Menschen mit Typ‑2‑Diabetes in der 2. Lebenshälfte sollten besonders Fähigkeiten wie Geschicklichkeit, Reaktionsfähigkeit, Koordination, Gelenkigkeit und Beweglichkeit im Rahmen der Bewegungseinheiten gefördert werden. Dazu eignen sich Sportarten wie z. B. Yoga oder Thai-Chi. Bei körperlichen Einschränkungen oder Gelenkbeschwerden ist auch ein sogenanntes Hockertraining möglich, das verschiedene Übungen im Sitzen vorsieht.

Vorteile einer regelmäßigen und ausreichenden Bewegung

Von den positiven Effekten der Bewegung auf das Herz-Kreislauf-System und den Bewegungs- und Stützapparat profitieren alle Menschen. Zusätzlich wirkt sich eine regelmäßige Bewegung aber auch speziell auf den therapeutischen Nutzen im Rahmen einer Typ-2-Diabetes-Therapie aus:

  • Vorübergehende Erhöhung der Insulinempfindlichkeit und Durchbrechen der Insulinresistenz
  • Reduktion von Medikamenten bis hin zu einem Rückgang (Remission) der Diabetes‑Erkrankung bei übergewichtigen und adipösen Patientinnen und Patienten
  • Reduzierung des kardiovaskulären Risikos (Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Verbesserung der Beweglichkeit und der allgemeinen Körperfunktionen
  • Verbesserung von Schlafapnoe und Depression
  • Steigerung der Lebensqualität

Die durch Bewegung hervorgerufenen positiven Effekte sind gleichwertig zu einer medikamentösen Therapie anzusehen – und teilweise sogar effektiver.

Hinweise zur Umsetzung der Basistherapie

Die individuellen Ziele und Maßnahmen der Basistherapie sollten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, auch im Hinblick auf mögliche bereits bestehende Folgeerkrankungen, abgestimmt werden.

Alle Menschen mit Diabetes sollten zudem an einem strukturierten, evaluierten und themenspezifischen Schulungs- und Behandlungsprogramm teilnehmen. Eine Ernährungsberatung, die individuelle Fragen und Bedürfnisse klärt, sollte Teil dieser Schulung und der medizinischen Betreuung sein. Bei der Suche nach einem geeigneten Programm kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt weiterhelfen.

Vor Beginn der Bewegungstherapie sollte nach längeren Phasen ohne Sport oder vor Aufnahme eines Trainings, bzw. einer intensiveren Aktivität eine fachärztliche Untersuchung erfolgen, um Folgeschäden zu vermeiden. Besonders bei Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten (Sulfonylharnstoffe, Glinide) oder dem Spritzen von Insulin ist Vorsicht geboten. Schwere Unterzuckerungen (Hypoglykämien) sollten unbedingt vermieden werden.

 

Quellen:

  1. Esefeld K et al. Diabetes, Sport und Bewegung. Diabetologie und Stoffwechsel 2018, 13 (Suppl 2): S199–S204
  2. Bundesärztekammer (BÄK) et al. Nationale Versorgungsleitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes 2013             (Version 4)
  3. Landgraf R et al. Therapie des Typ-2-Diabetes. Diabetologie 2018; 13 (Suppl 2): S144–S165
  4. Lim EL et al. Reversal of type 2 diabetes: normalisation of beta cell function in association with decreased pancreas and liver triacylglycerol. Diabetologia 2011; 54: 2506-14
  5. Lean ME et al. Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. Lancet 2018; 391: 541-551
  6. Pfeifer K et al. Empfehlungen für Bewegung. In A. Rütten, & K. Pfeifer (Hrsg.), Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung 2016 (S. 17-64). Erlangen-Nürnberg: FAU
  7. Pedersen BK et al. Exercise as medicine – evidence for prescribing exercise as therapy in 26 different chronic diseases. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 2015, 25, 1-72
  8. Thurm U et al. Diabetes- und Sportfibel. 4. Auflage. Mainz: Verlag Kirchheim + Co GmbH 2018
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Klinische Studien