Typ-1-Diabetes

Lebensqualität von Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes und psychischen Auffälligkeiten

Kürzlich haben wir eine Studie aus Deutschland vorgestellt, bei der Heranwachsende mit frühem Krankheitsbeginn des  Typ-1-Diabetes über ihre Lebenssituation befragt wurden. Die internationale Zeitschrift PLoS One hat nun weitere Ergebnisse über die psychische Gesundheit der betroffenen Jugendlichen und den Einfluss auf die Lebensqualität veröffentlicht.

An dieser deutschlandweiten Studie konnten heranwachsende Patienten mit Typ-1-Diabetes teilnehmen, die vor ihrem 5. Geburtstag erkrankt waren und eine Diabetesdauer von mindestens zehn Jahren aufwiesen. Die Wissenschaftler um Dr. Joachim Rosenbauer vom Institut für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf haben hierbei standardisierte Fragebögen ausgewertet, die Jugendliche ausgefüllt und an das DDZ zurückgesandt hatten.

Untersuchung der psychischen Gesundheit und gesundheitsbezogenen Lebensqualität

Für die aktuelle Veröffentlichung wurden Antworten auf spezielle Fragen zur psychischen Gesundheit und gesundheitsbezogenen Lebensqualität ausgewertet. In die Analysen gingen Daten von 629 Patienten mit Typ-1-Diabetes ein. Das Alter der Betroffenen lag zwischen 11 und 17 Jahren. Um die Ergebnisse besser einschätzen zu können, wurde den Betroffenen eine Vergleichsgruppe von 6.813 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ohne Diabeteserkrankung aus der KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) gegenübergestellt.

Die Bewertung der psychischen Gesundheit erfolgte anhand des sogenannten SDQ (Strengths and Difficulties Questionnaire) Fragebogens. Dieser erfasst neben emotionalen Problemen auch Aufmerksamkeitsprobleme, Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen und Verhaltensauffälligkeiten. Für die Beurteilung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zogen die Wissenschaftler den KINDL-R (Revidierter Fragebogen für KINDer und Jugendliche zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität) Fragebogen heran. Hier werden das körperliche Wohlbefinden, das emotionale Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl, das Wohlbefinden in der Familie, das Wohlbefinden in Bezug auf Freunde bzw. Gleichaltrige und das schulische Wohlbefinden abgefragt.

In der vorliegenden Untersuchung lag der Anteil der Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes, die nach eigenen Angaben psychische Auffälligkeiten aufwiesen, bei 4,4 Prozent. In der Vergleichsgruppe ohne Diabetes waren hingegen 2,9 Prozent der Heranwachsenden betroffen. Außerdem hatten psychischen auffällige Jugendliche mit Typ-1-Diabetes eine schlechtere gesundheitsbezogenen Lebensqualität als gleichaltrige psychisch auffällige Jugendliche ohne Diabetes. Dies betraf insbesondere die Aspekte „körperliches Wohlbefinden” und „Wohlbefinden in der Familie”.

Fazit

Die Studie gewährt Einblicke in die emotionale Gesundheit von 11- bis 17-Jährigen, bei denen bereits in der frühen Kindheit ein Typ-1-Diabetes festgestellt wurde. Jugendliche mit Typ-1-Diabetes, die unter psychischen Problemen leiden, empfinden auch ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität als stärker eingeschränkt. Die Autoren der Untersuchung weisen darauf hin, dass bei gefährdeten Patienten eine intensivierte psychologische Betreuung möglichst frühzeitig begonnen werde sollte, um das Aufkommen noch schwerwiegenderer Folgeschäden verhindern zu können.

 

Quelle:
Stahl-Pehe A et al. Mental Health Problems among Adolescents with Early-Onset and Long-Duration Type 1 Diabetes and Their Association with Quality of Life: A Population-Based Survey. PLoS One 2004; 9: e92473

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Klinische Studien