Typ-1-Diabetes

Latenter Autoimmun-Diabetes bei Erwachsenen – häufig als Typ-2-Diabetes verkannt

Erwachsene, die an einem Autoimmun-Diabetes erkrankt sind, werden häufig fälschlicherweise mit Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Das passiert vorwiegen bei einer speziellen Diabetesform, die LADA (Latent Autoimmune Diabetes of the Adult) genannt wird und bei der die Funktion der Insulin-produzierenden Beta-Zellen noch teilweise erhalten ist. Die Betroffenen haben zudem eine höhere Insulinsensitivität als Menschen mit Typ-2-Diabetes. 

Autoimmunität ist eigentlich ein Charakteristikum des meist im Kindes- oder Jugendalter diagnostizierten Typ-1-Diabetes. Jedoch gibt es eine weitere Form dieses Diabetestyps, LADA genannt, bei dem der Körper ebenfalls spezielle Autoantikörper gegen die Beta-Zellen bildet. LADA steht für Latent autoimmune diabetes of the adult, also übersetzt: verzögert auftretender, autoimmun bedingter Diabetes beim Erwachsenen. Da sich der Insulinmangel bei diesen Patienten, Erwachsene über 30 Jahre, relativ langsam entwickelt und fortschreitet, und sie somit zunächst keine Insulintherapie benötigen, wird er leicht mit einem Typ-2-Diabetes verwechselt.

Forscher am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf haben diese wenig bekannte und erforschte Diabetesform genauer unter die Lupe genommen. Das ist wichtig, um Patienten mit dieser Diabetesform bestmöglich zu behandeln. Dazu haben sie im Rahmen der Deutschen Diabetes-Studie drei Patientengruppen mit jeweils 41 Teilnehmern, deren Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes oder LADA vor weniger als einem Jahr diagnostiziert wurde, plus eine im Schnitt gleich alte und gleich große stoffwechselgesunde Kontrollgruppe, untersucht. Anhand eines Glukagon-Tests und eines intravenösen Glukose-Toleranztests haben die Wissenschaftler die Funktion der Insulin-produzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse überprüft. Zudem haben sie die Insulinsensitivität aller Patienten ermittelt.

Als Patienten mit LADA wurden solche eingestuft, die zwar diabetesspezifische Autoantikörper aufwiesen, jedoch älter als 30 Jahre waren und in den ersten sechs Monaten nach der Diabetes-Diagnose keine Insulintherapie erhalten hatten. 33 dieser 41 Patienten (81 Prozent) hatten zunächst fälschlicherweise die Diagnose Typ-2-Diabetes erhalten. Der Body-Mass-Index (BMI) dieser Patienten war im Durchschnitt höher als der von Menschen mit Typ-1-Diabetes, jedoch niedriger als der von Teilnehmern mit Typ-2-Diabetes. Die Insulinproduktion der Beta-Zellen war doppelt so hoch  wie bei Teilnehmern mit Typ-1-Diabetes, jedoch eingeschränkter als bei denjenigen mit Typ-2-Diabetes oder den stoffwechselgesunden Kontrollen. Die Insulinsensitivität war mit den beim Typ-1-Diabetes ermittelten Werten vergleichbar, fiel jedoch um 41 Prozent höher aus als bei Probanden mit Typ-2-Diabetes. Trotz der erst kurzen Diabetes-Dauer von weniger als einem Jahr traten bei zwölf Prozent der Patienten mit LADA bereits mikro- und makrovaskuläre Folgeerkrankungen auf.

Fazit: Spezielle Diabetes Form erfordert maßgeschneiderte Therapie

Hinsichtlich ihrer Symptome sind LADA und Typ-2-Diabetes nicht klar zu unterscheiden. Bei den 41 untersuchten Patienten mit LADA bestand weniger als zwölf Monate nach der Erstdiagnose bereits eine chronische Hyperglykämie (Überzuckerung) und eine Störung der Funktion der Beta-Zellen. Es fehle eine klare Strategie zur Therapie von Menschen mit LADA, hinsichtlich Medikamentengabe und notwendiger Lebensstiländerungen, bemerken die Wissenschaftler am DDZ. Daher müsse diese spezielle Diabetesform und deren Behandlung weiter erforscht werden.

 

Quelle:
Zaharia OP et al. Metabolic Characteristics of Recently Diagnosed Adult-Onset Autoimmune Diabetes Mellitus. J Clin Endocrinol Metab 2018; 103(2):429-437

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Klinische Studien