Typ-2-Diabetes

Langjähriger Diabetes kann auf die Lunge schlagen

Eine Studie in Deutschland belegt, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger an einer einschränkenden Lungenerkrankungen und Vernarbung des Lungengewebes leiden als Menschen ohne Diabetes. Atemnot und Schädigung der Nieren können erste Anzeichen dieser möglichen Spätfolge des Diabetes sein.

Auf den ersten Blick haben Diabetes und Erkrankungen der Lunge nichts gemeinsam. Jedoch wurde bei vielen Menschen, die unter einer interstitiellen Lungenerkrankung leiden, ebenfalls Diabetes diagnostiziert. Bei dieser Erkrankung ist der Übergang von Sauerstoff ins Blut beeinträchtigt und im Verlauf versteift sich das Lungengewebe und schrumpft, was die Atmung erschwert. Ein Forscherteam, unter anderem vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf, hat untersucht, ob ein Zusammenhang dieser beiden Erkrankungen besteht.

Hierzu haben die Wissenschaftler insgesamt 255 Menschen untersucht; 58 ohne Diabetes, 68 mit bereits erhöhten Blutzuckerwerten (Prädiabetes), 29 mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes und 110 Personen, die bereits eine lange Zeit mit ihrer Diabetes-Erkrankung leben. Bei allen Studienteilnehmern wurden Glukosestoffwechsellage, Folgeerkrankungen des Diabetes, Atemnot und Lungenfunktion untersucht.

Es stellte sich heraus, dass Patienten mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes wesentlich häufiger an Atemnot und einer restriktiven Lungenerkrankung, bei der die Atmung eingeschränkt ist, leiden als Menschen ohne Diabetes. Nur knapp drei Prozent der Teilnehmer ohne Diabetes, jedoch 14,5 Prozent der Teilnehmer mit langjährigem Diabetes, berichteten über Atemnot. Eine restriktive Lungenerkrankung lag bei neun Prozent der Teilnehmer mit Prädiabetes, 20 Prozent derer mit neu diagnostiziertem und 27 Prozent der Teilnehmer mit langjährigem Typ-2-Diabetes vor. Gewebeuntersuchungen zeigten, dass Menschen mit Diabetes auch ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Lungenfibrose haben, bei der sich die Bindegewebsfasern in der Lunge vermehren und die Lunge langsam vernarbt. Ein Auslöser dieser Erkrankung kann oxidativer Stress sein, der bei Diabetes-Patienten verstärkt auftritt, erklären die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Respiration. In den internationalen Leitlinien wird Diabetes mellitus bisher nicht als Risikofaktor für Lungenerkrankungen aufgeführt. Ebenso zählten Lungenerkrankungen bislang nicht zu den Folgen eines Diabetes.

Von den untersuchten Diabetes-Folgeerkrankungen zeigte sich, dass insbesondere eine Nierenerkrankung das Risiko einer restriktiven Lungenerkrankung und pulmonaler Fibrose erhöht. Menschen mit Typ-2-Diabetes und dieser Folgeerkrankung sollten daher eine Schädigung der Lunge nicht ausschließen und dieses Organ regelmäßig untersuchen lassen. Gleiches gilt bei häufiger Atemnot, die nicht nur auf eine akute Herzerkrankung, sondern auch auf eine Lungenerkrankung hindeuten kann.

Das Fazit der Studienautoren

Atemnot und einschränkende Lungenerkrankungen können mit Typ-2-Diabetes im Zusammenhang stehen, wobei eine bestehende Nierenerkrankung das Risiko für eine Lungenerkrankung erhöht. Diese mögliche Spätkomplikation des Diabetes sollte daher bei Patienten mit Typ-2-Diabetes häufiger untersucht werden.

 

Quelle:
Kopf S et al. Breathlessness and Restrictive Lung Disease: An Important Diabetes-Related Feature in Patients with Type 2 Diabetes. Respiration (online) 6. Juni 2018
https://doi.org/10.1159/000488909

 

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Klinische Studien