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„Künstliche Bauchspeicheldrüse“ erfolgreich bei Typ-1-Diabetes

Der Einsatz eines Systems, das die Funktion der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) nachahmt, eine sogenannte künstliche Bauchspeicheldrüse, führt bei Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes zu einer besseren Kontrolle der Blutzuckerwerte (Blutglukosewerte) und weniger Unterzuckerungen (Hypoglykämien), auch über Nacht, im Vergleich zu Insulinpumpen-Behandlungen oder mehrmaligen Insulinspritzen am Tag. Das zeigen zahlreiche Studien.

Analyse zahlreicher Vergleichsstudien

Ein künstliches Bauchspeicheldrüsen-System ist ein medizintechnisches Gerät, das selbstständig den Gewebezucker (Glukosespiegel im Unterhautfettgewebe) misst und über eine Insulinpumpe die Insulindosen freisetzt. Es besteht aus einem Sensor, der den Gewebezucker kontinuierlich misst, einer Pumpe, die abhängig vom Zuckerwert Insulin an den Körper abgibt sowie einem Mini-Computer, der die Messdaten des Sensors auswertet und die Pumpe steuert. Solche Systeme werden seit vielen Jahren in Studien erprobt, sind jedoch noch nicht für die Vermarktung zugelassen. Eine Forschungsgruppe aus Griechenland und Großbritannien hat nun bisherige Vergleichsstudien zusammengetragen, die die künstliche Bauchspeicheldrüse mit und ohne Glukagon-Abgabe 2 weiteren Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Typ-1-Diabetes gegenüberstellten: mehrmalige tägliche Insulinspritzen oder eine Insulinpumpe mit kontinuierlicher subkutaner (unter die Haut) Insulinabgabe. Die Forscherinnen und Forscher haben für ihre Übersichtsarbeit 40 zufallsverteilte (randomisierte) kontrollierte Studien herangezogen, in die insgesamt 1.027 ambulante, nicht schwangere Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes eingeschlossen wurden. Primär hat die Studiengruppe untersucht, wie lange die gemessenen Zuckerwerte der Studienteilnehmenden unter ihrer jeweiligen Therapie innerhalb von 24 Stunden im Normbereich von 70-180 mg/dl (3,9-10,0 mmol/l) blieben. Personen, die ein künstliches Bauchspeicheldrüsen-System nutzten, schafften das über 24 Stunden im Schnitt 2,5 Stunden länger als diejenigen, die einer der beiden anderen Therapieformen zugeordnet waren. Vor allem über Nacht waren die Werte, gemessen anhand des Gewebezuckers, deutlich stabiler. Zudem verzeichneten sie weniger starke Ausschläge ihres Gewebezuckers nach oben oder unten. Über 24 Stunden reduzierte die künstliche Bauchspeicheldrüse Überzuckerungen (Hyperglykämien) um 2 Stunden und Unterzuckerungen um 20 Minuten.

Fazit: Künstliche Bauchspeicheldrüsen sind sicher und effektiv

Diese große Analyse zahlreicher Vergleichsstudien zeigt, dass es sich bei der künstlichen Bauchspeicheldrüse um eine sichere und wirksame Therapieoption für ambulante Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes handelt. Die Forschungsgruppe ist der Meinung, dass die Leistung des Systems durch eine Optimierung der einzelnen Komponenten weiter verbessert werden kann.
Allerdings sind weitere Studien notwendig, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis solch kostspieliger Systeme sowie deren mögliche positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen bewerten zu können.

 

Quelle:
Bekiari E et al. Artificial pancreas treatment for outpatients with type 1 diabetes: systematic review and meta-analysis. BMJ 2018; 361:k1310

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Klinische Studien