Meldungen zur Therapie

„Künstliche Bauchspeicheldrüse“ bei Typ-2-Diabetes getestet

Die automatisch gesteuerte Insulinabgabe durch eine  „künstliche Bauchspeicheldrüse“ (Closed­­-Loop-System) verbesserte in einer Krankenhaus-Studie die Blutzuckereinstellung bei Menschen
mit Typ-2-Diabetes.

Für Menschen mit Typ-1-Diabetes liegen bereits vielversprechende Ergebnisse zur Anwendung der sogenannten „künstlichen Bauchspeicheldrüse“ vor. Ärztinnen und Ärzte aus der Schweiz und Großbritannien haben jetzt in einer weiteren Studie gezeigt, dass auch Menschen mit Typ-2-Diabetes von dem neuen Closed-Loop-System profitieren können.

Was ist ein Closed-Loop-System?

Beim Closed-Loop-System handelt es sich um einen „geschlossenen Kreis“, der aus einem Blutzuckersensor (Glukosesensor),  einer Insulinpumpe und einem Kontroll-Algorithmus besteht. Letzterer kann sich zum Beispiel in einem Smartphone befinden oder auch direkt in der Insulinpumpe integriert sein. Der Kontroll-Algorithmus drosselt oder steigert die Insulinzufuhr bedarfsgerecht, je nach aktuellem Blutzuckerwert. Das Closed-Loop-System wird auch als „künstliches Pankreas“ bezeichnet, da der Regelkreis der intakten Bauchspeicheldrüse nachgeahmt wird. Der große Vorteil des Systems liegt in der schnellen Reaktion auf einen veränderten Insulinbedarf.

Studie bei Patientinnen und Patienten im Krankenhaus

Das Forschungsteam um Dr. Lia Bally vom Universitätshospital Bern testete das Closed-Loop-System im Krankenhaus bei 136 Patientinnen und Patienten, die einen Typ-2-Diabetes hatten und Insulin benötigten. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder eine herkömmliche Therapie mit subkutanen Insulininjektionen (Spritzen des Insulins unter die Haut) oder die Blutzuckereinstellung erfolgte über das „künstliche Pankreas“. Über einen Zeitraum von maximal 15 Tagen analysierten Bally und ihr Team unter anderem die Zeiten, in denen die Blutzuckerwerte innerhalb des Zielbereichs von 100-180 mg/dl
(5,6‑10,0 mmol/l) lagen.

Patientinnen und Patienten profitierten vom Closed-Loop-System

In der Studie führt die Insulinabgabe, die über das Closed-Loop-System gesteuert wurde, zu einer deutlich besseren Blutzuckereinstellung als die herkömmliche Insulinbehandlung. So lag der Blutzucker bei Teilnehmenden mit der „künstlichen Bauchspeicheldrüse“ fast 65 % der Beobachtungszeit im Zielbereich. In der Vergleichsgruppe waren es nur 42 % der Beobachtungszeit. Die Blutzuckerwerte lagen im Durchschnitt bei 154 mg/dl (8,5 mmol/l) (Gruppe mit Closed-Loop-System) und 188 mg/dl (10,4 mmol/l) (Kontrollgruppe). Auch der Blutzuckerverlauf zeigte deutlich weniger Schwankungen, wenn das Closed-Loop-System angewendet wurde. Die Häufigkeit von Unterzuckerungen (Hypoglykämien) und die verabreichten Insulinmengen waren in beiden Gruppen ähnlich. Eine signifikante Überzuckerung (Hyperglykämie) oder Vermehrung der Ketonkörper im Blut ist nicht aufgetreten.

Das Fazit des Forschungsteams

Die „künstliche Bauchspeicheldrüse“ (Closed-Loop-System) führte bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zu einer besseren Blutzuckerkontrolle als die Standardinsulintherapie – ohne das Risiko für Unterzuckerungen zu erhöhen. Weitere Untersuchungen zu dieser neuen Technologie werden mit Spannung erwartet.

 

Quelle:
Bally L et al. Closed-Loop Insulin Delivery for Glycemic Control in Noncritical Care. N Engl J Med 2018; 379: 547-556.

Tags
Mehr
Klinische Studien