Epidemiologie

Kosten von Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes

Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München haben die jährlichen Ausgaben der Krankenkassen für Diabetes-Folgeerkrankungen berechnet. Die Studie zeigt, wie wichtig die frühzeitige Erkennung und Behandlung der Erkrankung ist.

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leben mit Typ-2-Diabetes, eine Erkrankung, die häufig durch eine ungesunde Lebensweise, d.h. Übergewicht, zu wenig körperliche Aktivität und wenig ballaststoffreiche und pflanzliche Ernährung, entsteht. Bei vielen Menschen mit Typ-2-Diabetes treten durch die zu hohen Blutzuckerwerte Folgeschäden von Organen und Gefäßen auf, unter anderem Herz-Kreislauf-, Nieren-, Augen- und Fußerkrankungen. Das passiert auch, weil viele Menschen nichts von ihrer Diabetes-Erkrankung wissen und daher zu spät einen Arzt aufsuchen.

Inwieweit diese Folgeerkrankungen das Gesundheitssystem in Deutschland belasten, haben Forscher am Helmholtz Zentrum München, ein Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, ausgewertet. Hierfür wurden bundesweite Routinedaten der Techniker Krankenkasse, eine der größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland mit mehr als 300.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes aus den Jahren 2013 bis 2015 herangezogen. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlicht. Es wurden die Kosten für Krankenhausaufenthalte, ambulante Versorgung, Medikamente, Rehabilitationsmaßnahmen, nichtmedizinische Hilfsmittel und Geräte berechnet. Zum einen wurden die kurzfristigen Kosten ermittelt, die in einem Quartal erstmalig auftraten. Zum anderen wurden die Folgekosten der Komplikationen ermittelt. Alle Auswertungen erfolgten alters- und geschlechtsspezifisch.

Die Analyse ergab, dass die durchschnittlichen Kosten pro Person von 4.688€ in 2013 um 5,6% auf 4.949 € in 2015 angestiegen sind. Die meisten Kosten entfielen auf die Krankenhausbehandlung (42%), Medikamente (27%) und ambulante Versorgung (20%).

Folgendes Beispiel zeigt die Kosten bei einem 60- bis 69-jährigen Mann mit erstmalig aufgetretenen Komplikationen in einem Quartal:

Folgeerkrankung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes Kosten (in Euro)
Diabetisches Fuß-Syndrom 1.293
Amputation 14.284
Retinopathie 671
Erblindung 2.933
Nephropathie 3.353
Nierenversagen (Dialyse) 22.691
Schlaganfall (nicht tödlich) 9.769
Schlaganfall (tödlich) 11.176
Herzinfarkt (nicht tödlich) 8.035
Herzinfarkt (tödlich) 8.700
Ischämische Herzerkrankung (nicht tödlich) 6.548
Ischämische Herzerkrankung (tödlich) 20.942
Chronische Herzinsuffizienz 3.912

Im ersten Jahr nach der Komplikation entstanden pro Quartal durchschnittliche Folgekosten zwischen 618 Euro bei einem Augenleiden (Retinopathie) und 6.130 Euro bei Nierenversagen. Die Kosten von Frauen und Männern unterschieden sich hinsichtlich der Komplikationen und der Altersgruppe, in der die Komplikationen auftraten.

Fazit: Gutes Diabetes-Management spart hohe Folgekosten

Die große Diabetes-Folgekosten-Studie zeigt, dass die Ausgaben für Diabetes-Folgeerkrankungen eine große Belastung für das Gesundheitssystem in Deutschland darstellen. Dabei sind die Kosten nicht nur in dem Quartal erhöht, in dem eine Komplikation erstmals auftritt, sondern verursachen auch erhöhte Kosten in den Folgejahren. Die Ergebnisse der Studie können helfen, die Prävention und Versorgung von Diabeteskomplikationen weiter zu verbessern, so die Bilanz der Wissenschaftler.

 

Quellen:
Kähm K et al. Health Care Costs Associated With Incident Complications in Patients With Type 2 Diabetes in Germany. Diabetes Care (online) 18. Januar 2018. https://doi.org/10.2337/dc17-1763

Tamayo T et al. Prävalenz und Inzidenz von Diabetes mellitus in Deutschland. Deutsches Ärzteblatt 2016; 113:11

Tags
Mehr
Klinische Studien