Epidemiologie

Kosten des Typ-2-Diabetes

Mit der stetigen Zunahme von Menschen mit Diabetes steigen auch die Ausgaben für das Gesundheitssystem weiter an. International werden im Gesundheitssystem etwa 12 % der Gesamtausgaben für den Diabetes und dessen Folgeerkrankungen aufgewendet. Aufgrund mangelnder kassenübergreifender Daten wurden Kostenberechnungen zum Diabetes aus Sicht der Krankenversicherten in Deutschland zuvor auf Grundlage der Daten einzelner großer Krankenkassen durchgeführt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) konnten die Kosten der gesetzlich krankenversicherten Personen in Deutschland mit und ohne Typ-2-Diabetes in den Jahren 2009 und 2010 auf Basis einer repräsentativen Stichprobe (6,8 %) aller in Deutschland gesetzlich krankenversicherten Personen (4,3 Millionen gesetzlich Versicherte) berechnen.  Die Ergebnisse zeigen, dass sich die mittleren jährlichen Pro-Kopf-Kosten eines Menschen mit Typ-2-Diabetes 2009 auf 4.957 € und 2010 auf 5.146 € beliefen. Die Gesamtkosten für die Behandlung eines Versicherten mit Typ-2-Diabetes waren alters- und geschlechtsstandardisiert in 2009 und 2010 um das 1,7-fache gegenüber den Kosten eines Versicherten ohne Diabetes erhöht.

Erste krankenkassenübergreifende Analyse der Pro-Kopf-Kosten auf Basis von Routinedaten aller gesetzlich Krankenversicherten Deutschlands

Die Auswertung des DDZ wurde durch die im Jahr 2011 neu definierten Vorschriften für die Datentransparenz ermöglicht. In diesen ist festgelegt, dass Routineversorgungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung dem Deutschen Institut für Dokumentation und Information (DIMDI) übermittelt und für Versorgungsanalysen genutzt werden dürfen. Ausgewertet wurden die alters- und geschlechtsspezifischen Kosten pro Kopf, die bei gesetzlich Versicherten mit Typ-2-Diabetes und bei Versicherten ohne Diabetes in den Jahren 2009 und 2010 angefallen sind.

Die betrachteten Kosten beinhalten die Leistungsausgaben für Besuche von (Zahn-)Ärztinnen und -Ärzten, Arzneimittel, Krankenhäuser, Krankengelder und sonstige Leistungsausgaben (unter anderem Heil- und Hilfsmittel, Aufwendungen für Leistungen im Ausland, Prävention und Selbsthilfe). Die Kosten der Versicherten wurden als durchschnittliche Kosten pro Kopf berechnet. Die Kostenverhältnisse wurden unter Einbezug der deutschen Bevölkerungspyramide des Jahres 2010 alters- und geschlechtsstandardisiert verglichen. Der populationsattributable Anteil, d. h. der Anteil der Kosten, welcher der Behandlung von Menschen mit Typ-2-Diabetes zuzuschreiben ist, wurde mittels dem Kostenverhältnis und der Prävalenz des Typ-2-Diabetes berechnet.

Ergebnis: Jeder 10. € entfällt auf die Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland

Die größten Unterschiede der Versichertenpopulation hinsichtlich der standardisierten relativen Kosten zeigten sich in den Kosten für Arzneimittel (2,2-faches relatives Verhältnis von Menschen mit Typ-2-Diabetes zu Menschen ohne Diabetes) und bei Krankenhausbehandlungen (1,8-fache). Insgesamt entfielen in den beiden Vergleichsjahren 10 % der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auf die Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Dies entspricht auf Basis der Gesamtausgaben von 142 Milliarden € Aufwendungen in Höhe von etwa 14,3 Milliarden €. Der Kostenanteil der Männer war gegenüber Frauen in beiden Jahren leicht erhöht (Männer: 11,3 %, 11,7 %; Frauen 9,6 % und 9,8 %, jeweils getrennt für die Jahre 2009 und 2010).

Diese Analyse zeigt erstmals krankenkassenübergreifende direkte Pro-Kopf-Kosten, Kostenverhältnisse und den zurechenbaren Kostenanteil der Versicherten mit Typ-2-Diabetes im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes. Zukünftig erscheint es sinnvoll, die für versorgungsrelevante Analysen bereitgestellten Daten des DIMDI zu nutzen, um einen umfassenden Überblick über die Kostenstrukturen des Typ-2-Diabetes zu erhalten und Trends in der Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes zu bestimmen.

 

Quelle:
Jacobs E et al. Healthcare costs of Type 2 diabetes in Germany. Diabetic Medicine 2017; 34: 855-861

Tags
Mehr
Klinische Studien