Typ-1-Diabetes

Komplikationsrisiko bei Typ-1-Diabetes steigt 10 Jahre nach Krankheitsbeginn

Menschen, die seit ihrer frühen Kindheit an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, drohen schon als junge Erwachsene gefährliche Augen- oder Nierenerkrankungen, die im Endstadium zu Erblindung und chronischem Nierenversagen führen können. Eine fast normnahe Blutzuckereinstellung und ein gesunder Lebensstil können das Komplikationsrisiko mindern.

Schädigungen der Netzhaut am Auge (Retinopathien) und Erkrankungen der Niere (Nephropathien) gehören zu den häufigsten Komplikationen an den kleineren Blutgefäßen (mikrovaskuläre Komplikationen) eines
Typ-1-Diabetes. Ab wann diese Folgeerkrankungen und bestimmte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen auftreten, die bereits früh in ihrer Kindheit an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf untersucht. Von 2009-2016 haben Thaddäus Tönnies und ein Studienteam die Risiken von diabetischen Schädigungen der Netzhaut im Auge, diabetischen Nierenschädigungen, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen in 3 Querschnittsstudien, 2009/10, 2012/13 und 2015/16, untersucht. Teilgenommen an der Studie haben insgesamt 1.789 Patientinnen und Patienten aus einem deutschlandweiten Register, in dem 97 % aller Menschen mit frühzeitig diagnostiziertem Typ-1-Diabetes erfasst sind. Bei allen Studienteilnehmenden war die Erkrankung vor dem 5. Lebensjahr entdeckt worden. Des Weiteren hat das Studienteam erörtert, inwiefern das Auftreten der Komplikationen mit unterschiedlichen Einflussfaktoren, Blutzuckerkontrolle, gesundheitlicher Versorgung, sozio-ökonomischem Status und Lebensstil, in Zusammenhang stand. Dazu füllten alle Teilnehmenden in ihrem jeweiligen Untersuchungszeitraum Fragebögen aus.

Ergebnisse der Studie

Mit der Diagnose „Typ-1-Diabetes“ lebten die Studienteilnehmenden im Durchschnitt seit beinahe 12,5 Jahren. Die kürzeste Diabetes-Dauer betrug fast 10, die längste mehr als 17,5 Jahre. Im Schnitt waren die Studienteilnehmenden zum Zeitpunkt der Untersuchung 15,4 Jahre alt (von 11-22 Jahre). Bis zu einer Diabetes-Dauer von 14 Jahren bestanden keine Risiken für diabetische Netzhautschädigungen im Auge und diabetische Nierenschädigungen. Danach stieg die Gefahr einer solchen Komplikation in den kleineren Blutgefäßen (mikrovaskulär), insbesondere einer Erkrankung der Netzhaut. Im Gegensatz dazu nahmen die Herz-Kreislauf-Risiken – Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen – schon im 10. Jahr nach der Erstdiagnose des Diabetes zu.

Insgesamt betrug das Risiko für eine der beiden untersuchten Folgeerkrankungen oder eines der beiden Herz-Kreislauf-Risiken bei Männern circa 19 % und bei Frauen ungefähr 23 % 15 Jahre nach der Diagnose
Typ-1-Diabetes. Über die 7-jährige Beobachtungszeit war das Komplikationsrisiko insgesamt gefallen, wahrscheinlich aufgrund von Verbesserungen in der Diabetes-Versorgung, vermuteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter am DDZ. Ein hoher Body-Mass-Index (BMI), also Übergewicht, war im Vergleich zu einem niedrigen BMI mit einem doppelt so hohen Komplikationsrisiko verbunden. Ebenso gingen eine schlechte Blutzuckerkontrolle, gekennzeichnet durch einen hohen Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert), sowie ein niedriger sozio-ökonomischer Status und wenig Bewegung mit einem höheren Risiko für Folgeerkrankungen einher. Die Teilnahme an einem strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm (DMP)) hatte dagegen keinen Einfluss auf das Auftreten von Folgeerkrankungen eines Typ-1-Diabetes.

Fazit: Jugendliche bereits gefährdet – früh gegensteuern

Schon als Jugendlichen und jungen Erwachsenen drohen Menschen, die schon vor der Schulzeit an
Typ-1-Diabetes erkranken, gefährliche Folgeerkrankungen, wie die aktuelle Studie am DDZ zeigt. Daher ist es für diese Menschen wichtig, rechtzeitig Vorbeugungsmaßnahmen (Prävention) zu ergreifen. Lebensstil und Blutzuckerkontrolle können sich auf die Komplikationsrate auswirken. Daher gilt: Wer sich regelmäßig bewegt, sein Gewicht kontrolliert und stabile Blutzuckerwerte aufweist, ist länger vor Folgeerkrankungen geschützt.

 

Quelle:
Tönnies T et al. Risk of Microvascular Complications and Macrovascular Risk Factors in Early-Onset Typ-1-Diabetes after at least 10 Years Duration: An Analysis of Three Population-Based Cross-Sectional Surveys in Germany between 2009 and 2016. International Journal of Endocrinology 2018; vol. 2018: 7806980.

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Klinische Studien