Nerven

Körperliche Aktivität wirkt diabetischen Nervenerkrankungen entgegen

Wer von einem Typ-2-Diabetes betroffen ist, profitiert besonders von regelmäßiger körperlicher Bewegung: Neben Blutzuckerwerten (Blutglukosewerten), Fettstoffwechsel und Stimmungslage verbessert sich auch die Nervenfunktion.

Viele Menschen mit Diabetes leiden unter Nervenschäden

Nervenschäden (diabetische Neuropathie) gehören zu den häufigsten Komplikationen bei Typ-2-Diabetes. Bei vielen Menschen mit Diabetes führen diese Nervenschäden zu erheblichen Beeinträchtigungen. Dabei können sich Nervenschäden bereits früh entwickeln: Es gibt Hinweise, dass die Nervenfunktion oft schon bei nur leicht dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten (Prädiabetes) eingeschränkt ist. Während bei Typ-1-Diabetes eine gute Blutzuckereinstellung den Beginn diabetischer Nervenschäden aufhalten kann, ist es bei Typ-2-Diabetes deutlich schwieriger, Nervenschäden vorzubeugen. Es gibt aber Hinweise, dass regelmäßige körperliche Bewegung neben vielen weiteren positiven Effekten auch die Nervenfunktion verbessern kann. Inwiefern dies zutrifft und welche Art von Training sich am ehesten dazu eignet, hat ein Wissenschaftsteam aus Australien untersucht und dafür aktuelle Studien zusammengetragen und verglichen.

Dem Zusammenhang zwischen Sport und Nervenfunktion auf der Spur

Für ihre Analysen werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Ergebnisse aus insgesamt 12 Studien aus: 11 Studien wurden bei Personen mit Typ-2-Diabetes und eine Studie bei Personen mit Prädiabetes durchgeführt. In den Studien hatten sich die Teilnehmenden unterschiedlichen Trainingsarten- und Trainingsintensitäten unterzogen. In 8 Studien wurden Sportarten mit niedriger bis mittlerer Intensität durchgeführt, z. B. Gehen auf dem Laufband, Yoga oder leichte Fitnessübungen Zuhause, teilweise begleitet durch eine Anpassung der Ernährung. Zwei Studien umfassten ein Fitnesstraining mittlerer Intensität und in einer Studie kamen ausschließlich Gleichgewichtsübungen zur Anwendung.

Die Trainingsdauer, die beobachtet wurde, war in den Studien ebenfalls unterschiedlich und lag zwischen 3 Wochen und 1 Jahr. Meistens wurde 2- bis 3-mal pro Woche trainiert, mit Sitzungen von jeweils 30 Minuten bis hin zu 2 Stunden.

Regelmäßiges körperliches Training wirkt sich positiv aus

In 11 Studien hatte das Bewegungstraining einen deutlichen positiven Einfluss auf die Nervenfunktion oder auf die auftretenden Beschwerden durch die Nervenschädigungen. Einzig die Studie, in der 3 Wochen lang ausschließlich Gleichgewichtsübungen durchgeführt wurden, zeigte keinen Effekt auf die Nervenfunktion. Allerdings können Gleichgewichts- und Widerstandsübungen eine mögliche Gleichgewichtsstörung verbessern, die häufig mit einer diabetischen Nervenerkrankung verbunden ist. Sie sind daher ebenfalls für Übungsprogramme bei Typ-2-Diabetes geeignet.

Das Fazit der Studiengruppe

Regelmäßiges körperliches Training kann die Nervenfunktion bei Typ-2-Diabetes oder schon bei Prädiabetes positiv beeinflussen. Dieses Ergebnis deckt sich mit bisherigen Empfehlungen, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes mindestens jeden 2. Tag Sport treiben sollten. Ziel ist es, regelmäßig mindestens 150 Minuten pro Woche ein körperliches Training bei mittlerer Intensität zu absolvieren.


Quelle:

Gu Y et al. Aerobic exercise training may improve nerve function in type 2 diabetes and pre-diabetes: A systematic review. Diabetes Metab Res Rev 2019; 35:e3099

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Klinische Studien