Typ-1-Diabetes

Kinder von Frauen mit Typ-1-Diabetes neigen häufiger zu Übergewicht

Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes neigen häufiger zu Übergewicht als Kinder von stoffwechselgesunden Müttern. Das bestätigt eine Untersuchung aus Deutschland.

Es ist bekannt, dass sich das Typ-1-Diabetesrisiko für ein Kind erhöht, wenn ein Verwandter ersten Grades (z. B. ein Elternteil) ebenfalls von dieser Stoffwechselerkrankung betroffen ist. Offenbar gibt es hier eine erbliche Vorbelastung.

Darüber hinaus häufen sich in den letzten Jahren Hinweise aus Studien, dass Kinder von Eltern mit Typ-1-Diabetes auch häufiger übergewichtig sind. Als eine mögliche Ursache wird vermutet, dass die zeitweise hohen Blutglukosespiegel im Mutterleib langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben können und ein späteres metabolisches Syndrom begünstigen.

Wann liegt ein Metabolisches Syndrom vor?

Nach aktueller Definition der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) spricht man von einem Metabolischen Syndrom, wenn Übergewicht im Bauchbereich besteht und mindestens 2 weitere der folgenden Störungen/Bedingungen vorliegen:

  1. Erhöhte Triglyzeridwerte (mindestens 150 mg/dl bzw. 1,7 mmol/l) bzw. eine bereits eingeleitete Behandlung zur Absenkung der Triglyzeride.
  2. Zu niedriges HDL-Cholesterin (Männer: weniger als 40 mg/dl bzw. 1,03 mmol/l; Frauen: weniger als 50 mg/dl bzw. 1,29 mmol/l) bzw. eine bereits eingeleitete Therapie zur Anhebung des HDL-Cholesterins.
  3. Bluthochdruck (systolisch mehr als 130 mmHg oder diastolisch mehr als 85 mmHg) bzw. eine bereits behandelte Hypertonie.
  4. Erhöhte Nüchtern-Blutglukosespiegel (mehr als 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l) oder ein bereits diagnostizierter Typ-2-Diabetes.

Ab wann ein Übergewicht im Bauchbereich vorliegt, hängt von der ethnischen Abstammung ab. Bei Europäern ist Übergewicht im Bauchbereich definiert als Bauchumfang von mehr als 94 cm bei Männern bzw. mehr als 80 cm bei Frauen

Fast 2.800 Kinder in Deutschland untersucht

Die Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen Typ-1-Diabetes der Mutter und Neigung zu Übergewicht bei den Kindern untersuchten Wissenschaftler aus Deutschland genauer. Hierfür werteten sie Daten aus drei großen nationalen Studien: TEENDIAB (Studie zur Entstehung des Diabetes während und nach der Pubertät), BABYDIAB (Studie zur Entstehung von Inselautoimmunität und Typ-1-Diabetes bei Kindern) und BABYDIÄT (Studie zur Verhinderung des Typ-1-Diabetes bei Kindern durch eine Ernährungsintervention im 1. Lebensjahr) aus. In den Studien wurden fast 2.800 Kinder bis zum 18. Lebensjahr untersucht, die einen erstgradigen Verwandten mit Typ-1-Diabetes haben (z. B. Mutter, Vater oder Geschwister).

Risiko für Übergewicht und Insulinresistenz ist erhöht

Die Auswertung der drei Studien bestätigt, dass bei Nachkommen von Müttern mit Typ-1-Diabetes das Risiko für späteres Übergewicht, erhöhte Nüchtern-Blutglukosewerte und Insulinresistenz erhöht ist: Kinder, deren Mütter vor der Schwangerschaft an Typ-1-Diabetes erkrankt waren, hatten im Durchschnitt einen deutlich höheren Body Mass Index (BMI) als Kinder von stoffwechselgesunden Müttern. Das erhöhte Risiko zeigte sich unabhängig vom Geburtsgewicht des Kindes.

Das Fazit der Studienautoren

Mütterlicher Typ-1-Diabetes kann das Risiko für Übergewicht und Insulinresistenz für Nachkommen erhöhen – und mit entsprechenden Folgeerkrankungen einhergehen. Dies ist vor allem auch für Kinder- und Jugendmediziner eine wichtige Erkenntnis und sollte bei der Betreuung der Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes berücksichtigt werden.

 

Quelle:
Pitchika A et al. Associations of maternal type 1 diabetes with childhood adiposity and metabolic health in the offspring: a prospective cohort study. Diabetologia 2018; doi: 10.1007/s00125-018-4688-x.

International Diabetes Federation. The IDF consensus worldwide definition of the metabolic syndrome. 2006

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Klinische Studien