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Intelligente Insulinpumpe lohnt sich bei Typ-1-Diabetes mit schlechter Blutzuckerkontrolle

Ein teures Pumpen-System mit Sensorunterstützung zur kontinuierlichen Glukosemessung erwies sich in einer schwedischen Kosten-Nutzen-Analyse als rentabel für Menschen mit Typ-1-Diabetes, die entweder ein hohes Risiko für Hypoglykämien oder einen zu hohen HbA1c-Wert hatten.

Insulinpumpen, die Hypoglykämien erkennen und sofort behandeln können, sind ein weiterer Schritt in Richtung einer künstlichen Bauchspeicheldrüse. Diese tragbaren Pumpen sind mit einem Sensor ausgestattet, der den Glukosegehalt im Blut kontinuierlich misst und den Insulinbedarf erkennt. Mittels eines Transmitters werden die Werte über Funk an die Pumpe übertragen und diese kann die benötigte Insulinmenge automatisch abgeben. Inwiefern sich diese intelligenten, aber im Vergleich zu Pumpen ohne Sensorunterstützung kostspieligen Systeme für Menschen mit Typ-1-Diabetes wirklich lohnen, haben schwedische Wissenschaftler in einer aufwändigen Kosten-Nutzen-Analyse untersucht.

Kosten versus Lebensqualität

Getestet wurde die MiniMed 640G Insulinpumpe der Schweizer Medizintechnik-Firma Medtronic mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM), gegenüber einer in der Anschaffung und Nutzung günstigeren Insulinpumpe mit kontinuierlicher subkutaner Insulinabgabe, aber ohne Sensor. Der Hersteller Medtronic war auch Sponsor der Studie. Bei der Kosteneffektivitätsanalyse ging es den Wissenschaftlern um die direkten und indirekten Kosten der beiden Pumpen-Systeme mit und ohne Sensorunterstützung über die Lebenszeit der Patienten, im Verhältnis zur qualitätsgebundenen Lebenserwartung und zu Komplikationen infolge des Diabetes sowie damit verbundenen Kosten. Untersucht wurde die Kosteneffizienz der Pumpen in zwei Kollektiven mit Typ-1-Diabetes: Patienten, deren Blutzucker unzureichend kontrolliert wurde und Patienten mit hohem Risiko für Hypoglykämien.

Wurden die Listenpreise der Geräte, die pro Jahr verbrauchten Sensoren (n=49) sowie die Kosten für Sensor, Teststreifen zur Bestimmung der Glukose, Lanzetten und Batterien addiert, ergaben sich direkte jährliche Mehrkosten des Sensor-unterstützten Systems von circa 2.400 Euro. Bei den Patienten mit hohem Risiko für Hypoglykämien ergaben sich somit über die gesamte Lebenszeit der Studienteilnehmer zwar höhere direkte Kosten; dafür aber stiegen sowohl Lebenszeit als auch -qualität. Auch interessant: Mit dem sensorgebundenen System ergaben sich geringere indirekte Kosten. Das hing wahrscheinlich damit zusammen, dass Patienten durch diese Systeme seltener im Job fehlten und der Diabetes insgesamt weniger und im Vergleich zu der Gruppe, die eine Pumpe ohne Sensorunterstützung nutzte, etwas später im Leben Komplikationen verursachte, schreiben die schwedischen Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Diabetes Therapy. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen sie bei der Untersuchung der Patienten, die einen zu hohen HbA1c-Wert (im Schnitt 7,92%) und damit eine schlechte Blutzuckerkontrolle aufwiesen.

Fazit: „Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“

Die Studie hat gezeigt, dass Patienten mit Typ-1-Diabetes mit schlechter Blutzuckerkontrolle und häufigen Hypoglykämien von komplexen Pumpsystemen, die mit einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung ausgestattet sind, profitieren. Die schwedische Studiengruppe bescheinigt den Systemen für diese beiden Patientengruppen daher ein „gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“. Menschen, die dieses System nutzen, können mit einer besseren Blutzuckerkontrolle und weniger Hypoglykämien und damit einer höheren Lebenserwartung und besserer Lebensqualität als mit einer herkömmlichen Pumpe ohne Sensor rechnen, schreiben sie.

 

Quelle:
Jendle J et al. Cost-Effectiveness Analysis of Sensor-Augmented Insulin Pump Therapy with Automated Insulin Suspension Versus Standard Insulin Pump Therapy in Patient with Type 1 Diabetes in Sweden. Diabetes Ther 2017; 8: 1015-1030

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Klinische Studien