Ursachen / Risikofaktoren

Insulinresistenz als Hauptursache von Typ-2-Diabetes

Eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes spielt die Insulinresistenz. Bei dieser Vorstufe der Erkrankung spricht das Körpergewebe – vor allem in Muskeln, Leber und Fettgeweben – nicht mehr ausreichend auf das Hormon Insulin an. Das Insulin kann dann nicht mehr effektiv dafür sorgen, dass Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Körperzellen transportiert wird. Die Folgen: Der Blutzuckerspiegel steigt langsam an, die Bauchspeicheldrüse produziert immer mehr Insulin. Schließlich erschöpft sie sich und versagt ihren Dienst.

Folgen einer unerkannten Insulinresistenz

Zwischen dem Auftreten einer Insulinresistenz und der Entwicklung hoher Blutzuckerspiegel liegt oft ein zeitlicher Abstand von mehreren Jahren bis Jahrzehnten. In dieser Phase kommt es anfangs nur zu sehr milden, für die Betroffenen oft nicht wahrnehmbaren Veränderungen bestimmter Stoffwechselfunktionen. Dennoch können verschiedene Organsysteme bereits Schädigungen davontragen. Studien belegen, dass bei 20-40 % der Patientinnen und Patienten zum Zeitpunkt der Diabetes-Typ-2-Diagnose bereits Folgeschäden an Blutgefäßen, Nerven oder Nieren vorliegen.

Insulinresistenz erhöht neben dem Risiko für Typ-2-Diabetes auch die Risiken für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht. Liegen diese Erkrankungen bei Betroffenen gleichzeitig vor, wird dies als „metabolisches Syndrom“ bezeichnet. Die beginnende, noch nicht diagnostizierte Erkrankung stellt also schon im frühen Stadium der Insulinresistenz ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.

Wird die Insulinresistenz jedoch frühzeitig erkannt, bestehen gute Chancen, Folgeschäden zu verhindern und sogar der Manifestation des Diabetes entgegen zu wirken.

Einfluss der Lebensgewohnheiten

Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes in hohem Maße erblich sind, doch kann eine Insulinresistenz auch ohne erbliche Vorbelastung erworben werden. Bestimmte Lebensgewohnheiten begünstigen ihre Entstehung. Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung sind wichtige Risikofaktoren:
Etwa 80 % aller neu diagnostizierten Menschen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig.

Wie genau Fettleibigkeit und Bewegungsmangel zur Verstärkung der Insulinresistenz führen, ist noch nicht abschließend geklärt. Möglich wäre z. B. eine veränderte Freisetzung von Botenstoffen aus dem Fettgewebe. Mangelnde körperliche Bewegung begünstigt einerseits eine weitere Gewichtszunahme, andererseits bewirkt die mangelnde Muskelarbeit eine abgeschwächte Insulinwirkung an der Muskelzelle und damit insgesamt ein Fortschreiten der Insulinresistenz.

Betroffene können viel tun

Durch mehr Bewegung und Gewichtsabnahme können Betroffene ihre Insulinresistenz positiv beeinflussen. Eine Studie aus Finnland belegt beispielsweise, dass bei Übergewichtigen bereits eine moderate Gewichtsabnahme von 3,5 kg und regelmäßiges körperliches Training von ca. 30 Minuten täglich zu einer deutlichen Verbesserung der Insulinresistenz führen. Bei einem Großteil der Betroffenen konnte der Ausbruch des Typ-2-Diabetes über einen Beobachtungszeitraum von 4 Jahren sogar verhindert werden.

Die Insulinresistenz muss kein dauerhafter Zustand sein und auch nicht zwangsläufig zum Typ-2-Diabetes führen. Ärztliche Betreuung, Ernährungsumstellung sowie ein individuell angepasster Trainingsplan helfen, hier gezielt gegen zu steuern.

Vorgänge an den Körperzellen

Die wichtigste Aufgabe des Insulins ist die Senkung des Blutzuckerspiegels. Das Hormon regt verschiedene Zellen zur Aufnahme von Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut an. Die Zellen wiederum benötigen den Zucker als Energielieferant.

Normalerweise erkennt die Zelle das im Blut zirkulierende Insulin über ein besonderes Eiweißmolekül an der Zelloberfläche – den Insulinrezeptor. Das Insulin bindet an den Rezeptor und löst dadurch ein Signal an der Zelloberfläche aus. Verschiedene Vorgänge folgen aufeinander, bis schließlich ein besonderer Komplex, der sogenannte Glukosetransporter, vom Zellinneren an die Oberfläche gebracht wird. Der Transporter ermöglicht den Eintritt von Zucker in die Zelle. Bei einer Insulinresistenz sind die beschriebenen Prozesse gestört.

Quelle:
International Diabetes Federation. The IDF consensus worldwide definition of the metabolic syndrome. 2006

Steinberger J et al. Obesity, insulin resistance, diabetes, and cardiovascular risk in children. Circulation 2003; 107: 1448-1453

Tuomilehto J et al. Prevention of type 2 diabetes mellitus by changes in lifestyle among subjects with impaired glucose tolerance. N Engl J Med 2001; 344(18): 1343-1350

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Klinische Studien