Grundlagen der Therapie

Insuline für die Behandlung von Diabetes mellitus

Die Insulinbehandlung ist eine lebensrettende Hormonersatztherapie, die bei Typ-1-Diabetes unerlässlich und lebenslang beizubehalten ist. Auch bei einem über Jahre bestehenden Typ-2-Diabetes ist eine Insulintherapie häufig notwendig, wenn eine Veränderung des Lebensstils oder medikamentöse Maßnahmen nicht mehr zum gewünschten Therapieerfolg führen. Ohne Insulin kann der Zucker nicht aus dem Blut aufgenommen werden. Das Hormon Insulin wird in den Beta-Zellen der Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet. Es reguliert die Glukoseaufnahme aus dem Blut in die Körperzellen und senkt dadurch den Blutzuckerspiegel.

1921 gelang es Frederick Banting und Charles Best erstmals Insulin aus Pankreasgewebe zu gewinnen. Nachfolgend wurde Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Rindern und Schweinen zur Diabetestherapie verwendet. Seit 1982 ist es möglich, durch gentechnisch veränderte Bakterien und Hefepilze Insulin herzustellen, das wie menschliches Insulin aufgebaut ist (Humaninsulin). Neben dem Humaninsulin sind heutzutage auch künstliche Insuline, sogenannte Insulinanaloga, verfügbar. Sie entstehen durch den Austausch und/oder die Veränderung bestimmter Bausteine des Insulins, wodurch sich der Wirkungszeitpunkt und die Wirkungsdauer variieren lassen. Dadurch ermöglichen sie eine bessere Steuerbarkeit der Insulintherapie.

Die unterschiedlichen Insulinarten können anhand ihrer Wirksamkeit in vier Gruppen unterteilt werden:

  • Sehr kurz wirksame Insulinanaloga:
    Insulin glulisin (Apidra®), Insulin lispro (Humalog®/ Liprolog®) und Insulin aspart (NovoRapid®) sind sehr schnell wirkende Insulinanaloga mit einem Wirkungsbeginn nach fünf bis 15 Minuten. Die Wirkdauer ist dosisabhängig drei bis maximal fünf Stunden lang mit einem Wirkungsmaximum nach ein bis drei Stunden.
  • Kurzwirksames Normalinsulin:
    Normalinsulin (Berlinsulin H Normal®, Insulin B. Braun Rapid®, Huminsulin Normal®, Actrapid HM®, Insuman Rapid®), ist ein schnell wirkendes Humaninsulin, dessen Wirkung nach etwa 30 Minuten einsetzt und sieben bis acht Stunden andauert. Die Wirkungsdauer des Normalinsulins ist dosisabhängig: je mehr Insulin gespritzt wird, desto länger wirkt es.
    Sein Wirkungsmaximum entfaltet das Normalinsulin nach etwa eineinhalb bis dreieinhalb Stunden.
  • Langwirksames NPH-Verzögerungsinsulin:
    NPH-Verzögerungsinsuline (Berlinsulin H Basal®, Huminsulin Basal®, Insulatard Human®, Insulin B. Braun Basal®, Protaphane HM®, Insuman Basal®) haben eine längere Wirkungsdauer, da das Insulin an den Verzögerungsstoff Neutrales Protamin Hagedorn (NPH) gebunden ist. Sie entfalten ihre Wirkung 30 bis 60 Minuten nach der Injektion. Das Wirkungsmaximum liegt bei vier bis sechs Stunden, die Wirkdauer je nach Dosierung bei acht bis 14 Stunden.
  • Lang und sehr lang wirksame Insulinanaloga:
    Das lang wirksame Insulinanalogon Detemir (Levemir®) und die sehr lang wirksamen Insulinanaloga Glargin (Lantus®) und Glargin U 300 (Toujeo®) zeigen einen Wirkungsbeginn etwa eine halbe bis eine Stunde nach der Injektion. Sie haben eine flache Wirkungskurve, die bis zu 24 Stunden anhalten kann.

NPH-Verzögerungsinsulin und lang/sehr lang wirksame Insulinanaloga sind Basalinsuline und werden verwendet, um den Grundbedarf des Körpers an Insulin abzudecken. Normalinsuline und sehr kurz wirksame Insulinanaloga werden zusätzlich als Bolusinsulin zu den Mahlzeiten gespritzt.

Mischinsuline

Neben den verschiedenen Basal- und Bolusinsulinen sind auch Mischinsuline zur Diabetestherapie verfügbar. Mischinsuline bestehen aus einen kurz- und einem langwirksamen Insulin. Je nach Zusammensetzung und Mischungsverhältnis gibt es unterschiedliche Mischinsuline. Sie werden in der Regel im Rahmen einer konventionellen Diabetestherapie bei Typ-2-Diabetes verwendet.

 

Quellen:
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). (2015): PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes. 1. Auflage. Version 1

Lechleitner M et al. Insulintherapie bei Diabetes mellitus. Wiener klinische Wochenschrift 2016, 128: 54-61

 

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Klinische Studien