Typ-2-Diabetes

In Europa sind Gefäßkomplikationen bei Typ-2-Diabetes besonders häufig

Im Vergleich von 38 Ländern weltweit war bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Rate an Erkrankungen aufgrund von Schäden der kleinen oder großen Blutgefäße in Europa am höchsten.

Daten von fast 16.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes ausgewertet

Eine internationale Studiengruppe untersuchte die Häufigkeit von Gefäßkomplikationen bei
Typ-2-Diabetes in verschiedenen Regionen der Erde. In 38 Ländern aus den Regionen Afrika, Amerika (Kanada, Mittel- und Südamerika), Südostasien, Europa, östlicher Mittelmeerraum und West-Pazifik wurden Daten von insgesamt 15.992 Menschen mit Typ-2-Diabetes ausgewertet.

Im Durchschnitt war die Typ-2-Diabetes-Erkrankung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern etwas mehr als 4 Jahre lang bekannt. Der durchschnittliche Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) lag bei 8,0 %.

Viele Menschen in Europa hatten bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall

Rund 19 % der Patientinnen und Patienten hatten zum Zeitpunkt der Datenerhebung eine Erkrankung der großen Blutgefäße (makrovaskuläre Erkrankung). Dazu gehören beispielsweise Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Herzversagen und Schlaganfall. Schädigungen der kleinen Blutgefäße (mikrovaskuläre Erkrankungen) wiesen fast 13 % der Teilnehmenden auf. Hier waren Nervenschäden (Neuropathie), Schädigungen der Nieren (Nephropathie) oder eine Erkrankung der Netzhaut des Auges (Retinopathie) die Folgen.

Zwischen den ausgewerteten Regionen gab es zum Teil erhebliche Unterschiede bei der Häufigkeit von Gefäßschäden bei Typ-2-Diabetes. Die höchste Rate wies Europa auf: Hier waren über 23 % der Patientinnen und Patienten von Komplikationen durch Schäden der kleinen Blutgefäße (Durchschnitt für alle Regionen: 18,8 %) und 26,8 % von Erkrankungen durch Schädigung der großen Blutgefäße (Durchschnitt für alle Regionen: 12,7 %) betroffen. In Europa hatten bereits 6,6 % der Patientinnen und Patienten mit
Typ-2-Diabetes einen Herzinfarkt und 3,3 % einen Schlaganfall erlitten. 7,4 % waren von einer diabetischen Nierenerkrankung (Nephropathie) und 5,7 % von einer Erkankung der Netzhaut der Augen (Retinopathie) betroffen.

Gute Blutzuckerkontrolle senkt Risiko für Schäden der kleinen Blutgefäße

Die Wahrscheinlichkeit für Gefäßkomplikationen stieg mit zunehmendem Alter und der Diabetes-Dauer an. Bei Männern waren Gefäßschäden etwas häufiger. Der Blutzucker-Langzeitwert beeinflusste das Risiko für Schäden der kleinen Blutgefäße, aber nicht das Risiko von Erkrankungen der großen Blutgefäße. In allen europäischen Ländern waren Erkrankungen durch Schäden der kleinen oder großen Blutgefäße in Russland am häufigsten. Bei Nicht-Berücksichtigung von Russland sank die Häufigkeit bei den Gefäßkomplikationen zwar etwas ab, trotzdem blieb Europa der Kontinent, auf dem Folgeerkrankungen durch Schäden der großen Blutgefäße am häufigsten auftraten. Entsprechend wiesen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Europa im Durchschnitt auch die höchsten Blutdruckwerte und die höchsten Werte bei den gefäßschädigenden Blutfetten (Triglyzeriden) auf.

Das Fazit der Studie

Die Häufigkeit von Komplikationen wegen Schäden der kleinen oder großen Blutgefäße bei
Typ-2-Diabetes variiert in den Regionen und Ländern der Welt deutlich. Besonders hohe Raten an Gefäßkomplikationen zeigt Europa. Für diese Regionen empfehlen die Forschenden gezielte Maßnahmen, um Patientinnen und Patienten besser zu versorgen und Folgeerkrankungen vorzubeugen.

Quelle:

Kosiborod M et al. Vascular complications in patients with type 2 diabetes: prevalence and associated factors in 38 countries (the DISCOVER study program). Cardiovasc Diabetol 2018; 17:150

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Klinische Studien